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King Roger: Früher war ich Vegetarier

Roger Federer isst nicht nur gerne, er spricht auch gerne darüber: Im Interview verrät er, was schon auf seinem Teller landete und wer ihn zum Fleischkonsum brachte.

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Andreas W. Schmid
26. Juni 2017

Für ihn wird gerne der rote Teppich ausgelegt: Seit Roger Federer in Wimbledon so oft gewann, ist er King Roger. Familie Federer ist happy und relaxed: Wir geniessen die Zeit extrem miteinander.

Familie Federer ist happy und relaxed: Wir geniessen die Zeit extrem miteinander.

Interview

Roger Federer (35) gibt im Jahr bis zu 100 Pressekonferenzen; der Basler Tennisstar spricht vor jedem Turnier, nach jedem Spiel und an Sponsoringterminen. Es versteht sich deshalb von selbst, dass er sich mit exklusiven Einzelinterviews zurückhält. Wenn er sich jedoch für ein Gespräch zur Verfügung stellt, muss man sehr spontan sein. Könnt ihr morgen um 10 Uhr nach Zürich kommen?, fragt sein Manager Tony Godsick in einer SMS um 23.50 (!) Uhr am Vorabend. Wir können und stellen King Roger 50 Fragen, die sich nicht nur um Tennis drehen.

Roger Federer, wir treffen uns am Samstagmorgen zum Interview. Sind Sie bereits fit oder eher ein Morgenmuffel?
Nein, mittlerweile gehts besser. Okay, heute Morgen war ich ein bisschen müde. Wir waren schön essen gestern Abend und es wurde spät. Heute Morgen musste ich bereits in aller Frühe
packen.

Sie packen alles selber?
Sagen wir es so: Man hilft sich gegenseitig. Mirka macht schon das Meiste und ich spiele dann den Supervisor. (Lacht.)

Ist es in Ordnung, wenn wir in den nächsten 30 Minuten vor allem über Essen, Trinken und Kochen sprechen?
Über Essen ist absolut okay für mich, ich esse für mein Leben gern! Aber über das Kochen, vor allem Selberkochen uiuiui Da bin ich ganz schlecht. Vielleicht auch weil ich in dieser Beziehung immer viel Glück in meinem Leben hatte: Mirka ist eine Superköchin. Auch als ich mit Yves Allegro, Sven Swinnen oder Michi Lammer in einer WG wohnte, spielte ich immer den Assistenten. Deshalb: 30 Minuten lang übers Kochen reden, wird schwierig. Ich fürchte, dass Ihnen schon bald die Fragen ausgehen werden.

Sie machen in letzter Zeit alltägliche Dinge wie Wandern oder in die Badi gehen. Da wäre es doch nur logisch, dass Sie auch mit Kochen beginnen!
Also interessiert wäre ich schon. Aber jetzt habe ich nicht die Zeit dafür. Kochen darf kein Stress sein. Nach meiner Karriere kann ich mir gut vorstellen, zwischendurch auch selber zu kochen. Gut essen ist für mich und Mirka eine gute Gelegenheit, um uns an einem Abend, wenn die Kinder schon im Bett sind, für eine Weile auszuklinken. Glücklicherweise kommen wir viel in der Welt herum, sodass wir immer wieder Neues ausprobieren. Ich passe mich gerne an die örtlichen Gepflogenheiten an. In Asien esse ich also asiatisch, in Italien italienisch und so weiter.

Dann essen Sie also viel Fish and Chips, wenn Sie drei Wochen in Wimbledon sind?
Ich achte schon darauf, dass ich abwechsle. In Italien esse ich sehr gerne Mozzarella di Bufala, aber natürlich ist das nicht jeden Tag möglich. Sonst kann man mich irgendwann aufs Feld rollen. (Lacht).

Sie müssen also auf Ihre Linie achten?
Heute sicher mehr als früher. Ich trainiere nicht mehr so viel, was aber auch nicht nötig ist. Entscheidend ist, dass ich richtig trainiere, damit ich gesund bleibe.

Wo ist Ihre Problemzone?
Vielleicht der Bauch? Wenn überhaupt.

