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Ira May:Soul ist keine Frageder Hautfarbe

Ira May betört Kritiker wie Musikfans mit erdiger Soulmusic made in Switzerland. Die Frau mit der Powerstimme darüber, warum sie froh ist, bei Musicstar ausgeschieden zu sein und ihre Liebe zur Musik.

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Georgios Kefalas
13. Januar 2014

Ira May betört die Musikfans nicht nur mit ihrem Soul, sondern auch mit ihren tiefblauen Augen. Im Schlosspark von Sissach findet Ira May Ruhe und Abstand. Im Sommer liegt sie auf der Wiese unter den alten Bäumen, im Winter spaziert sie über die benachbarten Felder. Das Interview wurde bereits im Spätherbst geführt. Da gab es noch einige Tage mit viel Sonne, der Ira May entgegenblinzelt. Ira May ist eine nachdenkliche junge Frau, die aber auch den Schalk im Nacken haben kann. Ira May hat eine Lehre in einem Musikalienfachgeschäft gemacht. Nun sucht sie nach einem Job, der ihr auch eine gewisse Flexibilität bieten sollte. Oder ist ihr erstes Album The Spell, das demnächst erscheint, ein Schritt zu einer grossen Musikkarriere? Zu gönnen wäre es Ira May, die mit bürgerlichem Namen Iris Bösiger heisst. Denn ihre Stimme ist umwerfend. Mit 13 Jahren sang sie im Schülerchor eine Solo-Stimme The Rose von Bette Midler. War das nicht eine ganz schön grosse Nummer? Aus der Rückschau schon. Aber damals habe ich mir keine Gedanken darüber gemacht. Es lief auch super, sagt Ira May. Kreativität ist gross geschrieben bei Ira May. Als sie nach der Schule nicht genau wusste, wohin der Weg gehen sollte, habe sie viel ausprobiert, auch im zeichnerischen, gestalterischen Bereich, erzählt die heute 26-Jährige. Beim Gesang ist sie dann geblieben. Zum Glück. Auf die Frage, warum sie in Englisch und nicht in Deutsch singt, meint sie: Zum Singen ist Englisch eine superschöne Sprache. Vielleicht liegt es daran, dass ich seit ganz früh an englischsprachige Musik gehört habe. Und ich singe einfach nicht gern in Schwyzerdütsch.

Im Schlosspark von Sissach findet Ira May Ruhe und Abstand. Im Sommer liegt sie auf der Wiese unter den alten Bäumen, im Winter spaziert sie über die benachbarten Felder. 

Das Interview wurde bereits im Spätherbst geführt. Da gab es noch einige Tage mit viel Sonne, der Ira May entgegenblinzelt.

Ira May ist eine nachdenkliche junge Frau, die aber auch den Schalk im Nacken haben kann.

Ira May hat eine Lehre in einem Musikalienfachgeschäft gemacht. Nun sucht sie nach einem Job, der ihr auch eine gewisse Flexibilität bieten sollte.

Interview

Coopzeitung: Kann man als weisse Frau Soul singen?
Ira May: Soul ist keine Frage der Hautfarbe. Entweder man hat den Soul oder eben nicht. Auch wenn viele Afroamerikaner den Soul krass tief in sich tragen: Soul ist Ausdruck der Gefühle, der Seele.

Soul hat mit Liebe, Leiden, Freude, Rückschlägen zu tun.
Stimmt. Auch bei mir gab es Hochs und Tiefs: Ich hatte schon öfters Phasen, in denen es zum Beispiel in der Liebe alles andere als gut lief. Zudem besitze ich ein eher melancholisches Naturell.

Hört man das in Ihrer Musik?
Ganz klar. Ich habe das Erlebte in Texte und Musik verpackt und gelernt, keine Angst davor zu haben, sie an die Öffentlichkeit zu bringen. Früher konnte ich das nur sehr schwer. Heute ist das Singen ein Ventil, um alles, Positives wie Negatives, rauszulassen und nicht mit mir herumzutragen. Dadurch bin ich selbstsicherer geworden. Die Krisen, die ich erlebt und zum Glück bewältigt habe, steigerten mein musikalisches Selbstbewusstsein.

