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Sophie Hunger: Die Bühne ist für mich ein heiliger Ort

Persönlich. Popstar Sophie Hunger (27) über den Umgang mit ihrem Erfolg sowie ihre Verehrung für Peter Bichsel und ihren Grossvater.

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Heiner H. Schmitt
11. Mai 2010

Coopzeitung: Was bedeutet es Ihnen, dass Sie sowohl mit 1983 als auch mit Ihrer letzten CD in der Hitparade den Sprung direkt auf Platz 1 geschafft haben?

Sophie Hunger: Es freut mich ganz besonders, weil meine Platten von den kommerziellen Privatradios in der Schweiz überhaupt nicht gespielt werden und es deshalb an ein Wunder grenzt, dass überhaupt so viele Menschen wissen, dass es mich gibt.

Ist der grosse Beifall von Presse und Publikum für Sie ein reiner Genuss oder spüren Sie auch einen erhöhten Erwartungsdruck?
Ich versuche mich nicht in ein Leistungsschema zwängen zu lassen. Beifall ist etwas, das Kraft gibt. In bestimmten Momenten kann er ein Konzert verändern, einen Impuls geben wie ein Schrei oder ein Lachen. So kommuniziert das Publikum mit uns auf der Bühne und trägt seinen Teil zur Musik bei.

Weshalb haben Sie Ihr reduziertes klangliches Spektrum erweitert?
Das ist eine normale Entwicklung. Als ich begonnen habe, reichten noch ein, zwei Instrumente, um mich auszudrücken. Jetzt interessiere ich mich immer mehr für Details und andere, nicht musikalische Aspekte meines Berufs. Ich will wissen, warum die Dinge so sind, wie sie sind. Es wird deshalb immer komplizierter und schwieriger, mit mir zusammenzuarbeiten.

Wie beeinflusst die Musik Ihre Texte?
Meine Texte entstehen immer unter dem Aspekt der Musik. Sprache ist Rhythmus, Sprache ist Melodie, Sprache ist Klang. Ich denke rhythmisch und höre die Klänge in der Sprache. So mischen sich Wort und Musik bei mir sehr schnell.

Coopzeitung: Was bedeutet es Ihnen, dass Sie sowohl mit 1983 als auch mit Ihrer letzten CD in der Hitparade den Sprung direkt auf Platz 1 geschafft haben?

Sophie Hunger: Es freut mich ganz besonders, weil meine Platten von den kommerziellen Privatradios in der Schweiz überhaupt nicht gespielt werden und es deshalb an ein Wunder grenzt, dass überhaupt so viele Menschen wissen, dass es mich gibt.

Ist der grosse Beifall von Presse und Publikum für Sie ein reiner Genuss oder spüren Sie auch einen erhöhten Erwartungsdruck?
Ich versuche mich nicht in ein Leistungsschema zwängen zu lassen. Beifall ist etwas, das Kraft gibt. In bestimmten Momenten kann er ein Konzert verändern, einen Impuls geben wie ein Schrei oder ein Lachen. So kommuniziert das Publikum mit uns auf der Bühne und trägt seinen Teil zur Musik bei.

Weshalb haben Sie Ihr reduziertes klangliches Spektrum erweitert?
Das ist eine normale Entwicklung. Als ich begonnen habe, reichten noch ein, zwei Instrumente, um mich auszudrücken. Jetzt interessiere ich mich immer mehr für Details und andere, nicht musikalische Aspekte meines Berufs. Ich will wissen, warum die Dinge so sind, wie sie sind. Es wird deshalb immer komplizierter und schwieriger, mit mir zusammenzuarbeiten.

Wie beeinflusst die Musik Ihre Texte?
Meine Texte entstehen immer unter dem Aspekt der Musik. Sprache ist Rhythmus, Sprache ist Melodie, Sprache ist Klang. Ich denke rhythmisch und höre die Klänge in der Sprache. So mischen sich Wort und Musik bei mir sehr schnell.