Wann waren Sie das letzte Mal einkaufen?
Das ist schon länger her. Schade eigentlich, denn ich gehe gerne in den Supermarkt. Bevor wir wandern gehen, müssen wir unsere Rucksäcke füllen

mit Landjägern?
Nein, eher mit Klöpfern oder Cipollatas, die haben die Kinder richtig gerne. Auch weil wir dann mehr Zeit bei der Grillstelle verbringen.

Haben Sie schon Insekten gegessen?
Insekten nicht, aber Seeigel. In den besten Restaurants der Welt getraue ich mich, alles zu essen. Früher wäre das schwieriger gewesen, weil ich ja Vegetarier war.

Ehrlich?
Ja, das ist so. An den Juniorenturnieren hast du nicht immer das beste Fleisch auf dem Teller, deshalb habe ich dankend verzichtet, bis ich ungefähr 16 war. 1998 kam ich erstmals in die Schweizer Davis-Cup-Mannschaft. Das war gegen Tschechien, da war ich für das Team noch der Wasserträger. Als wir in einem Steakhouse sassen, bestellte ich Reis und Salat. Marc Rosset glaubte, ich mache Witze: Hey, Roger, das ist ein Steakhouse hier, da kannst du nicht nur Grünzeugs essen! Also bestellte er zehn kleine Stückchen von verschiedenen Fleischsorten. Die Hälfte davon schmeckte mir sehr gut. Seitdem esse ich wieder Fleisch. Fisch lernte ich eher durch Mirka kennen. Der reine Fischgeschmack gefiel mir zuerst nicht, aber durch die vielen tollen Saucen hat sich das schnell geändert.

Sie essen oft auswärts. Da kommt es sicher auch mal vor, dass es nicht schmeckt. Lassen Sie dann den Koch kommen?
Nein, nein. Es kommt sehr selten vor, dass mir etwas nicht passt. Meist bestellt man, was einem schmeckt. Wenn ich nun ein Haar in der Suppe finde, mache ich keinen Aufstand deswegen. Ich würde es diskret verschwinden lassen. Ich fände eine Konfrontation peinlich.

Was war das Merkwürdigste, das auf Ihrem Teller lag?
Das war in Paris, als ich mich bereit erklärte, alles zu probieren. Auch Froschschenkel und Schnecken. Ich konnte es nicht fassen, dass ich das tue. Schnecken kannte ich vom Schulweg, wir haben mit ihnen oft gespielt. Und nun lagen sie auf meinem Teller, alles blubberte. Aber mit den Saucen gings. Besonders die Knoblauchsauce ist sehr dominant, da bleibt vom Schneckengeschmack nicht mehr viel übrig.

Ich kann nicht täglich Mozzarella essen. Sonst kann man mich aufs Feld rollen.»

Waren Sie schon einmal in New York beim Schweizer Daniel Humm essen, beim besten Koch der Welt?
Ja, ich kenne Daniel sehr gut. Ich wollte schon lange zu ihm in den Eleven Madison Park zum Essen gehen. Das ist jedoch nicht einfach ein Zwischenlunch, für den du schnell eine Stunde hingehst da steckt eine ganze Organisation dahinter. Als wir anriefen, glaubte die Rezeptionistin, dass wir einen Witz mit ihr machen würden. Daniel Humm sei ein riesiger Fan von mir, das könne nicht sein, dass Federer selber dort anrufe. Als ich im Restaurant einlief, guckte er aus der Küche und wollte es immer noch nicht glauben. Dann legte er los. Es war eine grossartige Erfahrung. Wir haben uns nachher bis zwei Uhr am Morgen miteinander unterhalten. Er hat noch ein anderes Restaurant, das NoMad, in das ich sehr gerne gehe. Es ist eines meiner Lieblingslokale in New York.

Wie viele Gänge hat Humm Ihnen serviert?
Ich glaube, es waren sicher sieben Gänge plus das ganze Drumherum, das nicht zu unterschätzen ist. Kürzlich war ich auch bei Andreas Caminada im Igniv, das er in St. Moritz eröffnet hat. Es war ebenfalls wunderbar.

