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Lo&Leduc: Tapferkeit vor dem Freund

Mit Zucker fürs VolkfeiernLo&LeducErfolge in den Charts. Die Berner Rapper über ihrDebütalbum, Bücher, Zucker in der Musik und Freundschaft.

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Philipp Zinniker
21. Juli 2014

Lo (Lorenz, rechts) und Leduc (Luc) verbindet nicht nur ihre Liebe zur Sprache und Musik, sondern auch eine langjährige Freundschaft.


Interview

Coopzeitung: In Ihrer aktuellen Single singen Sie von ungelesenen Büchern und ungeschriebenen Liedern.Was hat es damit auf sich?
Lo:Egal, wie viel man liest oder schreibt, es gibt immer noch unendlich vieles zu
entdecken.

Leduc: In unserer Studienrichtung (Geschichte und Germanistik, Anm. d. Red.) muss man viel gelesen haben. Ich kann von mir sagen, dass ich noch nicht genug gelesen habe. Aber ich weiss durch meine akademische Ausbildung, was ich in meinem Leben noch alles lesen sollte.

Sie sind also noch voll im Studium?
Lo: Ich bin fünf vor Abschluss, schon lange.
Leduc: Es verzögert sich halt alles, Geld muss auch ohne Musik reinkommen. Deshalb fahren wir mehrgleisig, ich lebe gerne solche Parallel-Leben.

Ihr Debütalbum Zucker fürs Volk wird im Radio rauf und runter gespielt. Was ist das für ein Gefühl?
Lo: Weil wir beide keine Radiohörer sind, bekommen wir das gar nicht mit. Immer wieder werden wir aber gefragt, wie denn unser Leben als Popstar sei. Dabei hat sich gar nicht viel geändert.

Leduc: So ein Album ist immer eine Lotterie. Natürlich haben wir nicht auf den Erfolg spekuliert, aber uns für das Album sehr viel Zeit genommen und viel investiert. Deshalb waren wir einigermassen vorbereitet bis jetzt.

Sie haben Ihr Album mit dem gleichen Produktionsteam wie Steff la Cheffe produziert. Was verbindet Sie mit Steff?
Lo: Wir wollten schon lange etwas mit Steffs Produzenten Dodo machen, was dann durch Steff und den Song Gerechtigkeitsgass, den wir für ihr Album Vögu zum Geburtstag aufnahmen, zustande kam. Wir waren uns schnell einig, dass es mit Dodo funktionieren würde.

Leduc: Dodo ist ein Freak, ein Arbeitstier und unglaublicher Perfektionist. In dieser Passion haben wir uns wiedergefunden. Mit Steff haben wir auf ihrer Tour einige Male den Song performed und treffen sie auch jetzt noch ab und zu im Studio.

Lo, Sie sind der Freestyle-König und Sie, Leduc, machen Pop-Musik. Wie lässt sich das verbinden?
Leduc: Wir ergänzen uns sehr gut und schreiben unsere Lieder deshalb zusammen. Wir bestätigen einerseits die Bilder, die man von uns hat, brechen sie aber auch immer wieder auf, indem auch ich rappe oder Lo singt.

Lo: Wir machen zusammen Musik und sind auch sonst Freunde. Weil es eben nicht nur um Musik geht, halten wir es mit der Tapferkeit vor dem Freund, dem man auch mal was sagen darf.

Nur weil es schön ist und man mitsingen kann, ist es noch lange nicht kitschig.»

Böse Zungen sagen, IhreMusik sei Eurovision-Musik. Kompliment oder Beleidigung?
Lo:Wir sind einmal angefragt worden, ob wir für den Eurovision Song Contest einen Song machen wollen, haben uns aber dagegen entschieden.

Leduc:Ich kann mir schon vorstellen, weshalb einige unsere Musik so bezeichnen. Sobald Melodien eingängiger werden, bekommen viele Schweizer Aversionen. Unsere Texte sind aber meist kritisch und doppeldeutig, die Melodien dagegen eingängig und tanzbar. Wir wollen ehrlich rüberkommen.

Wie sind Sie eigentlich zusammengekommen?
Leduc: Ich spielte in der Band Pacomé mit einem grossen Orchester im Hintergrund und sang mir jeweils die Seele aus dem Leib, bis mir der Arzt ein halbes Jahr Singverbot auferlegte. Lo wurde mein Ersatzmann. Dass wir so gut zusammenpassen, war Zufall.

Die Texte tönen manchmal improvisiert, ist das so?
Lo:Die werden minutiös festgelegt. Beim neuen Album ist da so eine Hassliebe zu Dodo entstanden, weil er wie keiner zuvor unsere Texte kritisierte. Bisher war das, was uns in den Sinn kam, o.k., und dann kam einer, der sagte, das verstand i nöd.

Leduc:Das war schon hart, aber in unserem Sinn. Wir möchten ja keine Sekundärliteratur zu unseren Texten herausgeben müssen.

