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Leonardo Nigro: Wir sollten uns gut integrieren

Passion Eigentlich hätte er Dottore werden sollen. Karriere gemacht hat der Italo-Zürcher als Schauspieler in der Schweiz und in Deutschland.

FOTOS
Christoph Kaminski, zVg, ARD
14. März 2016

Am liebsten draussen in der Natur: Leonardo Nigro beim Waldspaziergang auf dem Albis.


Interview

Bekannt wurde er durch die TV-Sitcom Schöni Uussichte, die Arztserie Tag& Nacht sowie viele TV- und Kinofilme hierzulande ebenso wie bei den Nachbarn im Norden. Dort startet am 17.März die Reihe Der Urbino-Krimi (ARD, 20.15 Uhr), in der Leonardo Nigro (42) als Kleinstadtpolizist ermittelt. Tags darauf kann er auf einen der Schweizer Filmpreise hoffen nominiert als bester Nebendarsteller in Xavier Kollers Schellen-Ursli. Zum Interview trafen wir ihn auf der Felsenegg über dem Zürichsee.

Sie sind bei der Verleihung der Schweizer Filmpreise zum dritten Mal in der Kategorie bester Nebendarsteller nominiert
Sind Sie sicher? Ich dachte das zweite Mal nach Die schwarzen Brüder.

Waren Sie 2006 nicht auch für Nachbeben nominiert?
Ah, ja, stimmt. Das hatte ich ganz vergessen!

Wie wichtig sind solche Preise für Sie?
Im Theater bekommt ein Schauspieler jeden Abend sein Feedback, beim Film erst durch Nominationen und Preise. Das sind wichtige Rückmeldungen, welche auch die Aufmerksamkeit von Regisseuren und Casting-Agenturen wecken können.

Haben Sie dabei schon grosse Emotionen erlebt?
Als Regisseurin Stina Werenfels, Hauptdarsteller Michael Neuenschwander und ich für Nachbeben nominiert waren, sassen wir bei der Verleihung nebeneinander. Mit jeder Kategorie, in der wir leer ausgingen, sanken wir tiefer in unsere Sessel. Als wir schon alle Hoffnung aufgegeben hatten, verlieh die Jury dem Film unerwartet einen Spezialpreis für herausragende Ensemblearbeit. So konnten wir unsere Freude sogar teilen!

Seit vier Jahre seine wichtigste Rolle: Vater Trinkflasche von Sohn Leano.

Auf Ihre Vaterrolle konnten Sie sich neun Monate freuen und vorbereiten. Mit welcher Konsequenz?
Ich hatte mal den Satz aufgeschnappt, in der heutigen Zeit würde man zu viel über Kinder und zu wenig mit den Kindern reden. Das macht Sinn. Daher sprechen meine Freundin und ich ganz viel mit Leano und involvieren ihn auch in Entscheidungen, obwohl er erst knapp vier Jahre alt ist.

Sie sind seit 1999 mit Mayumi Steiner zusammen, wurden aber erst vor vier Jahren Vater warum?
Meine Freundin wünschte sich schon lange ein Baby, doch war ich zuerst nicht sicher, ob ich von der Schauspielerei leben kann. Später fürchtete ich, dass mir mit einem Kind die Zeit fehlen würde, um an Castings und Workshops teilzunehmen. Das erwies sich als unbegründet, da ich viel effizienter geworden bin.

Erstes Automatenfoto mit Mayumi seit 17 Jahren immer in seinem Portemonnaie.

Wie ticken Sie als Vater?
Mayumi und ich ergänzen uns. Sie ist sehr ruhig, hat viel mehr Geduld, aber ich arbeite jeden Tag an mir! Ich bin froh, dass ich nicht auf einen Champions-League-Abend verzichten muss, um ihr meine Liebe zu beweisen, und sie schätzt es, dass ich manchmal zwei Wochen die Hausmann-Rolle übernehmen oder mit unserem Sohn den Nonno in Apulien besuchen kann.