Trinken Sie Wein zum Essen?
Ja, meistens. Das gehört zu einem feinen Essen dazu.

Wer probiert den Wein?
Mirka. Sie kann sehr gut Geschmäcke unterscheiden und erkennt die Nuancen. Sie hat eine feine Nase. Bei mir ist es eher so, dass ich sage: Schmeckt mir oder schmeckt mir nicht. Ich bin deshalb froh, wenn sie testet, ob der Wein Zapfen hat oder nicht. Im Notfall könnte ich es auch, aber mir ist ein wenig bange vor dem Gruppendruck.

Sammeln Sie etwas ausser Pokalen?
Aha, offenbar sind Ihnen nun die Fragen übers Essen ausgegangen Früher haben wir meinem Vater beim Sammeln von Briefmarken und Rahmdeckeli geholfen. Irgendwann hat er alles verkauft. Lange sammelte ich meine Akkreditierungsbadges, die ich an den Turnieren trug. Heute ist das nicht mehr so attraktiv, weil die Organisatoren schon vorher ein Internetbild von mir herunterladen. Und das hat dann mit meinem Aussehen am jeweiligen Turnier herzlich wenig zu tun. Früher wurde ich vor Ort für den Badge fotografiert so war er ein richtiges Zeitzeugnis. Was ich sonst sammle? Vielleicht noch am ehesten Schuhe, weil ich so viele habe.

Bis 2003 hatten wir Ihre Handynummer
und was ist dann passiert?

Dann haben Sie leider Wimbledon gewonnen.
Das tut mir leid. (Lacht.) Ich hoffe, Sie haben trotzdem Verständnis. Heute sind es vielleicht noch um die 200 Personen, die meine Nummer kennen.

Wollen Ihre Kinder ein Haustier?
Die Mädchen würden sich sehr freuen. Sie wissen aber, dass es nicht geht, solange ich spiele. Wenn wir irgendwann einmal sesshaft werden, ist es durchaus möglich. Dann hätte ich auch Zeit, denn die braucht man für ein Tier. Es sollte ja nicht einfach nur Dekoration sein.

Hatten Sie als Kind ein Haustier?
Ja, immer. Es fing mit Meerschweinchen an, ging mit Zwerghasen weiter, dann mit Katzen. Eine hat mich durch die Jugend begleitet: Ginger wurde 15 Jahre alt.

Wie viele Autos haben Sie?
Fünf. Die gehören aber nicht mir alleine, sondern ich teile sie mir mit Mirka.

Stehen auch Velos bei Ihnen in der Garage?
Ja klar. Wir wohnen in den Bergen, da muss man zwingend ein Mountainbike haben. Nun möchte ich mir noch ein E-Bike zulegen, damit ich auch mal über die Hügel und Berge fahren kann, ohne dass ich total kaputt nach Hause komme. Letztes Jahr, als ich Zeit hatte, haben wir ein paar Modelle getestet. Unglaublich, wie viel Speed man mit diesen Dingern hat!

Können Ihre Kinder Velo fahren?
Ja, die Mädchen. In Wimbledon haben wir schon vor Jahren Velos gemietet und sind ums Haus herum gefahren. Es ist wichtig, dass Kinder das Velofahren beherrschen.

Sie stehen mitten in der Rasensaison. Stellen Sie sich einmal vor, Sie hätten Heuschnupfen
In Stuttgart habe ich einen Doppelspieler gesehen, der mit roten Augen in die Kabine kam und sichtbar litt. Er tat mir total leid. Was für ein Glück, dass ich nicht daran leide!

Wie schmeckt Gras?
Ich liebe seinen Geschmack. Er erinnert mich an meine Fussballzeiten als Junior.

Haben Sie schon Gras gegessen, so wie es Novak Djokovic nach seinem Wimbledon-Sieg getan hat?
Wortwörtlich nicht. Im übertragenen Sinne aber habe ich gerade vor Kurzem in der ersten Runde des Rasenturniers in Stuttgart Gras gefressen ...

