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Anatole Taubman: Ein Bubentraum ging in Erfüllung

Abenteurer Als Kind spielte er lieber Ritter als Cowboy und Indianer. In Northmen darf er es nun sogar auf der grossen Leinwand tun.

FOTOS
Christoph Kaminski
13. Oktober 2014

In der Aargauer Ruine Schenkenberg: Anatole Taubman liebt Burgen seit seiner Kindheit. Herzenssache: Er ist Unicef-Botschafter. Als ich merkte, dass aus den fünf bis acht Zigaretten, die ich früher pro Tag geraucht hatte, zehn bis 15 geworden waren, habe ich auf die E-Zigarette umgestellt.

Herzenssache: Er ist Unicef-Botschafter.

Als ich merkte, dass aus den fünf bis acht Zigaretten, die ich früher pro Tag geraucht hatte, zehn bis 15 geworden waren, habe ich auf die E-Zigarette umgestellt.

Interview

Abenteurer Als Kind spielte er lieber Ritter als Cowboy und Indianer. In Northmen darf er es nun sogar auf der grossen Leinwand tun.Er musste viel zu früh ohne die Eltern aufwachsen, drohte dann auf der schiefen Bahn abzurutschen, bevor er im Internat des Klosters Einsiedeln gerade noch die Kurve kriegte. Als Schauspieler scheint Anatole Taubman auch heute noch ein Getriebener zu sein, doch nach den Trennungen von den Müttern seiner Töchter gewinnt für den Zürcher das Privatleben zunehmend an Bedeutung. Zum Interview trafen wir ihn auf der Ruine Schenkenberg im Aargau.

Welche Erinnerung weckt dieser Ort?

Da schlägt mein Herz sofort höher! In den Jahren, als ich bei Pflegeeltern im Prättigau aufwuchs, haben wir an den Wochenenden alle möglichen Burgen und Schlösser erklommen. Doch schon früher konnte ich stundenlang allein mit meinem Playmobil-Schloss spielen oder meine Lieblingskassette hören: Prinz Arco Der schwarze Ritter . Die habe ich übrigens vor zwei Jahren beim Räumen der Wohnung meiner Mutter wiederentdeckt.

Die Alzheimererkrankung der Mutter, die Trennung von Ihrer langjährigen Partnerin wie haben Sie das verarbeitet?
Ich bin mir heute bewusst, dass das Showbusiness ein Monster sein kann und dass diese grossen privaten Veränderungen den Erfolg im Beruf zwingend notwendig zweitrangig machen. Ich bin mir bewusst, dass das wahre Glück nicht im Beruf liegt, sondern im Privaten.

Nun haben Sie wieder eine Freundin, die das Rampenlicht kennt, glanz&gloria-Moderatorin Sara Hildebrand. Ein Vorteil?
Ja! Auf jeden Fall und zweifelsfrei. Sara kennt die Menschen, die Abläufe und das Business, in dem ich mich bewege, und kann sich in meine Situation hi-
neinversetzen.

Im Film hatten Sie bislang noch nie mit dem Schwert gekämpft. Was bedeutet Ihnen Northmen?
Ein Bubentraum ist in Erfüllung gegangen, aber es war kein Honigschlecken! Aus Kostengründen wurde nicht an den Originalschauplätzen in Schottland gedreht, sondern in Südafrika. Aber nicht im Sommer am Beach von Kapstadt, sondern sechs Stunden landeinwärts, wo Landschaft und Vegetation ähnlich sind wie im Norden. Es war Spätwinter, meist nasskalt, ich trug eine 16 Kilo schwere Rüstung und sass jeden Tag schwertschwingend auf dem Pferd oder rannte durch Wälder und Schluchten (lacht)

Mit 16 Kilo Rüstung sass ich jeden Tag auf dem Pferd»

Also schmerzhafte Dreharbeiten?
Reiten konnte ich schon, aber nicht in dieser Intensität. Und dann musste ich lernen, einen Schwertkampf zu führen. Die Stunttrainings zogen sich über die gesamte Drehzeit. Nach den ersten Tagen konnte ich nicht einmal mehr Hände schütteln vor lauter Muskelkater! Ich weiss nicht, wann ich das letzte Mal so körperlich fit war am Ende eines Drehs.

