X

Beliebte Themen

Lifestyle

Roman Kilchsperger: Jasser haben keine Groupies

Roman Kilchsperger moderiert künftig den Donnschtig-Jass. Damit geht ein Bubentraum des passionierten Zockers in Erfüllung.

TEXT
FOTOS
Christoph Kaminski
14. September 2011

Coopzeitung: Ausgerechnet Jassen.
Roman Kilchsperger: Ich jasse nun mal seit 25 Jahren, in den letzten 10 Jahren leidenschaftlicher denn je. Ich habe einen Ausgangsabend pro Woche, das ist der Freitag, da jasse ich mit meinen Freunden 10 bis 12 Stunden lang, meist von fünf Uhr abends bis fünf Uhr morgens. Wir jassen nicht einfach, wir zocken. (Roman zieht das Handy, wirft einen Blick drauf, entschuldigt sich und tippt etwas.) Ich habe auf steigenden Dollar spekuliert. Aber er steigt nicht.

Du zockst beim Jassen?
Ja, wir jassen um Geld. Da stehe ich dazu. Wenn ich ohne Geld jasse, fehlt mir der Anreiz für den Kampf um den letzten Punkt. Es muss nicht um viel gehen, aber so ein kleiner Einsatz verleiht dem Spiel Pfeffer. Das gehört bei uns dazu. Ich mach das ohnehin gerne, um ein paar Batzen zu spielen, auch an der Börse. Nichts Existenzbedrohendes natürlich.

Die Börse ist wie zocken?

Ja. Ich kann auch fast keinen Fussballmatch schauen, ohne zu wetten. Das gibt mir den Kick.

Trotzdem: Der Roman Kilchsperger, das ist der mit dem Grossstadtmaul, der pfiffige Schnuri - Jassen, das ist Land, Stumpen, verhockt...

Mich stört, dass Jassen dieses Image hat. Für einige Menschen mag Jassen die Leidenschaft der Sozialfälle sein, ein Spiel für in Berghütten oder für Menschen, die keine Kollegen finden. Motto: 36 Freunde, aber eben nur Jasskarten. Aber ich verstehe schon, dass das Spiel nicht so sexy wirkt. Meine Freundin, die Viola, die findet das auch. Die würde es auch toller finden, wenn ich Fallschirm springen würde. Jasser haben keine Groupies. Aber das ist uns egal.

Wo hast Du jassen gelernt?

Das Übliche: Als Kind mit Tschau Sepp. In den Ferienhab ich dann den Schieber kennengelernt, so 1985, 86. Später, auf den Malediven in den Ferien, hat mich einer richtig abgezockt. Da hat es mich gepackt. Jetzt bin ich einmal in der Woche leidenschaftlich dran. Einmal im Jahr gehen wir zudem für ein paar Tage fort und jassen. Auch das wird nicht wirklich bewundert von unseren Lebenspartnerinnen.

Viola jasst nicht?

Nein. Ich habs ihr mal beizubringen versucht. Ich habs nicht geschafft. Ich bin aber auch nicht der beste Lehrer.

Was ist Dein Lieblingsjass?

Coiffeur. Das Schiebern langweilt mich.

Und warum nicht Poker, Bridge oder Elfer raus?
Wir sind alle so zwischen 40 und 50, wir können nicht in der Beiz Elfer raus spielen. Und gegen Poker wehre ich mich etwas, weil das für mich vielleicht etwas gefährlich wäre. Ich hätte Angst, zu viel Geld zu verlieren.

Hat es auch mit Tradition zu tun?

Schon auch. Ich bin nicht so traditionsbewusst, aber ich muss nicht jeden Trend mitmachen. Es ist lustig, wenn die Deutschen einem den Schafskopf erklären. Jede Region hat ihre Tradition, das ist doch schön. Die Karten sind für mich nach dem Ball die zweitbeste Erfindung, weil man überall damit spielen kann.

Die Moderation einer Jass-Sendung sei ein Bubentraum von Dir. Sagt uns das Schweizer Fernsehen. Waren Deine Idole Jürg Randegger und Werner von Aesch?

Den Werner von Aesch habe ich tatsächlich immer bewundert. Ich komme wie er aus dem Limmattal. Ein Jahr bevor er gestorben ist, war ich mal bei ihm zu Hause. Ich habe ihn immer für seine Kreativität, für seine Vielseitigkeit bewundert. Ich weiss noch genau, als ich im Teletext las, dass er gestorben ist, das war, wie wenn ein Verwandter gestorben wäre. Er ist einer, dem ich nacheifere, auch am Radio.

Welche Idole hattest Du sonst noch?
Als Bub war ich mehr auf der Fussballerseite. Ich war ein durchschnittlicher Fussballer, habe aber Claudio Sulser nachgeeifert. Meine Buben rennen jetzt im Messi-Trikot herum. Mit etwa zwölf hab ich gemerkt, dass es mir zum Star auf dem Platz nicht reicht. Da habe ich begonnen, die Spiele zu kommentieren. Da waren Sport-reporter wie Mario Santi oder Godi Baumberger meine Vorbilder. Der Godi ist auch kürzlich gestorben. Komisch. Aber das ist vielleicht so, wenn man älter wird: Da sterben einem die Idole weg.

Was wolltest Du werden, wenn Du einmal gross bist?

Ich wollte eigentlich immer zum Radio. Mit zwölf hab ich damit begonnen, auf Kassettli Radio zu machen. Dem Beni Thurnheer hab ich mal eine Kassette geschickt. Der weiss das natürlich nicht mehr.

Und was willst Du heute werden, wenn Du einmal gross bist?
Wimbledon-Sieger wäre ein Traum, aber es ist schon etwas spät. Wenn ich zwischen Fussballweltmeister und Wimbledon wählen könnte, dann würde ich Wimbledon wählen. Wenn ich den Beruf aber noch einmal ganz neu wählen müsste, dann würde ich zur Bank. (Zückt das Handy und schaut wieder nach dem Dollar-Kurs).