Die Familienplanung ist sicherlich noch nicht ganz abgeschlossen.»

Wie oft gibt Ihnen Ihre Frau Mirka technische oder taktische Tennis-Tipps?
Technische eher weniger. Sie hilft mir mehr auf der mentalen Ebene. Sie merkt sofort, wenn ich gestresst bin, hält sich aber auch mit Kritik nicht zurück. Am meisten unterstützt sie mich jedoch im organisatorischen Bereich. Wobei Mirka momentan mehr Mami ist und sich aus dem Daily Business ein wenig zurückgezogen hat. Was auch gut ist.

Spielt Ihr ab und zu noch miteinander Tennis? Mirka war ja auch auf der Profitour.
Etwa fünfmal im Jahr. Meistens in den Ferien, wenn ich Lust habe, wieder Tennis zu spielen. Dann muss halt Mirka einspringen.

Und sie gewinnt dann immer einen Satz gegen Sie?
Nein, das dann schon nicht. (Lacht.) Sowieso spielen wir nicht um Punkte.

Haben Sie sich schon gewünscht, Mirka hätte nicht selber Tennis gespielt? Als ehemaliger Profi weiss sie genau, was eine faule Ausrede ist und was nicht.
Nein, nie! Ich bin wirklich sehr froh darüber. Sie weiss, was es alles braucht, damit ich mich optimal auf ein Turnier vorbereiten kann. Das Verständnis ist viel grösser, als wenn sie nichts mit Tennis zu tun gehabt hätte.

In Interviews reden Sie viel über Ihre Kinder
Ich werde ja auch oft danach gefragt.

Aber was wir noch nirgends gelesen haben: Wünscht ihr euch noch mehr Kinder?
Dieses Thema ist sicher noch nicht komplett abgeschlossen, aber damit beschäftigen wir uns erst wieder, wenn ich meine Karriere beendet habe.

Wann ist das?
Das weiss ich selber nicht. Darum ist es momentan gut so, wie es ist. Alle sind happy und relaxed. Wir geniessen die Zeit mit unseren vier Kindern extrem.

Mit wem kann man im Tenniszirkus richtig abfeiern?
Also wenn ich Party mache, dann schon richtig. Mit Stan Wawrinka ist es immer lustig. Oder auch mit Seve Lüthi. Wenn er ready ist, gibt er Vollgas. Ob die anderen Spieler Partylöwen sind, kann ich nicht beurteilen. Man trifft sich ja eher auf dem Tennisplatz als auf der Tanzfläche.

Hatten Sie am Tag danach auch schon einmal einen Kater auf dem Tennisplatz?
Auf dem Tennisplatz selbst nicht. Aber nach dem Sieg am Finalsonntag der US Open 2005 hatte ich ein Problem. Das war nicht ganz sooo lustig. Ich fühlte mich erst am Donnerstag wieder einigermassen normal

In welchem Film hätten Sie gerne die Hauptrolle gespielt?
Ich sehe mich gar nicht als Schauspieler, auch wenn ich ab und zu in Werbespots zu sehen bin. Man muss auch seine Grenzen kennen. Bei mir beginnen sie dort, wo es darum geht, Texte auswendig zu lernen. Daniel Day-Lewis in Lincoln ist so ein Beispiel, ein Wahnsinn, wie er den Text runterrasselt.

Beherrschen Sie ein Musikinstrument?
Ich habe zuerst Blockflöte gelernt und dann Klavierstunden genommen. Gerade gestern habe ich den Kindern auf dem Piano etwas vorgespielt.

Sie können es noch?
Genau ein Stück. Ich habe viel zu wenig geübt. Leider.

Welche Musik gefällt Ihnen am besten?
Aufgewachsen bin ich mit Street-Parade-Musik. Durch meinen Ex-Coach Peter Lundgren bin ich in den Rockbereich gerutscht, hörte AC/DC, Metallica oder Lenny Kravitz, die ich alle live gesehen habe. Momentan läuft oft Musik der 90er-Jahre, wenn ich zu Hause bin. Da kommen Kindheitsgefühle auf.

