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Glücksstern: Wir haben alle den gleichen Himmel über uns

Amy Macdonald (29) hat sich mit ihrem Album Under Stars viel Zeit gelassen. Ein Gespräch über die Magie ihrer Songs, Ferraris und Fussball.

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Keystone
13. März 2017

Interview

Amy Macdonald, kamen Sie im Ferrari nach Zürich?

Nein, nein, ich liebe es zwar, am Steuer zu sitzen. Aber das wäre mir dann doch zu weit.

Reden wir noch einen Moment über Ihre Autos

das will mittlerweile jeder, seit ich in Top Gear aufgetreten bin.

Nicht alle kennen Top Gear: Es handelt sich um eine Kult-Auto-Sendung im britischen Fernsehen

genau. Ich habe dort auf dem Parcours den Titel der schnellsten Frau geholt. Den gebe ich nicht mehr so schnell ab. (Lacht.) Nach der Sendung interessierten sich plötzlich Menschen für meine Musik, die mich vorher nicht wahrgenommen hatten. Sie schrieben: Du warst super in Top Gear. Jetzt gefällt mir auch deine Musik.

Stimmt es, dass Sie zwei Ferraris haben?

Ja. Nicht in meinen wildesten Träumen hätte ich gedacht, dass ich jemals am Steuer eines Ferraris sitzen würde. Erst recht nicht, dass ich ihn auch noch besitze. Zuerst kaufte ich den 458 Speciale, der einen sehr speziellen Sound hat. Später kam noch sein Nachfolger hinzu, der 488 GTB, ein richtiges Turbomodell. Den Speciale aber behielt ich, weil er so etwas wie ein Sammlerstück ist. Mir gefallen die Reaktionen, wenn ich mit einem der Ferraris unterwegs bin. Sie erwarten einen eleganten älteren Mann, doch dann steigt eine junge Frau aus dem Wagen.

2011 sagten Sie in einem Interview: Es wäre ein Traum, wenn ich auch in fünf Jahren noch im Musikgeschäft wäre. Der Traum ist wahr geworden. Überrascht?

Ja, jeden Tag aufs Neue. Damit hätte ich nicht gerechnet, ich fühle mich geehrt und freue mich, dass ich das machen kann, was ich liebe. Ich bin weit davon entfernt, das als selbstverständlich anzusehen.

Warum nicht? Wer seit zehn Jahren erfolgreich ist, könnte sich an den Erfolg doch allmählich gewöhnen.

Vielleicht hat es damit zu tun, dass ich nicht mit übermässig viel Selbstvertrauen ausgestattet bin. Das war schon immer so und ist auch heute noch der Fall, trotz der zehn erfolgreichen Jahre. Es hilft mir aber auch, damit ich mit beiden Füssen auf dem Boden bleibe.

Wenn Sie nur einen Song Ihres neuen Albums hätten veröffentlichen können, für welchen hätten Sie sich entschieden?

Oh, das ist eine schwierige Frage, denn ich bin stolz auf alle Lieder. Ich habe mir ja auch viel Zeit dafür gelassen seit dem letzten Album und mir immer wieder ganz bewusst Auszeiten gegönnt. Wenn Sie aber trotzdem auf einem Song beharren

genau

dann würde ich Down by the Water wählen. Ich habe ihn als letzten Song für das neue Album geschrieben und er flutschte in bloss einem Nachmittag heraus. Ich war hin und hergerissen, fand den Song fast etwas zu einfach, doch gerade in dieser Einfachheit steckte etwas Magisches. Im Studio haben wir ziemlich daran gearbeitet. Umso stolzer war ich dann, dass er am Ende so speziell wurde.

Das klingt so, als würden Sie sich selber mehr unter Druck setzen als Ihre Plattenfirma.

Ganz klar, der Druck kommt von mir selber. Ich bin eine Perfektionistin. Umso angenehmer war es, dass die Last dieses Albums auf mehrere Schultern verteilt wurde, weil wir einige Lieder zusammen komponierten. Die Zeit war reif dafür, auch weil wir schon so lange zusammen unterwegs sind. Oft jammen wir von einem Konzert backstage, um uns die Zeit zu vertreiben.

