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Blanka Inauen: Ich kehre meine Seele nach aussen

Starke Stimme Als Schulkind musste sie um ihre erste Gitarre kämpfen. Heute steht die Ostschweizerin mit ihrer eigenen Band auf der Bühne.

FOTOS
Markus Lamprecht, zVg
20. Juli 2015

Sucht die magischen Momente: Blanka Inauen im Zürcher Café du Bonheur.


Interview

Sie ist nicht nur die Stimme von Len Sander, sondern schreibt auch die geheimnisvollen Texte und Gesangsmelodien der Zürcher Elektro-Formation. Auf dem Debüt-Album Phantom Garden bezauberte Blanka Inauen (33) Musikfans im In- und Ausland. Zu erleben ist ihre Musik diesen Freitag beim Zürcher Stadtsommer.

Woher kommt Ihre Liebe zur Musik?
Die war von Anfang an einfach da, obwohl unsere Eltern nicht musikalisch sind. Mein Bruder, der auch in der Band spielt, und ich wollten schon als Kinder Musik machen. Während andere fast gezwungen wurden, ein Instrument zu erlernen, war es bei uns das Gegenteil. Ich musste meine Mutter ein halbes Jahr anbetteln, bevor ich meine erste Gitarre bekam. Sie wollte sicher sein, dass ich das Instrument auch wirklich will.

Wie lange hat die Band an Phantom Garden gearbeitet?
Das lässt sich nicht so genau sagen. Wir spielen seit 2005 zusammen, und vor etwa drei Jahren haben wir beschlossen, ein Album zu machen. Viele Songs sind aber schon früher als Skizzen entstanden. Ich glaube, wir rechneten mit einem Jahr, um alles zu produzieren. Da wir das unbedingt selber machen wollten, mussten wir erst herausfinden, wie wir alles aufnehmen und mischen wollen. Zudem sind wir alle Perfektionisten, die über jedes Detail wochenlang diskutieren können. Irgendwann gibt es zum Glück immer einen Moment, in dem sich alles wie magisch zusammenfügt und es plötzlich für alle stimmt.

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Für ihre Stimme verwendet sie ein analoges Hallgerät.

Wann finden Sie einen Song gut?
Im besten Fall löst Musik Gefühle aus und ist zugleich interessant. Manchmal sagen Leute nach einem Konzert, sie seien total berührt gewesen das ist für mich das grösste Kompliment. Wir wollen aber auch innovativ sein und experimentieren, um etwas Eigenes zu kreieren. Ich finde, es gibt kein gut oder schlecht. Der Zugang zu Musik ist viel zu persönlich und individuell.

Die erste Strophe schreibt sich oft von selbst, der Rest ist Arbeit.»

Woher nehmen Sie Ihre Inspiration?
Meine Texte sind äusserst persönlich, ich kehre darin meine Seele nach aussen. Die Jungs schicken mir eine Melodie oder einen Beat und ich improvisiere einfach mal, ohne mir etwas zu überlegen. Manchmal kommen Themen hoch, von denen ich gar nicht wusste, dass sie mich beschäftigen. Ich mache mir häufig auch Notizen zu Ideen, die ich in Büchern, in Filmen, an einem Konzert aufschnappe. Die erste Strophe schreibt sich oft von selbst, der Rest ist Arbeit: recherchieren, um die richtigen Wörter zu finden, ausprobieren, Reime suchen.

Warum nur auf Englisch?
Für die Art von Musik, die uns interessiert und die wir selber machen, ist das eigentlich selbstverständlich. Ich fände es schade, mich auf ein kleineres Publikum beschränken zu müssen, da unsere Musik sowieso eher in einer Nische angesiedelt ist. Mit englischen Texten können wir sicher ein grösseres Publikum erreichen als mit deutschen.

Musikalische Experimente aus Kindertagen.

Sind Sie noch nervös vor einem Auftritt?
Ja! Ich weiss nicht, ob ich mich jemals daran gewöhnen werde. Mit vielen Menschen gleichzeitig über Musik zu kommunizieren ist schön, aber auch schwierig. Man kann es nur üben, indem man es macht. Das erste Mal, wenn man auf der Bühne steht, ist man wohl zwangsläufig schlecht.

Waren Sie auch schlecht beim ersten Mal?
Das ist schon so lange her, ich erinnere mich nicht mehr richtig daran. Aber ich bin sicher sehr schlecht gewesen. Hauptsache, ich werde immer besser!

Was machen Sie als Ausgleich zur Band und zur Musik?
Im Moment habe ich das Glück, mir meine Zeit frei einteilen zu können. Somit bin ich voll erfüllt und brauche gar keinen Ausgleich. Früher als Soziologin habe ich viel im Büro vor dem Computer gearbeitet. Irgendwann merkte ich, dass mich das unglücklich macht. Im Herbst beginne ich ein Kunststudium an der ZHdK. Ich freue mich enorm darauf.

Vielseitige Künstlerin: Blanka Inauens Bild Unquiet Darkness IV.

Sie machen auch noch visuelle Kunst?
Das wechselt sich in Phasen ab. Manchmal bin ich voll auf die Musik konzentriert, dann male ich wieder mehr. Es ist eine etwas andere Form von Kreativität, vor allem weil ich beim Malen allein bin. Die Musik ist ein Gruppenprojekt das ist teilweise schön, kann aber auch anstrengend sein.

Wie stellen Sie sich Ihre Zukunft vor?
Ich möchte eigentlich so weitermachen wie bisher und so viel Zeit wie möglich in die Kunst und die Musik investieren. Toll wäre es auch, die visuelle Kunst und die Musik noch mehr zusammenzubringen. Und natürlich arbeiten wir mit Len Sander ständig daran, neue Musik zu entwickeln und diese auch live zu spielen.

Wichtige Daten und Videos

2015 Phantom Garden, das selbst produzierte Debüt-Album, erscheint.

Mehr über Len Sander auf der Homepage der Band

Der Popkredit der Stadt Zürich präsentiert beim Stadtsommer 2015 sechs ausgewählte Formationen auf den schönsten Plätzen der Stadt. Eine davon ist Len Sander:
Am Freitag, 24.Juli 2015, spielt die Band ab 21 Uhr auf der Seebühne der Roten Fabrik.

Alle Stadtsommer-Konzerte sind kostenlos.

Stadtsommer Zürich