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Mischa Cheung: Zu Hause fühle ich mich am Klavier

Er spielt virtuos klassische Stücke, aber auch Jazz, Pop oder Themen aus Computergames. Und er hat mehr als nur Musik im Kopf.

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Raja Läubli
02. Februar 2015

Lässiges Outfit, viel Disziplin beim Üben: Mischa Cheung.


Interview

Nahezu 100 Konzerte hat er im vergangenen Jahr gegeben, ist schon in vielen Ländern Europas aufgetreten, in Amerika sowie in China, der Heimat seines Vaters: Mischa Cheung (30) ist ein erfolgreicher Interpret. Mit dem Ensemble Spark hat er soeben eine neue CD eingespielt.

Sie sind mit Musik aufgewachsen wie haben Sie das als Kind erlebt?
Ich war zu Hause immer von Musik umgeben. Wenn ich aufwachte, waren die grösseren Geschwister oder der Vater schon am Spielen. Das hat bei mir stets positive Gefühle ausgelöst egal, ob die Musik traurig oder fröhlich war. Und dabei habe ich mich in den Klavierklang verliebt. Die Eltern nahmen mich auch oft mit in Konzerte, wo ich sehr ruhig und aufmerksam zuhören konnte. Die Vielfalt der klassischen Musik hat mich fasziniert. Manchmal bin ich aber auch eingeschlafen. (lacht)

Und welche Musik fasziniert Sie heute?
Ich höre die verschiedensten Stile, und das macht vielleicht den Unterschied zu anderen klassischen Musikern aus, die sich allenfalls noch für Jazz interessieren. Ich höre gerne querbeet, auch Pop, Filmmusik, elektronische Musik oder Techno. Ich finde in jedem Musikstil irgendeinen Verküpfungspunkt mit mir.

Neben diesem breiten Interesse mussten Sie aber wohl auch fleissig üben?
Etüden hatte ich nie gern! Ich versuchte immer schon als Kind und später als Student technisch sowie musikalisch anspruchsvolle Literatur zu spielen, die ein wenig über meinem jeweiligen Stand war. So wollte ich etwa unbedingt ein Rachmaninow-Konzert spielen oder die Carmen-Fantasie von Horowitz. Dann habe ich so lange geübt, bis es ging, und das hat mir mehr gelegen als Tonleitern und Etüden.

Wild Territories: Die neue CD des Ensembles Spark mit Mischa Cheung am Klavier.

Mit Spark spielen Sie alles von Barock bis zur Neuen Musik ist das Repertoire bewusst auf Popularität ausgelegt?
Das ist nicht das primäre Ziel. Aber wir finden es schade, dass Musik schubladisiert wird: Ernste Musik darf doch auch unterhaltend sein und Unterhaltungsmusik kann einen Anspruch haben! E- und U-Musik sind wie zwei Fronten, aber wir bei Spark fühlen uns keiner der beiden zugehörig. Auch Crossover ist als Begriff dafür zu oberflächlich. Wir wollen nicht einfach zwei bestehende Bilder übereinanderlegen und als etwas Neues verkaufen, sondern ganz viele verschiedene Dinge in uns aufnehmen und selbstständig etwas Persönliches daraus kreieren, in dem zwar Gefühle oder Farben des Bestehenden auftauchen, das aber eigenständig und eigenwillig ist. Wenn das Leute anspricht, die noch nie in einem klassischen Konzert waren und zugleich Leute, die einen Anspruch an Virtuosität oder musikalischen Ausdruck haben, dann ist das natürlich super.

Spark bedeutet Funke springt der denn auch bei den Jungen über?
Die Jugend von heute ist nicht mehr daran gewöhnt, nur zuzuhören. Es muss immer etwas Visuelles dabei sein, ein Clip. Ich bin ja auch so aufgewachsen. Der steife, klassische Konzertbetrieb passt eigentlich nicht mehr in die heutige Zeit. Spark möchte dies auf eigene Weise auflockern, was das Publikum nach unserer Erfahrung dankbar annimmt. Wir sind oft an Schulen und stellen fest, dass die Kinder zum Teil noch nie gesehen haben, dass jemand live auf klassischen Instrumenten spielt. Wir geben ihnen so einen Zugang und zeigen, dass klassische Musik Spass macht.

Der steife klassische Konzertbetrieb passt nicht mehr in die heutige Zeit.»

Die Musik bestimmt Ihr Leben wie viel Zeit bleibt Ihnen noch für andere Dinge?
Eigentlich ist der Zeitaufwand fürs Üben total im eigenen Ermessen. Doch ich habe nie das Gefühl, dass etwas fertig ist. Der Moment, wenn ich vom Klavier aufstehe und weiss, beim nächsten Mal spiele ich das Stück vor dem Publikum, ist absurd, denn ich könnte ja noch mehr üben und es noch besser spielen. Ich schaue zwar, dass ich nicht zwölf Stunden am Tag übe und einen Ausgleich habe, aber die Arbeit an der Musik geht auch in der Freizeit weiter, beim Autofahren oder in den Träumen. Daneben bin ich grosser Autofan, spiele gern am Computer, schneide Videos oder bearbeite Pressematerial unserer Ensembles. Ich koche auch sehr gerne und geniesse es, die Zeit mit meiner Freundin zu verbringen. Sie ist auch Musikerin und wir geben zusammen Konzerte.

Im Baselbiet aufgewachsen, leben Sie nun in Zürich. Wo fühlen Sie sich zu Hause?
Ich habe noch viel Kontakt zu Basel und bin FCB-Fan, aber während des Studiums habe ich mich in Zürich verliebt. Da meine Mutter halb Baslerin und halb Zürcherin ist, ist es gerechtfertigt, dass ich mich in beiden Städten frei bewegen darf. (lacht) Aber am meisten zu Hause fühle ich mich am Klavier, und dann ist es egal, in welcher Stadt es steht, ob auf dem Mond oder auf dem Mars.

Den Ring der Freundin trägt er seit neun Jahren.

Wichtige Daten

Tipps:

Das Programm der neuen CDpräsentiert Spark am Dienstag, 17. März 2015, 19.30 Uhr in der Limmat Hall Zürich (Hardturmstrasse 122, 8005 Zürich). Der Eintritt ist frei.

Am Sonntag, 8. Februar 2015, um 16 Uhr ist Mischa Cheung mit Spark zu Gast in der Sendung Parlando auf Radio SRF 2 Kultur.

Mehr über Mischa Cheung auf der Internet-Seite von Spark

Video

Trailer zur neuen Spark-CD Wild Territories

Gershwin Piano Quartet

CD-Verlosung

Mit seiner dritten CD Wild Territories begibt sich das Ensemble Spark auf eine musikalische Reise in wilde, unerforschte Gebiete. Fünf virtuose Interpreten erschliessen ein weites Neuland zwischen Barock und zeitgenössischer Musik. Die Coopzeitung verlost 10 Exemplare der neuen CD.

(Einsendeschluss 9. Februar 2015, 16 Uhr)