Sie haben mit Büne Huber und Schmidi Schmidhauser Lieder gemacht. Wie ist es dazu gekommen?
Lo:Die Zusammenarbeit kam über den Produzenten Sad zustande.

Leduc:Wenn man in Bern Musik macht, kann man nicht anders, als sich einreihen. Das heisst, man orientiert sich einerseits an diesen Grossen und versucht gleichzeitig den eigenen Platz zu finden.

Braucht das Volk wirklich mehr Zucker?
Leduc: Man kann auch sagen, das Volk soll mehr Mut haben zu Zucker. Meist ist hier in der Schweiz alles sehr puristisch, sogar unsere Bundesplatz-Fontänen. Aber eigentlich lieben alle die verschnörkelten Springbrunnen. Das kann man auch auf die Musik übertragen, nur weil es schön ist und man mitsingen kann, ist es noch lange nicht kitschig.

Steckbrief

Beruf: Musiker, Sänger
Geburtsdaten: 25.September 1986 (Lo), 25.Februar 1989 (Leduc)
Wohnort: Bern
Laufbahn: Die beiden Musiker Lo (Lorenz Häberli) und Leduc (Luc Oggier) sind in Bern aufgewachsen und studieren beide Germanistik und Geschichte. Sie musizieren seit acht Jahren gemeinsam. Nach drei Gratisveröffentlichungen im Internet gelingt den beiden Bernern mit der CD Zucker fürs Volk mit dem Erfolgsproduzenten Dodo gleich ein grosser Wurf.
Aktuell: CD: Zucker fürs Volk, Singles All die Büecher, Blaui Peperoni, Tour de Sucre 2014: 8.August: Seenachtsfest Kreuzlingen, 15.August: Openair Gampel, 23.August: Royal Arena Festival, 30.August: Elite Openair Langnau, 6.September: Openair am Greifensee, 20.September: Glücklich Festival Luzern.

Zur Website von Lo&Leduc

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Nachgefragt

Coopzeitung: Welches Buch liegt grad auf Ihrem Nachttisch?

Luc:Ich habe keinen Nachttisch. Aber Das Kalb vor der Gotthardpost liegt grad unterm Bett.

Welches ist Ihr Lieblings-Romanheld?

Luc:Jean Ziegler sagt so einiges, was uns präsenter sein sollte.

Und welche Vorbilder haben Sie in der Wirklichkeit?

Lo: Stromae, ein Genie in vieler Hinsicht

Welchen Film haben Sie zuletzt gesehen?

Luc:Ich bin zu sehr in einem eigenen Film. Der letzte Fernsehabend ist unheimlich lange her.

Und welchen Film würden Sie gerne wieder einmal sehen?

Luc: Pipi Langstrumpf.

Lo: In Bruges

Ihr Lieblings-Filmheld?

Luc: Toshiro Mifune in Seven Samurai

Was für Musik hören Sie gerade?

Luc: Pegel Pegel, der neuste Reggae Sampler aus dem karibischen Zürich

Lo:Mir hat kürzlich jemand meine Stereo-Kopfhörer abgeluchst, daher ists grad schwierig.

Welche CD würden Sie auf die einsame Insel mitnehmen?

Luc:Mit Manu Chao lässt sich gut verwildern.

Mit welchem Musiker würden Sie gerne einmal einen trinken?

Lo: Maradona

Was kochen Sie selbst?

Luc: Trämeler Pferdesteaks

Lo: Alles

Ihre Lieblingsspeise?

Luc: Älpler Makkaroni

Ihr Lieblingsgetränk?

Luc: Salbeitee. Wenn ichs mir genug lange einrede, mag ich den nützlichsten Tee für die Stimme plötzlich wirklich.

Mit wem essen Sie am liebsten?

Luc: Mit Gourmets, die mehr bestellen als sie essen können.

Auto oder Zug?

Luc:Ganz klar Zug. Bin neben dem Depot aufgewachsen und wollte fast nicht wegzüglen

Lo:Zug. Ich fühl mich da zuhause. Manchmal hänge ich Bilder auf im Abteil.

Pasta oder Fondue?

Lo: Definiv Pasta

Berge oder Meer?

Luc: Je länger je mehr erachte ich die Berge als eindrücklicher und mächtiger. Aber wahrscheinlich sah ich einfach schon zu lange kein Meer.

Wie bringt man Sie zum Lachen?

Luc:Mit selber erfundenen Witzen. Bei denen ist die Erwartungshaltung so angenehm tief.

Welches Tier wären Sie am liebsten?

Luc:Mauersegler. Die Weltenpendler sind jedes Jahr wieder mahnende Vorbilder.

Wovon träumen Sie?

Luc: Eines Tages von der Passion Musik leben zu können.

Lo: Dass M13 zurückkehrt.

Was ist für Sie das grösste Glück?

Luc:Wenn an Konzerten die Musik, das Publikum und ich eins werden .