X

Beliebte Themen

Lifestyle

Phil Collins: Der Kreis ist geschlossen

Persönlich. Popstar Phil Collins über seine vielleicht letzte CD, die Beziehung zu seinen Kindern und Ex-Partnerinnen und seine Pläne für die Frühpension.

FOTOS
Neale Haynes
31. August 2010

Coopzeitung: Phil, wie geht es Ihnen?

Phil Collins: Ich bin okay wenigstens geistig. Ich habe ein paar körperliche Probleme, die ich überwinden will, speziell mit meinen Armen. Ich kann im Moment kein Schlagzeug oder Piano spielen und bin auch nicht davon überzeugt, dass ich es je wieder können werde. Ich habe schon alle Operationen hinter mir, die möglich waren. Nun heisst es abwarten Aber das Wichtigste ist: Wir haben ein Lächeln auf dem Gesicht!

Trotz den Problemen gaben Sie sechs Konzerte in den USA und eines am Montreux Jazz Festival?
Eigentlich war ich schon zurückgetreten. Als ich meine Solo-Tournee unter dem Titel First Finale Farewell Tour ankündigte, dachte ich schon, dass es die letzte sein würde ganz ehrlich.

Doch dann kam die Genesis-Comeback-Tournee
die wir nur noch machten, weil wir uns als Band nie von unserem Publikum verabschiedet hatten. Die Gruppe war nie offiziell aufgelöst worden, sondern hatte einfach ihre Aktivitäten eingestellt. Und nun ist diese Platte Going Back beim Label Motown gekommen, die ich schon immer machen wollte. Es kommt mir so vor, als wäre diese nicht mehr Teil meiner Karriere.

This presentation requires the Adobe Flash Player. Get Flash!

Wie meinen Sie das?
Die Phil-Collins-Karriere ist vorbei. Bei Going Back handelt es sich um einen Spezialfall. Darauf habe ich Coverversionen meiner Lieb-lingslieder von Motown-Stars eingespielt, die mich in den Sechzigerjahren durch meine Jugendzeit begleiteten. Ich musste diese CD einfach machen. Mit ihr hat sich für mich der Kreis geschlossen.

Und jetzt glauben Sie, dass Sie nun keine Platten mehr machen werden?
Nein also ja also nein, aber ich bin in meinem Leben an einem Punkt angelangt, an dem ich zu nichts mehr gezwungen werden möchte. Ich will meine Entscheidungen selber treffen.

Und wofür könnten Sie sich musikalisch entscheiden?
Ich werde immer Songs schreiben und in meinem Heimstudio Demos aufnehmen. Das ist für mich wie ein Bild zu malen, ich mache das sehr gern. Aber ich werde mit diesen Songs sicher nicht sofort zu meiner Plattenfirma rennen.

Warum nicht?
Weil das für mich unheimlich viel Arbeit nach sich zieht, die viel Zeit braucht, die ich gerne anders verbringen würde.

Wofür wollen Sie Ihre Zeit dann einsetzen?
Um meine Söhne grosszuziehen. Ausserdem gibt es andere Dinge, die mich interessieren. Was denn? Es mag langweilig klingen, doch seit ich als Kind die Disney-Serie über Davy Crocket und später den Western Alamo mit John Wayne gesehen habe, fasziniert mich die Geschichte von Texas. Ich sammle Dokumente, Briefe, Kanonen, Gewehre und Schwerter aus dieser Epoche und bin Co-Autor eines Buchs, das in einem Jahr veröffentlicht wird.

Gefällt Ihnen Ihre Perspektive?
Ich bin mir gar nicht sicher, ob ich mag, was aus Phil Collins geworden ist Darum habe ich mich wie ein Schriftsteller, der plötzlich seinen Hauptdarsteller sterben lässt gewissermassen auf mysteriöse Weise aus der Geschichte hinausgeschrieben. Und jetzt sucht die Polizei gewissermassen meinen Mörder! (lacht) Nein, ich bin schon stolz auf das, was ich erreicht habe, aber ich weiss nicht einmal, ob ich nach dieser CD noch einen Plattenvertrag habe. Ich glaube, ich bin jetzt arbeitslos.

Ziehen Sie als Frühpensionär zurück nach England?
Nein, ich möchte in der Nähe meiner beiden Söhne Nick und Matt bleiben, die nur 15 Autominuten von mir bei ihrer Mutter aufwachsen nicht 15 Flugstunden entfernt wie meine älteren Kinder, die in Vancouver und Los Angeles aufwuchsen. Mit denen ist es schwierig, in Kontakt zu bleiben, obwohl ich mich mit all meinen Ex-Partnerinnen gut verstehe. Orianne und ich haben uns sogar noch sehr gern. Ehrlich gesagt: Ich weiss nicht einmal sicher, warum wir nicht mehr verheiratet sind. Das müssten Sie Orianne fragen.

Hat sie wieder geheiratet?
Ja, und ich habe eine Freundin, die seit 16 oder 17 Jahren auf CBS die News moderiert und ihren Job nicht aufgeben möchte. Dana ist deshalb an New York gebunden, ich durch meine Kinder an die Schweiz. Mein Leben ist milde ausgedrückt etwas kompliziert.

Aber glücklich sind Sie trotzdem?
Ich wäre zweifellos noch glücklicher, wenn ich nicht allein leben würde. Nur Lindsay, die Nanny meiner Jungs, wohnt bei mir im Haus. Sie ist für mich wie eine WG-Partnerin, eine tolle Freundin. Aber eigentlich hatte ich gehofft, mit meinen Kindern und ihrer Mutter unter einem Dach leben zu können. Immerhin ist meine jetzige Situation die zweitbeste Variante.