Mir wurde der Soul in die Wiege gelegt.»

Wie kamen Sie zum Soul?
Mir wurde der Soul in die Wiege gelegt. Meine Mutter schenkte mir als Kind eine Kassette mit den Hits von Stevie Wonder aus den 60ern. Die Lieder konnte ich nach Kurzem in- und auswendig nachsingen. Und mein Vater war Blackmusic-Fan und hörte sich jedes Wochenende quer durch seine Plattensammlung.

Das Interesse blieb?
Als ich 12 Jahre alt war, habe ich halt Aretha Franklin gehört, während meine Schulfreundinnen Tic Tac Toe toll fanden.

Haben Sie Vorbilder?
Ausser Stevie Wonder? Nein, eigentlich nicht. Oder besser gesagt: Ich habe zu viele! Die Oldies aus den 60ern fand ich schon immer faszinierend.

Einige sagen, Ihre Stimme klinge wie die von Amy Winehouse, andere, wie die von Lauryn Hill.
Beide haben mich geprägt Lauryn Hill habe ich schon mit 12 Jahren gehört. Wenn man neu ist, werden Vergleiche gezogen, dann stecken die Medien dich in eine Schublade. Diese Vergleiche ehren mich, es könnte schlechtere geben. Aber ich hoffe, das legt sich. Ich schreibe meine Songs selbst und möchte auch als Ira May wahrgenommen werden. Ich habe die Stimme für mich gefunden, so tönt sie und nicht anders.

Meine Stimme ist gezeichnet von ein paar durchzechten Nächten.»

Wie würden Sie denn Ihre Stimme beschreiben?
Hmmm. Das ist schwierig, weil ich mich anders höre als andere. Aber ich würde sagen: tief, rund und warm. Und gezeichnet von ein paar durchzechten Nächten.

Sie schreiben, komponieren und singen Ihre Lieder selbst. Wie lernt man das?
Ich spiele Klavier allerdings mehr schlecht als recht. Aber ich benutze kein Notenblatt, um jede Note aufzuschreiben. Mir kommt eine Textzeile in den Sinn, ein Akkord und dann vielleicht der Rest.

Sie haben gerade eine Lehre abgeschlossen, aber noch keinen Job. Jetzt haben Sie ja viel Zeit für die Musik...
Man darf sich nicht vorstellen, dass ich ständig von der Musik beseelt bin. Ich schreibe nicht jeden Tag einen Song. Mit dem Komponieren und Schreiben klappt es sogar besser, wenn ich Stress habe. Dann bin ich produktiver.

Sie haben 2002 bei der Castingshow Musicstar teilgenommen, sind aber früh ausgeschieden. Würden Sie es noch Mal probieren?
Nein. Ich bin froh, dass es so gelaufen ist. Ich hatte die Zeit, reifer zu werden und vieles auszuprobieren. Jetzt habe ich mich und meinen Stil gefunden und kann die Musik machen, die ich liebe, und meine Songs singen. Dazu hätte ich damals sicherlich nicht die Gelegenheit gehabt.

Als Ira May trete ich anders auf als Iris Bösiger. Und als Iris darf ich bleiben, wie ich bin. »

Haben Ihre Eltern Sie immer unterstützt?
Ja, immer. Ich hatte eine gute Kindheit obwohl sich meine Eltern getrennt haben, als ich fünf Jahre alt war. Deswegen habe ich ein Leben an zwei Orten geführt. Das war nichts Schlechtes im Gegenteil: Ich hatte nie das Gefühl, ich müsste mich zwischen Vater und Mutter entscheiden. Heute sind wir eine funktionierende Patchworkfamilie. Ich habe zum Beispiel noch zwei Halbgeschwister, die für mich aber wie richtige Geschwister sind.

Warum ein Künstlername?
Ich finde meinen richtigen Namen Iris Bösiger okay, aber zu einer Musikkarriere passt er nicht so richtig. Deshalb wollte ich einen Künstlernamen annehmen. Heute merke ich, dass das noch einen andern Vorteil hat. Es ist zwar ein bisschen schizophren, aber als Ira May trete ich ganz anders auf als Iris Bösiger. Und als Iris darf ich bleiben, wie ich bin.

