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«Ich habe mich in dich verliebt»

Am Tennisturnier von Madrid lädt eine Anhängerin aus Sardinien Roger Federer zum Essen ein. Und tatsächlich: Monate später taucht er überraschend auf: «Ciao Daniela, sono io – Roger.»

FOTOS
Contrasto/Lorenzo Cicconi Massi
18. September 2019

Roger-Federer-Fan Daniela Zuncheddu, Roger Federer selbst und Ski-Star Mikaela Shiffrin.

Roger Federer hat ja schon viele Liebesbezeugungen von seinen Fans erhalten. Aber diese ist derart speziell, dass er sie nicht so schnell vergessen dürfte. «Ich bin verrückt nach dir», gesteht ihm Daniela Zuncheddu, eine besonders glühende Anhängerin aus Sardinien, Anfang dieser Woche bei einem Anlass von Barilla in Genf. «Du bist eine grossartige Person… zuerst habe ich mich in den Tennissport verliebt, dann habe ich mich in dich verliebt.» Ihr Gatte steht daneben und filmt alles mit dem Handy; auch er ist ein grosser Federer-Fan. Schliesslich versagt ihre Stimme. Federer tut das, was er immer tut, wenn ein Fan zu hyperventilieren beginnt: Er beruhigt sie. «Alles in Ordnung», sagt er, «das ist sehr nett von dir.»

«Roger, would you like to have dinner with me tonight? I’ll cook!»

 

Dass die 50-jährige Italienerin dem Baselbieter überhaupt so nahekommt, ist ein Überraschungsgag. Im Frühling hielt Zuncheddu am Tennisturnier von Madrid auf der Zuschauertribüne während einer Partie von Federer ein Schild in die Höhe, auf dem sie ihn zu einem gemeinsamen Essen einlud: «Roger, would you like to have dinner with me tonight? I’ll cook!» Die Einladung wurde auch am Hauptsitz des Pasta-Herstellers in Parma registriert. Daraufhin entstand die Idee, dass Zuncheddu tatsächlich für Federer kochen soll. Auf den Sozialen Medien wurde ein Aufruf mit dem Foto von Zuncheddu gestartet: «Federer-Fansuche: Hebe deine Hand, wenn du es bist oder wenn du sie kennst!» Woraufhin die Gesuchte sich via Twitter selber meldete: «Das bin ich!!! Direkt aus Sardinien nach Madrid, um den Grössten zu unterstützen… Roger Federer!»

Nun wurde die Italienerin nach Genf gelockt. Man finde ihre Aktion auf der Tribüne so toll, dass sie von Barilla eingeladen werde, in einer exklusiven Pasta Cooking Class mitzukochen. Ganz abwegig war das nicht, denn Zuncheddu versteht etwas von italienischer Küche: Sie besitzt eine Pizzeria, das «A modo mio» in Fluminimaggiore auf Sardinien. Dort führt sie auf der Speisekarte auch eine Pizza Federer, eine Eigenkreation mit Gorgonzola, Speck und Radicchio (Gemeine Wegwarte oder Zichorie) als besondere Zutaten. «Die kommt sehr gut an und wird jeden Abend mehrmals bestellt», erklärt sie, «kein Wunder bei ihrem Namen.» Die Italiener, die so viel Wert auf Stil legen würden, seien von seinem eleganten Stil auf und der smarten Art neben dem Tennisplatz hingerissen. «Er ist unglaublich populär in Italien.» In ihrer Pizzeria hat sie einen Federer-Kalender aufgehängt, «aber wehe, ein Gast getraut sich, ihn anzufassen!»

Bei der Begegnung mit ihrem Idol an diesem Abend in Genf gibt sie ihm zu verstehen, dass der Schweizer noch möglichst lange auf der Tour mitspielen solle. «Bitte nicht aufhören, Roger!», fleht sie ihn an. «Wie lange soll es denn weitergehen?», fragt er zurück, «2, 3, 4 Jahre … oder gar 10?» Dann wäre er 48 Jahre alt. Daniela Zuncheddu hätte nichts dagegen. Sie befürchtet, dass sie kein Tennis mehr schauen wird, wenn Federer nicht mehr dabei ist. «Dann fehlt dem Tennissport das Salz in der Suppe.»

Luca Barilla, Roger Federer, Daniela Zuncheddu und Mikaela Shiffrin.

Doch irgendwann ist genug geredet, die Köchin muss ihr Versprechen einlösen. Sie serviert ihm kein 08/15-Gericht, sondern einen Teller «Pasta Tricolore»: Mezze Maniche – zu Deutsch halbe Ärmel. Diese «kurzärmligen» Röhrennudeln hat Zuncheddu an einer karamellisierten Thymian-Tomatencrèmesauce sowie mit einem Pesto Genovese serviert. Federer ist hin und weg: «Fantastico, Daniela!» Die Überraschung ist mit einem Win-Win-Ergebnis für beide Seiten gelungen. Für die Italienerin ist ein Traum wahrgeworden, der Schweizer seinerseits hat seine Energiespeicher aufgefüllt. Der Rod Laver Cup vom 20. bis 22. September in Genf kann beginnen. 

Lesen Sie in der nächsten Ausgabe der Coopzeitung: Skistar Mikaela Shiffrin stellt Roger Federer Fragen – ein ungewöhnliches Interview, so temporeich und voller überraschender Wendungen wie ein Weltcupslalom.