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Albin Brun: Die Freiheit ist mir sehr wichtig

Er verbindet Folk und Jazz. Verwurzelt in der musikalischen Tradition der Innerschweizer Berge, erzählt der Klangwanderer von fernen Welten und Menschen.

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Urs Flüeler
03. November 2014

Albin Brun in der Seebadi einer seiner Lieblingsorte in Luzern.


Interview

Sein Spiel ist unverwechselbar, auf dem Schwyzerörgeli ebenso wie dem Saxofon, seinen Hauptinstrumenten. Darum ist Albin Brun ein gefragter Musiker, für Radio- und TV-Produktionen ebenso wie für Projekte mit Musikerkollegen. Die neue CD Wegmarken von Bruns NAH-Quartett ist ein klingendes Fotoalbum seiner musikalischen Reisen. Zum Interview trafen wir ihn in dort, wo einer der Titel auf der CD spielt: Xeehadi ide Seebadi.

Was bedeutet Ihnen dieser Ort?
In Luzern bin ich zu Hause und in der Seebadi gehe ich im Sommer gerne bei jeder Gelegenheit schwimmen.

Wie sind Sie zur Musik gekommen?
Ich stamme nicht aus einer Musikerfamilie, aber Musik war immer präsent bei uns und alle Geschwister lernten ein Instrument. Nach der Matura hatte ich keine Ahnung, wie es weitergehen sollte. Doch ich war damals schon in der Folk-Szene zu Hause, spielte Musik aus aller Welt. Nach drei Jahren hatte ich das Gefühl, jetzt wird es Zeit, etwas zu lernen. Ich machte eine Ausbildung als Schulmusiker, obwohl ich nie das Ziel hatte, zu unterrichten. Bald wurde die Musik zum Hauptinhalt meines Lebens.

Hatten Sie musikalische Vorbilder?
Idole, denen ich hätte nacheifern wollen, nicht. Aber es gab viele Bands und Leute aus dem persönlichen Umfeld, die mich motivierten. Und die 1970er-Jahre waren eine spezielle Zeit, in der man noch mit wenig Geld überleben konnte. Wir wohnten zu fünft in einem Haus für 250 Franken Miete! Da musste man nicht unbedingt einen gut bezahlten Job haben. Wir konnten viel ausprobieren, und per Autostopp kam man überall hin.

Eines seiner vielen Instrumente: Das Duduk stammt aus Armenien.

Was hat Sie dann zum Jazz gebracht?
Ich war musikalisch immer sehr offen. Ganz am Anfang spielte ich Schweizer Volksmusik, später Folk. Die irische Musik war da sehr wichtig, aber es gab auch Einflüsse aus Südosteuropa und Italien. Ich wollte mich weiterentwickeln, rhythmisch und harmonisch. Da ist Volksmusik Musik vom Volk und für das Volk meist nicht sehr komplex. An der Jazzschule belegte ich Kurse in Harmonielehre, lernte Saxofon und begann mit Improvisation.

Wie verbinden Sie Volksmusik und Jazz?
Mir ist die persönliche Freiheit sehr wichtig. Ich spiele ja vorwiegend eigene Kompositionen. Mit der traditionellen Szene habe ich nicht viel zu tun, und die sogenannte Jazzpolizei ist mir herzlich egal. Ich habe grossen Respekt vor alten Melodien und würde sie nie verhunzen. Es geht mir um eine ernsthafte Auseinandersetzung, gepaart mit Sinn für feinen Humor.

Wir wohnten zu fünft in einem Haus für 250 Franken Miete»

Statt Ring: geflochtene Bänder von seiner Ehefrau.

Sie haben damit Erfolg und treten heute in aller Welt auf
Es ist ein grosses Glück, dass ich mit der Musik unterwegs sein und Leute aus anderen Kulturen treffen kann es ist eben wirklich eine universelle Sprache. So wurde ich zum Beispiel von Pro Helvetia für ein Projekt in Ägypten angefragt, mit einem Chor war ich in Namibia. Speziell ist das Projekt Kazalpin mit drei Sängerinnen aus Weissrussland: Nachdem wir mehrmals auf Tournee waren, nehmen wir demnächst eine zweite CD auf. Aber ich habe auch schon in Südkorea gespielt oder in Schweden. Solche Reisen sind ein Riesengeschenk.

Wie lässt sich dieses Musikerleben mit dem Familienleben vereinbaren?
Meine Frau macht auch Musik und hat dafür viel Verständnis. Von daher geht es gut und dafür bin ich sehr dankbar. Der Sohn ist jetzt 25 und die Zwillinge 23. Aber ganz am Anfang, als sie noch klein waren, war es schon happig. Damals spielte ich oft an Festen, kam spät nach Hause und war dann keine grosse Hilfe für meine Frau.

Naturmensch: Auf seinen Touren ist der Feldstecher stets dabei.

Jazzer stellt man sich als Nachtmenschen in verrauchten Bars vor, doch Sie gehen gerne in die Berge als Ausgleich?
Ich bin schon eher ein Nachtmensch, früh aufstehen fällt mir nicht leicht (lacht). Und ich mache das auch nur, wenn ich auf Berg- oder Skitouren gehe. Aber ich war wirklich schon auf sehr vielen Bergen. Draussen in der Natur kann ich auftanken. Ich brauche Bewegung: Im Sommer gehe ich fast jeden Tag hier schwimmen, fahre viel Velo. Und ich bin gerne in unserem Garten am Pflanzen, Schneiden und Jäten, am Schauen, wie es wächst, und was nicht wächst da hat man immer etwas zu tun. Aber wichtig ist mir auch die Sprache. Ich lese viel und schreibe Gedichte.

Wovon träumen Sie jetzt noch?
Ich möchte schon noch ein wenig mehr sehen von der Welt. Und ich kenne so viele tolle Musiker, mit denen ich noch etwas zusammen machen möchte. Es geht einfach immer weiter, die Zitrone ist noch nicht ausgepresst! Ich hoffe, das bleibt noch lange so

Wichtige Daten

1976 Mit 17 hat er den ersten Auftritt mit seiner eigenen Folkband.

2001 Für die Solo-CD Pilatus spielt er alle Instrumente selber ein.

2013 Seine Heimatstadt Luzernzeichnet ihn mit dem Kunst- und Kulturpreis aus.

Mehr über Albin Brun auf seiner Internet-Seite

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