Waren Sie als Kind auch oft dort?
Als Gymnasiast war ich jeden Sommer im Heimatdorf meiner Eltern, wo die Familie 100 Meter vom Meer ein Strandhaus besitzt. Wir hatten dort eine tolle Zeit und ich war nie neidisch, wenn Kollegen aus besserem Hause von Miami oder Kuala Lumpur schwärmten. Unsere Ferien begannen schon am Zürcher Hauptbahnhof

Wie meinen Sie das?
Im Nachtzug nach Lecce machten es sich Kinder und Erwachsene in separaten Wagen gemütlich und vertilgten Unmengen an Pizza und Lasagne, bevor sie am nächsten Morgen in einer komplett anderen Welt aufwachten.

Für die Rolle des Armon in Xavier Kollers Schellen-Ursli musste er kräftig zulegen.

Wie haben Sie Ihre Jugend als Secondo in der Schweiz erlebt?
Ein Regisseur hat mir einmal gesagt, Secondos seien nichts anderes als Schweizer mit cooleren Wurzeln! Auf die war ich schon als Teenager stolz: Ich trug die italienische Flagge am Ciao-Töffli und an der Jeansjacke. Aber die Eltern meldeten uns immer auch fürs Skilager an sie wollten, dass wir uns gut integrieren.

War Ihre Herkunft für die Schauspielerei ein Vorteil?
Ja, ich habe weniger Konkurrenz, da Secondos meiner Generation meistens seriösere Berufe anstrebten. Durch meine Rollenwahl habe ich jedoch verhindert, dass ich auf den Secondo reduziert werde. Man besetzt mich nicht nur als kleinen Macho mit spanischem Akzent (Schöni Uussichte), sondern auch als Investment Banker (Nachbeben), Kardiologen (Tag & Nacht) oder Grosskäser (Die Käserei in Goldingen) in ganz unterschiedlichen Genres.

Im Urbino-Krimi spielt er an der Seite von Katharina Wackernagel (Malpomena) und Hannes Jaenicke (Kommissar a.D. Thilo Gruber).

Was hat Sie an der Rolle des Roberto Rossi in der neuen ARD-Reihe gereizt?
Er ist das Gegenteil eines abgebrühten Kommissars. Der gmögige Verkehrspolizist kann sein Ermittler-Talent erst entfalten, als die anderen Beamten erkrankt sind. Dabei unterstützt ihn eine Sandkastenfreundin, die Gerichtsmedizinerin Malpomena.

Rossi hat einen Hufnagel als Schutz vor bösen Geistern sind Sie abergläubisch?
Da gibt es schon einige Rituale. Im Flugzeug buche ich zum Beispiel immer Plätze im hinteren Drittel rechts.

Was machen Sie in Ihrer Freizeit?
Dann muss ich unbedingt hinaus an die frische Luft! Ich fahre gerne Velo, ich liebe die Berge und den Zürichsee.

Legen Sie auch Wert auf gesundes Essen?
Als Schauspieler, der öfter einmal für eine Rolle ab- oder zunimmt, muss ich darauf achten. Für den Armon in Schellen-Ursli habe ich auf Wunsch von Xavier Koller 15 Kilo zugelegt. Das war nur zu verantworten, weil ich es nicht einfach mit Whisky und Pommes machte, sondern mit gesunden Kohlenhydraten. Zudem ist es wichtig, Sport zu treiben, damit der Kreislauf in Schuss bleibt und ich neben Fett auch Muskeln ansetze.

Wie würden Sie reagieren, falls Ihr Sohn einmal in Ihre Fussstapfen treten möchte?
Ich wünsche mir einfach, dass er einstehen kann für das, woran er glaubt. Dass er einen weiten Horizont hat und zufrieden ist welchen Beruf er ergreifen wird, ist zweitrangig. Das sieht man bei mir: Mein Vater, ein Maurer, und meine Mutter, eine Hausfrau, wünschten sich eigentlich einen Dottore, aber sie haben mir nie Steine in den Weg gelegt. Und so bin ich mit meiner Passion glücklich geworden.

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