Um was geht es in diesem Film?
Eine Horde Wikinger erleidet im 9. Jahrhundert Schiffbruch vor der schottischen Küste. Ihnen fällt die Tochter eines Clanlords auf der Flucht vor ihrer Zwangsverheiratung in die Hände, doch damit haben sie dessen karpatische Garde auf den Fersen: Die soll die Tochter tot oder lebendig zurückbringen.

Ein Film für die Champions League der Action- und Abenteuerstreifen?
Ich kenne keinen Film mit so viel Swissness, der im Genre Action-Adventure global mitschwimmen kann. Ich bewundere Produzent Ralph Dietrich von Ascot Elite für seinen Mut und seine Filmleidenschaft. Mit einem vergleichsweise bescheidenen Budget unter 10 Millionen Dollar, hauptsächlich Schweizer Geld und ohne Superstars kann Northmen dennoch mit seiner Bildgewalt, der epischen Story sowie den grossen Schlachten und Gefühlen Hollywood-Blockbuster herausfordern, die das Zehnfache kosten. Wie der FC Basel im Fussball.

Wie gehen Sie damit um, dass Sie in englischsprachigen Filmen meistens als unsympathische Figur besetzt werden?
Wer lässt sich schon gerne in eine Schublade stecken? Anderseits bin ich dankbar und glücklich, dass meine Schublade Europäer ziemlich gross ist. Ausser als Russe und Karpate gehe ich zum Beispiel auch als Pole oder Franzose durch! Obwohl ich auch Klischeefiguren spiele, bin und bleibe ich ein Charakterdarsteller. So bin ich froh, dass ich in deutschsprachigen Produktionen wie Akte Grüninger oder Der Kreis, der von der Schweiz für den Oscar nominiert wurde, differenzierte Rollen gespielt habe. Diese zeigen, dass auch Schauspieler in der zweiten Reihe ganz viel zur Ausstrahlung der Hauptdarsteller und der Filme beitragen können.

Wichtige Daten und Links

1970 Geburt am 23.Dezember. Mutter ist Sängerin, Vater ein 30 Jahre älterer Musikmanager.

1992 Nach schwieriger Jugend findet er seine Berufung an der Schau-spielschule in New York.

2008 Internationaler Erfolg als Bösewicht Elvis in James Bond Ein Quantum Trost.

2014 Am 23. Oktober kommt sein neuster Film Northmen - A Viking Saga ins Kino.

Film-Details

Neue Serie: Versailles

Derzeit steht Anatole Taubman in Paris vor der Kamera. Dort haben die Dreharbeiten zu der ersten Staffel des Historiendramas Versailles begonnen, einer TV-Serie um König Ludwig XIV. von Frankreich. Taubman verkörpert in der Serie um Macht, Intrigen, Verrat und Fami-lie die Rolle des Montcourt. Die Geschichte beginnt im Jahr 1667, als Ludwig nach dem Tod seiner Mutter mit 28 Jahren den Thron bestieg. Die Serie zeigt, wie er sich vom jungen König zum absoluten Monarchen entwickelt und wirft auch Licht auf politische Systeme und Episoden seiner Herrschaft werfen, die nicht so bekannt sind, wie La grande Enquete (die grosse Untersuchung) zur Entlarvung und Entmachtung gesetzloser Adliger. Gedreht wird die Serie, zu der vorerst zwei Staffeln à 10 jeweils einstündige Folgen geplant sind, in Versailles, in und um Paris und im Studio. Die mit 25 Millionen Euro teuerste französische TV-Serie ist eine Co-Produktion von Canal Plus, Capa Drama, Zodiak und Incendo. Die Ausstrahlung ist für 2015 vorgesehen, wahrscheinlich unter anderem im ZDF.

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Hier gehts zur Webseite des Films: Northmen