Song Let you Go

Quelle: Youtube

Steckbrief

Ira May

Beruf:Detailhandelsfachfrau im Musikalienhandel
Geburtsdatum:24. September 1987 als Iris Bösiger
Zivilstand: ledig
Wohnort: Sissach und Gelterkinden
Werdegang:Im Jahr 2000 erster Solo-Auftritt im Schülerchor von Gelterkinden (The Rose von Bette Midler). 2002: Teilnahme an der Castingshow Musicstar. Danach zwei Jahre klassische Gesangsausbildung an der Musikakademie Basel, Vorkurs an der dortigen Jazz-Schule. Lehre als Detailhandelsfachfrau in einem Basler Musikalienfachgeschäft. Im Jahr 2012 wirkt Iris Bösiger beim Rap-Projekt 1 City 1 Song als Abschlusssängerin mit und wird vom SRF-Black-Music-Redaktor Sascha Rossier entdeckt. 2013 erste Single Let You Go.
Aktuell:Am 24.Januar erscheint Ira Mays erstes Album The Spell beim deutschen Label Peripherique Records.

Zum Facebook-Auftritt von Ira May Zu Ira May bei iTunes

Nachgefragt

Welches Buch liegt grad auf Ihrem Nachttisch?
Im Land des Feuervogels von Susanna Kearsley.

Welches ist Ihr Lieblings-Romanheld?
Julia aus den Büchern Herzenhören und Herzenstimmen.

Und welche Vorbilder haben Sie in der Wirklichkeit?
Pharrell Williams

Welchen Film haben Sie zuletzt gesehen?
The Hunger Games: Catching Fire.

Und welchen Film wurden Sie gerne wieder einmal sehen?
Die Herr-der-Ringe-Trilogie auf Grossleinwand.

Ihr Lieblings-Filmheld?
Indiana Jones.

Was fur Musik hören Sie gerade?
Alles Mögliche. Von Valerie June bis The Mavericks.

Welche CD wurden Sie auf die einsame Insel mitnehmen?
Moby: 18

Mit welchem Musiker wurden Sie gerne einmal einen trinken?
Pharrell Williams :-)

Was kochen Sie selbst?
Alles, solange ich die Mittel dazu habe.

Ihre Lieblingsspeise?
Alles was mit Käse zu tun hat.

Ihr Lieblingsgetränk?
Yogi-Tee.

Mit wem essen Sie am liebsten?
Mit meinem Freund, am besten um 2:00 Uhr Morgens im Bett.

Und wo essen Sie am liebsten?
Siehe die Frage zuvor ;-)

Mac oder PC?
Mac!!!

Auto oder Zug?
Ich mag es im Zug zu fahren. Gezwungener Massen, da ich kein Auto habe. Aber es ist natürlich schon sehr gemütlich mit dem Auto unterwegs zu sein .

Wein oder Bier?
Wein. Roten.

Pasta oder Fondue?
Pasta bei aller Liebe zu viel Käse.

Joggen oder Walken?
Walken.

Berge oder Meer?
Es beeindruckt mich beides gleichermassen. Aber das Meer verhilft mir zu innerer Ruhe .

Wann haben Sie zuletzt geweint?
Weiss ich nicht so genau, kann aber nicht all zu lange her sein. Ist so zu sagen ein Hobby von mir.

Wie bringt man Sie zum Lachen?
Wenn man meine Füsse kitzelt oder eine sehr schräge Art von Humor hat.

Welches Tier wären Sie am liebsten?
Eine Katze.

Wovon träumen Sie?
Von der Musik leben zu können.

Was ist fur Sie das grösste Gluck?
Glück sind Momente, in denen einem bewusst wird, dass man alles hat, was man braucht und genau da ist, wo man sein soll.

Diese 25 Fragen haben wir auch anderen prominenten Persönlichkeiten gestellt. Lesen Sie, was diese geantwortet haben!