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Hendrix Ackle: Musik ohne Verrenkungen

Sänger Hendrix Ackle (43), der in Philipp Fankhausers Band als Pianist begeistert, über seinen Namen, lächerliche Gitarristen und sein zweites Standbein.

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Christoph Kaminski
14. Juli 2014

Hendrix Ackle in seinem Atelier: Ich finde, man sollte an seinen Stärken arbeiten, um diese noch aussergewöhnlicher zu machen.


Interview

Coopzeitung: Wie konnten sich Ihre Eltern so in Ihnen täuschen? Einen Pianisten Hendrix zu taufen...?
Hendrix Ackle: (lacht) Da hat sich mein Vater durchgesetzt, der immer Gitarre gespielt hat und ein grosser Fan von Jimi Hendrix war. Meine Mutter wollte einen normaleren Namen, den sie auch bekam, da Hendrix 1971 vom Zivilstandsamt noch nicht akzeptiert wurde. Offiziell heisse ich Heinrich Alexander, doch nur mein Grossvater aus dem Fricktal nannte mich Heiri. Sogar die Lehrer riefen mich Hendrix.

War das Piano immer Ihre grosse Liebe oder haben Sie auch einmal mit der Gitarre geflirtet?
Nein, ich benutze die Gitarre zwar hin und wieder, um darauf Songs zu schreiben, aber das Klavier ist schon seit meiner Kindheit die Nummer eins. Als meine Mutter fand, dass es an der Zeit wäre, ein Instrument zu lernen, und ein Freund meiner Eltern lässigen Klavierunterricht gab, habe ich Feuer gefangen. Als ich dann auch noch eine Elton-John-Platte geschenkt bekam, war es endgültig um mich geschehen.

Was halten Sie vom Klischee, dass Pianisten eher Schöngeister und Gitarristen eher Machos sind?
Aus meiner Erfahrung ist da schon viel Wahres dran. Ich kann mich jedenfalls hinter ein Klavier setzen, ohne komische Verrenkungen machen zu müssen. Dagegen wirken viele Gitarristen ausgesprochen lächerlich. Eigentlich fast alle. Nicht, wenn man ihnen zuhört, nur, wenn man ihnen zuschaut! (lacht)

Wenn ich eine Phase habe, in der es nicht läuft, quäle ich mich nicht.»

Wie viel Fleiss und Disziplin steckt hinter Ihrem begeisternden Spiel, das so gefühlvoll und intuitiv wirkt?
Wenig. Ich spiele zwar sehr viel, aber wenn ich eine Phase habe, in der es nicht läuft oder mir nichts einfällt, quäle ich mich nicht. Andere Kollegen üben immer mehr, wenn sie nicht gut spielen, und fallen dann in tiefe Depressionen, wenn sie immer mehr verkrampfen. Das widerspräche jedoch meinem Naturell.

Welche Qualitäten muss ein Blues- und Soulmusiker haben?
Es braucht schon ein gewisses Handwerk, aber ich kann nicht gut Noten lesen und stehe wie ein Esel am Berg, wenn ein Stück komplexer wird. Ich werde aber auch nicht engagiert, wenn es darum geht, genau ab Blatt zu spielen, sondern dort, wo ich mich einfühlen und ein-bringen soll. Ich finde überhaupt, dass man nicht an seinen Schwächen arbeiten soll, um diese zu beseitigen, sondern an seinen Stärken, um diese noch aussergewöhnlicher zu machen.

War für Sie immer klar, dass Sie die Musik zu Ihrem Beruf machen wollten?
Schreiner wäre auch eine Option gewesen. Auf jeden Fall wollte ich etwas mit den Händen machen. Dann habe ich jedoch die Kantonsschule begonnen, da meine Mutter fand, ich sollte diese Chance nutzen, machte den Vorkurs für die Kunstgewerbeschule, übernahm Temporärjobs und probierte eine Jazzschule aus. Dann liessen jedoch die ersten Anfragen als Live- und Studiomusiker meinen Glauben wachsen, dass ich doch allein von der Musik leben könnte.

Und? Klappt das jetzt?
Natürlich habe ich meistens kein Geld auf der hohen Kante. Trotzdem hatte ich noch nie das Gefühl, auf Dinge verzichten zu müssen, die mir wichtig waren. Manchmal hat mir auch meine Mutter etwas zugesteckt oder meine Freundin die Ferien bezahlt.

Weshalb liessen Sie sich für Ihr schönes erstes Soloalbum so lange Zeit?
Dank dem regelmässigen Einkommen, das ich habe, seit ich in der Band von Philipp Fankhauser spiele, hatte ich die Gewissheit, dass ich mit einer CD im schlimmsten Fall mein Geld in den Sand gesetzt habe, deswegen aber nicht ohne Arbeit sein würde. Das erlaubte mir, kompromisslos das Album zu machen, das ich mir vorgestellt hatte. Ohne nachzudenken, ob die Songs eingängig genug sind oder fürs Radio nicht länger als fünf Minuten sein dürfen...

