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Vom Laufsteg zur Bühne

Für ihre erste Rolle in einem Spielfilm erhielt Florine Deplazes gleich eine Auszeichnung. Das talentierte Zürcher Model ist am Abheben.

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Karl-Heinz Hug
26. Juli 2011

Coopzeitung:Der Schweizer Kinofilm Der Sandmann ist sehr komisch und spannend. War es auch komisch auf dem Filmset?
Florine Deplazes:Ja, vor allem bei den technisch komplizierten Szenen mit dem Sand war es schwierig, nicht loszulachen. Dabei sind die ja besonders dramatisch.

Sie spielen die Freundin des Hauptdarstellers und wirken sehr natürlich. Passte die Rolle so gut zu Ihnen?
Als Patrizia spiele ich eine sehr gemässigte Form von mir selber. In Wirklichkeit bin ich aufgedrehter. Natürlich zu wirken, gehört jedoch zur Schauspielkunst.

Irene Brügger, alias Frölein Da Capo, spielt in der Hauptrolle Sandra ganz sich selber, eine originelle Musikerin. Wie war es zwischen Ihnen beiden auf dem Set?
Bestens, obwohl wir sehr verschieden sind. Ich liebte ihre musikalischen Auftritte.

Im Film sind Sie Gegenspielerinnen: Ihr Freund, der Sandmann Benno, verliebt sich in Sandra, obwohl er Sie viel schöner findet. Der Film lebt nicht zuletzt von diesem Dilemma. Wie fanden Sie denn den Sandmann?
Der Sandmann ist amüsant, aber ein Macho. Patrizia lässt sich einiges von ihm bieten, da sie ihn für genial hält.

Gespielt wird der Sandmann von Fabian Krüger. Wie hatten Sie es mit ihm?
Super! Er kann die ganze Welt zum Lachen bringen, wenn er gut drauf ist. Wenn es ihm nicht so gut geht, versteckt er es nicht, wir sind da ähnlich.

Sie haben schon bei Fernsehsendungen mitgemacht?
Ja, ich hatte einen Auftritt in der SF-Arztserie Tag und Nacht, die leider nach der ersten Staffel nicht weitergeführt wurde. Ich spielte die Freundin eines Arztes.

Am meisten Erfahrung haben Sie als Fotomodell?
Seit der Matura verdiene ich meinen Lebensunterhalt als Model und kam so zur Schauspielerei.

Wie das?
Ich wurde von Fotografen und Regisseuren ermuntert, in Richtung Schauspiel zu gehen. Zuerst dachte ich, dass die das jedem Model sagen, doch als ich es immer wieder hörte, begann ich, daran zu glauben. Auch weil ich schon immer leidenschaftlich gern in verschiedene Rollen schlüpfte.

Schon als Kind?
Ja, vor allem, wenn ich allein war, machte ich das Wohnzimmer zur Bühne. Als Jugendliche spielte ich in Musicals mit. Ausdruck, Sprache und Bewegung waren schon immer meine Themen.

Nun nehmen Sie Schauspielunterricht?
Ja, seit gut drei Jahren besuche ich Schulen in England, Deutschland und den USA. Ich merkte bald, wie sehr es mir entspricht, wie schnell ich Anweisungen umsetzen kann und wie gut und lebendig ich mich dabei fühle.

Ist es ein Vorteil, aus dem Modelbusiness zu kommen?
Man sammelt Kameraerfahrung und arbeitet ebenfalls mit diversen Körperhaltungen und Gesichtsausdrücken. Doch als Schauspielerin braucht man den Mut zur Hässlichkeit nicht gerade das, was Models auszeichnet! Ich profitiere davon, dass ich über Jahre Ballett und Jazzdance übte und deshalb ein gutes Körper- und Raumgefühl habe.

Als Model ist man eine Art Nebendarstellerin, meist wird der Name nicht erwähnt. Reizen Sie Nebenrollen besonders?
Nein, so fängt man halt an. Keine Schauspielerin möchte nur Nebenrollen spielen!

Für Ihre Nebenrolle im Sandmann bekamen Sie immerhin einen Preis.
Ja, das hat mich natürlich sehr gefreut! Ich war an einem Kurs in Los Angeles, als mir Regisseur Peter Luisi schrieb, dass ich nominiert bin. Etwas später erfuhr ich, dass ich den Award als beste Nebendarstellerin am Buffalo Niagara Filmfestival New York gewonnen habe. Der Film findet in den USA überhaupt viel Anklang.

Sie möchten sich als Schauspielerin weiterentwickeln?
Ich würde gern einmal in einem Drama eine Frau spielen, die menschliche Abgründe erlebt. Die Psychologie von Menschen zu erfassen, fasziniert mich.

Träumen Sie von Hollywood?
Klar, wer nicht? Ich war kürzlich zum ersten Mal dort und war sehr angetan. Unglaublich, wie viele Künstler dort ihre Träume verwirklichen wollen. Die Konkurrenz ist gross, doch auch das Angebot ist riesig. Da der Sandmann am Newport Beach Filmfestival gezeigt wurde, und ich mit Regisseur Luisi vor Ort war, lernte ich zwei Regisseure kennen, die mir nun ihr Drehbuch schickten.

Wenn man Ihren Namen googelt, stösst man auf ein Foto, das Sie an der Seite des Regisseurs Oliver Stone zeigt. Woher kennen Sie ihn?
Ich lernte ihn am letzten Zürcher Filmfestival kennen. Er wollte, dass ich ihm mein Schauspielmaterial schicke, seither sind wir in Kontakt.

Besteht die Aussicht, dass Sie in einem Film von ihm mitspielen?
Das wäre ein Traum! Ich bekam in Hollywood die Chance, an einem Vorsprechen für seinen neuen Film teilzunehmen.