Die wichtigste Botschaft Ihrer Lieder?

Es ist gar nicht so einfach, diese zu formulieren. Jedes Lied hat eine eigene Botschaft, die aber von jedem anders verstanden werden kann. Das macht die Musik universell, sie ist nicht davon abhängig, wo jemand wohnt oder aus welcher Schicht eine Person stammt.

Senderos ist ein fürchterlicher Fussballer, einer der schlechtesten Spieler überhaupt!»

Warum heisst das Album Under Stars?

Ich habe den Song nach dem Besuch meiner besten Freundin in New York geschrieben. Sie ist wegen ihres Jobs dorthin gezogen, litt aber unter grossem Heimweh. Ich habe sie dann mehrmals besucht, wir verbrachten immer eine grossartige Zeit, doch beim Abschied war sie unendlich traurig. Als ich zurückflog, schaute ich zu den Sternen hoch und dachte: Wo auch immer wir uns befinden, haben wir doch alle denselben Himmel über uns. Das fand ich tröstlich.

Welches war das erste Konzert, das Sie sahen?

Das war eines von Michael Jackson. Ich war erst drei oder vier Jahre alt und hatte eine Platte von ihm, die ich liebte. Meine Eltern nahmen mich und meine Schwester ans Konzert nach London mit, wir fuhren mit dem Auto von Glasgow dorthin. Das sind immerhin über 500 Kilometer. Ich kann mich deshalb so gut daran erinnern, weil wir in einen fürchterlichen Stau gerieten und draussen eine sehr, sehr grosse Hitze herrschte. Vom Konzert weiss ich nichts mehr, trotzdem glaube ich, dass es einen Einfluss auf meine Begeisterung für Musik hatte.

Wer hat Sie sonst noch als Musikerin geprägt?

Ich war von klein auf ein riesiger Musikfan und lernte Gitarre, weil ich Spass daran hatte, all die bekannten Songs nachzuspielen. Wenn ich einen Musiker nennen muss, der mich stets besonders beeindruckte, dann wähle ich Bruce Springsteen.

Weshalb ihn?

Hören Sie ihm zwei Minuten zu, dann muss ich nichts mehr erklären. Ich tue es aber trotzdem. (Lacht.) Er hat eine unglaubliche Bühnenpräsenz, seine Lieder sind kraftvoll, vor allem aber ist er sehr glaubwürdig. Man nimmt ihm ab, was seine Songs erzählen. Wir hatten vor ein paar Jahren in London einen Auftritt am selben Konzert. Er war ausgesprochen liebenswürdig und nahm sich Zeit für mich, dabei redeten wir viel über Musik.

Sprechen wir über Ihre Heimat: Wer ist die beeindruckendste schottische Persönlichkeit?

Hmmm

Rod Stewart, Sean Connery, Andy Murray?

Rod Stewart ist sicher der lauteste von allen. (Lacht.) Sean Connery machte tolle Filme, aber für meinen Geschmack war er zu wenig oft in Schottland, damit ihm diese Ehre zuteil wird. Andy Murray finde ich wirklich beeindruckend. Vor allem, mit welcher Leidenschaft er seine Karriere betreibt. Er hat unglaublich hart gearbeitet, um so viel zu erreichen. Leider habe ich ihn noch nie getroffen, im Gegensatz zu seiner Mutter Judy. Dass er Schotte ist, macht seine Leistungen noch herausragender denn besonders erfolgreich ist unser Land im Sport nicht.

Was halten Sie von den Vorurteilen über die Schotten?

Zum Beispiel?

Dass sie besonders geizig seien.

Ja, ja, die geizigen Schotten Also ich bin definitiv nicht so. In unserer Familie wurden wir nicht so erzogen. Ich glaube, das ist wirklich ein Vorurteil, das im Ausland herrscht. Wenn Amerikaner nach Schottland kommen, sind sie überzeugt, dass alle 24 Stunden lang im Schottenrock herumlaufen und Dudelsack spielen. Sie sind dann ganz erstaunt, dass dem nicht so ist.