Ich bin kein Hipster, sondern ein alter Fan von Captain Haddock.»

Wie kommt Logbook an?
Bei den Privatradios habe ich einen schweren Stand, aber bei SRF wurde die Ballade Close To You öfter gespielt als jede Single meines Duos Hendrix Cousins. Wichtiger ist mir allerdings, dass das gesamte Album eine Stimmung vermittelt, in die man eintauchen und von der man sich tragen lassen kann.

Viel Atmosphäre hat auch das Restaurant, das Sie in der Badener Altstadt führen. Wie kam es dazu?
Als mein Ex-Chef den Rebstock nicht mehr alleine stemmen wollte, dachte ich mir, dass ein zusätzliches Standbein für mich Sinn machen würde. Zudem hätte ich mich ohne dieses Lokal heimatlos gefühlt. Also bin ich mit einem 30-Prozent-Pensum bei ihm eingestiegen und versuche nun in der Gastronomie, ähnlich wie mit der Musik, die Leute glücklich zu machen.

Macht Ihr Bart Sie glücklich oder ist er einfach dem Trend geschuldet?
Nein, ich bin definitiv kein Hipster, sondern ein alter Fan von Captain Haddock aus Tim&Struppi. Seitdem bei mir etwas spriesst, hatte ich immer wieder Bärte, selbst, als sie total uncool waren. Inzwischen würde ich mich oben ohne gar nicht mehr wohlfühlen! Rasiert sehe ich zehn Jahre jünger aus und aus irgendeinem Grund möchte ich das gar nicht!

Steckbrief

Geboren: 29.November 1971 in Schönenwerd
Zivilstand: liiert
Wohnort: Ennetbaden
Beruf: Sänger, Musiker und Songschreiber
Laufbahn: Ackle verdiente seine Sporen als Pianist bei Cyrano, Betty Legler und Michael von der Heide ab. Als Duo mit dem amerikanischen Soulmusiker Richard Cousins und in der Band von Blueser Philipp Fankhauser entwickelte er sich auch zum begnadeten Hammond-Orgel-Spieler. Er hat auch schon Lieder für den US-Star Robert Cray geschrieben.
Aktuell: CD Logbook. 19.Juli: Solo und mit Philipp Fankhauser am Live At Sunset-Festival auf dem Zürcher Dolder.

Mehr Infos zumLive At Sunset-Festival

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Nachgefragt

Welches Buch liegt grad auf Ihrem Nachttisch?
Ich bin ein Parallelleser: Werner Lutz Hügelzeiten und Sven Magical Mistery.

Welches ist Ihr Lieblings-Romanheld?
Ist nicht wirklich eine Romanfigur, aber wenn Sprechblasen auch zählen ists Captain Haddock aus Tim und Struppi.

Und welche Vorbilder haben Sie in der Wirklichkeit?
Captain Haddock ich weiss...

Welchen Film haben Sie zuletzt gesehen?
Den letzten Tatort ich bin seit einiger Zeit kein grosser Kinogänger mehr...

Und welchen Film würden Sie gerne wieder einmal sehen?
Pat Garrett and Billy the Kid

Ihr Lieblings-Filmheld?
Toshiro Mifune in Seven Samurai

Was für Musik hören Sie gerade?
Joe Henry Invisible Hour

Welche CD würden Sie auf die einsame Insel mitnehmen?
Miriam Makeba Pata Pata

Mit welchem Musiker würden Sie gerne einmal einen trinken?
Joe Henry

Was kochen Sie selbst?
Alles

Ihre Lieblingsspeise?
Das müsste etwas italienisches sein, zum Beispiel Melanzane alla parmigiana.

Ihr Lieblingsgetränk?
Wein

Mit wem essen Sie am liebsten?
Mit guten Freunden

Und wo essen Sie am liebsten?
Überall wo gut und mit Liebe gekocht wird würde meine Grossmutter heute noch kochen, wäre es bei ihr .

Mac oder PC?
Mac

Auto oder Zug?
Auto

Wein oder Bier?
Wein

Pasta oder Fondue?
Pasta

Joggen oder Walken?
Keins von beiden ganz gemütlich laufen.

Berge oder Meer?
Meer

Wann haben Sie zuletzt geweint?
Das ist nicht sehr lange her...

Wie bringt man Sie zum Lachen?
Je absurder der Humor/die Komik umso lacher.

Welches Tier wären Sie am liebsten?
Ein Vogel am besten ein Rabe.

Wovon träumen Sie?
Dass ich schuderhaft gut Saxophon spielen kann, passiert mir im Traum öfters keine Ahnung wieso ...

Was ist für Sie das grösste Glück?
Es gibt kein bestimmtes grösstes Glück. Aber wenn es passt gibts das grösste Glück in der Musik, in einer Berührung, in einem Gespräch, beim Betrachten einer Landschaft, you name it ...