Weshalb schreiben Sie die meisten Songs auf Englisch und fast keine Mundart-Lieder?
Gerade mein inniges Verhältnis zu den Schweizer Dialekten kann das Texten tonnenschwer machen. Wobei ich mir nie überlege: So, nun mache ich etwas in dieser oder jener Sprache. Es ergibt sich einfach.

Wie wohl war Ihnen mit dem Hype, der nach Ihrem Debütalbum und dem Film Der Freund um Ihre Person entstand?
Ich gebe von 100 Konzerten 90 im Ausland, aber nur in der Schweiz wird das Wort Hype verwendet, wenn man über mich spricht. Sonst geht es um Platten und Konzerte. Ich glaube, das hat viel mit den Schweizer Journalisten zu tun, für die es vielleicht ein Schock ist, dass es jemand wagt, sich hervorzuheben und so weit zu gehen.

Vielleicht hatte man auch den Eindruck, dass Sie sich den Medien verweigern und so den Hype fördern wollten.
Es ist völlig absurd, zu behaupten, ich würde mich verweigern. Ich bin letztes Jahr bei zehn Fernsehshows in Deutschland und Frankreich aufgetreten und habe etliche Radiointerviews gegeben.

Früher schienen Sie aber weniger kommunikativ zu sein.
Ich funktioniere in dieser Hinsicht sehr unprofessionell: Wenn ich etwas oder jemanden nicht mag und die Konstellation nicht stimmt, breche ich die Sache einfach ab und versuche mich nicht zusammenzureissen, sondern möglichst nahe bei mir selbst zu bleiben. Aber selbst das gelingt nicht immer. Ich habe natürlich auch Fehler gemacht.

Haben Sie die Musik zum aktuellen Filmporträt über Peter Bichsel Zimmer 202 komponiert, weil der Schriftsteller ähnlich unangepasst ist wie Sie?
Primär habe ich als Kind seine Literatur verschlungen. Er hat mir beigebracht, dass alles eine Erfindung ist. Wenn ich ihn jetzt sehe und mit ihm rede, bedeutet mir das sehr viel. Er gibt mir in fünf Minuten mehr als viele andere in Wochen. Ich glaube, er hat sich immer erlaubt, ehrlich zu sich und gegenüber anderen zu sein. Das lässt ihn volksnah wirken. Diese Narrenfreiheit hat aber gewiss ihren Preis. Wenn Peter Bichsel so ernst erschiene wie Max Frisch, wäre er vielleicht Nobelpreisträger.

Sind Sie eher ernst?
Es gibt Tage, an denen ich mich sehr ernst nehme, und es gibt Tage, an denen ich mich überhaupt nicht ernst nehme. Da habe ich mich noch nicht festgelegt ... (schmunzelt)

Bei Ihren Auftritten wirken Sie aber sehr ernst und in die Songs vertieft.
Was ich sehr ernst nehme, ist die Musik. Schon als Kind war ich fasziniert, wenn jemand eine Rede hielt oder etwas darbot, und rief die Anwesenden zu Ruhe auf. Die Bühne war für mich immer ein heiliger Ort. Ich weiss nicht, woher das kommt.

Könnten Sie das Feierliche von Ihrem Grossvater, dem Radiopionier Arthur Welti, geerbt haben?
Ja, das könnte ich mir sehr gut vorstellen, obwohl ich ihn nie persönlich kennengelernt habe, da er früh verstorben ist. Ich kenne jedoch seine Aufnahmen und es hat mich fasziniert, wie er bei seinen Reportagen in jener Zeit, als es noch kein Fernsehen gab, theatralisch schilderte, wie die Leute anderswo lebten.

Wie wichtig ist es Ihnen, dass es im renommierten ARD-Kulturmagazin Titel, Thesen, Temperamente hiess, Sie hätten das Zeug zum Weltstar?
Ich hüte mich davor, eine Antwort auf diese Frage zu geben.