Sie waren gegen den Brexit. Haben Sie sich mittlerweile vom Schock erholt?

Ich finde ihn immer noch lächerlich. Es herrscht ein Chaos, es gibt keinen richtigen Plan, niemand weiss wirklich, wie es weitergeht. Ich begreife immer noch nicht, wie es dazu kommen konnte. Bei uns in Schottland war die Mehrheit gegen den Brexit, ich kenne niemanden, der die EU verlassen wollte. Deshalb finde ich es höchst undemokratisch, dass der Austritt über unsere Köpfe hinweg entschieden wurde. Das bestärkt natürlich wieder die Diskussionen, ob Schottland unabhängig werden soll. Ich bin jedenfalls gespannt, wie es weitergehen soll.

Das klingt nicht optimistisch.

Doch, ich bin optimistisch wenn Schottland seinen eigenen Weg gehen darf und in der EU bleiben kann. Für ein solch kleines Land wäre das eine gute Sache.

Sie sind ein grosser Fussballfan und Anhängerin von Glasgow Rangers. Wie sehr schmerzt es, dass der Club über 30 Punkte hinter dem Stadtrivalen Celtic zurückzuliegt?

Der Schmerz hält sich in Grenzen, weil es keine Überraschung ist. Die Probleme des Clubs gehen tiefer. Es wäre vermessen gewesen, damit zu rechnen, dass wir unter diesen Umständen mit Celtic mithalten können. Zuerst einmal müssten die Finanzen wieder in Ordnung gebracht werden, dann gäbe es eine Perspektive. Solange dies jedoch nicht der Fall ist, werden wir hinterher hinken.

Wem drücken Sie den Daumen, wenn die folgenden beiden Clubs aufeinandertreffen: Ihrem Lieblingsclub Glasgow oder St Johstone, dem Ihr Freund Richard Foster angehört?

Obwohl Glasgow-Fan würde ich mit beiden mitfiebern...deshalb wäre ein Unentschieden das beste Resultat.

Es gibt einen Schweizer Nationalspieler, der bei Glasgow Rangers spielt: Philippe Senderos. Was halten Sie von ihm?

Er ist ein fürchterlicher Fussballer. Senderos ist einer der schlechtesten Spieler überhaupt! In seinem ersten Match, das war ausgerechnet gegen Celtic, erhielt er gleich Gelb-Rot und wurde vom Platz geschickt. Seitdem hat er kaum mehr gespielt. Er ist sicher keine Verstärkung für uns.

Aber früher waren wir stolz auf ihn, er galt als eines der grössten Talente im Schweizer Fussball.

Dann hat er sich aber nicht gut entwickelt. (Lacht.)

Sie haben bei der Eröffnung des Ryder-Cups gesungen. Welches Handicap haben Sie?

Oh, keines. Ich spiele nicht richtiges Golf, nur Mini-Golf. Und auch da bin ich nicht gut.

Was würden Sie sonst noch gerne besser können?

Ich würde gerne mehr Sprachen beherrschen. Es ist ein unschätzbarer Vorteil, wenn man sich an vielen Orten dieser Erde gut verständigen kann. Ich bin jedes Mal fast ein wenig eifersüchtig, wenn ich in die Schweiz komme und sehe, wie viele Sprachen ihr beherrscht.

Welche Sprache würden Sie denn gerne sprechen?

Da wähle ich Deutsch. Seine Laute klingen ähnlich hart wie im Schottischen. Das wäre schon mal ein Vorteil für mich.

Der schönste Ort auf Erden?

Bei mir zu Hause in Glasgow. Ich weiss, dass sich viele darüber wundern. Sie denken, dass ich, weil ich es mir leisten kann, an die teuersten Orte der Welt fliegen müsste. Ich aber freue mich immer, zu Hause zu bleiben, wenn es möglich ist. Schliesslich bin ich während der Tournee so viel unterwegs, da zieht es mich in den Ferien nicht mehr in die Ferne. Lieber verbringe ich die Zeit mit meiner Familie und Freunden.