Waren eigentlich Sie schuld, dass der FC Basel 2015 im Cupfinal 0:3 verloren hat? Da besuchten Sie die Mannschaft nämlich vor dem Spiel in der Kabine und nicht erst danach.
Genau, deshalb habe ich das seither nie mehr getan. (Lacht.) Ich hatte aber schon zuvor das Image, kein allzu grosser Glücksbringer zu sein. Es gab eine Zeit, da verlor der FCB regelmässig, wenn ich auf der Tribüne sass. Zum Glück habe ich aber auch viele Partien gesehen, die er gewonnen hat.

Nun müssen Sie sich entscheiden. Wären Sie lieber Justin Bieber oder Lady Gaga?
Da ich Lady Gaga nicht gut kenne, sage ich halt Bieber.

Titanic oder Terminator?
Für mich war immer klar: Diesen rührseligen Titanic-Film will ich nicht sehen. Doch dann habe ich ihn mir angeschaut und muss nun zugeben: Es ist ein wirklich eindrücklicher Film.

Mussten Sie heulen?
Also die Szene, in der Leonardo di Caprio ins Wasser rutscht und nicht mehr auftaucht, die ist nicht so lustig. Trotzdem wähle ich den Terminator. Dieser Film, wie auch Rambo, ist einfach ein legendärer Streifen, den ich mir immer wieder gerne anschaue.

Trump oder Putin?
Mit beiden habe ich schon am Tisch gesessen.

Wann war das?
Donald Trump traf ich vor zehn Jahren an einer Party von Anna Wintour (Chefredakteurin der Vogue) in New York. Wladimir Putin habe ich in St. Petersburg bei den Laureus Sport Awards getroffen, bei denen ich 2008 zum Weltsportler gewählt wurde. Plötzlich stand Putin auf und machte die Runde, um mit allen anzustossen. Persönlich mit ihm geredet habe ich aber nicht. Daher sorry: Ich kann mich für keinen von beiden entscheiden.

Können Sie sich vorstellen, nach Ihrer Karriere bei den Senioren Interclub, also in der Schweizer Clubmeisterschaft, zu spielen? So wie dies Marc Rosset oder Jakob Hlasek tun?
Daran habe ich auch schon gedacht. Warum nicht eine Mannschaft zusammentrommeln? Ganz so abwegig ist es nicht. Ich könnte ja schon heute bei den Jungsenioren mitspielen

Was sagen Sie jenen Journalisten, die schon 2009 vom Herbst Ihrer Karriere gesprochen haben?
Ich habe Verständnis dafür. Nachdem ich alle Grand-Slam-Turniere gewonnen hatte, mussten die Journalisten nach etwas Neuem suchen. Über den Rücktritt kann man wunderbar spekulieren, da geht der Stoff so lange nicht aus, bis er Tatsache wird.

Befinden Sie sich jetzt im Herbst Ihrer Karriere oder eher im dritten Frühling?
Dritter Frühling tönt besser. Wir werden sehen, wie lange ich noch spielen kann. Meine Fans wissen, dass ich so lange weitermachen möchte, wie es geht. Solange ich Spass am Tennis habe und ich es mit meinem Familienleben vereinbaren kann. Was jetzt kommt, ist alles Bonus erst recht nach dem 18. Grand-Slam-Titel, den mir nicht viele zugetraut hatten.

Zahlen und Rekorde

Nächste Woche zählt Roger Federer in Wimbledon zu den Favoriten: King Roger konnte in seinem Wohnzimmer an der Church Road im Südwesten Londons schon siebenmal gewinnen.

Wenn Roger Federer mit irgendeinem Rekord konfrontiert wird, den er gerade wieder gebrochen hat, reagiert er oft erstaunt. Das wusste ich gar nicht!, pflegt er gerne zu sagen. Das ist auch verständlich angesichts der vielen Bestmarken in seiner langen Karriere. Wir präsentieren 25 Meilensteine des Maestros.

  1. Der prestigeträchtigste Rekord: Federer weist die meisten Grand- Slam-Titel auf mittlerweile sind es 18. Der Triumph an einem Major-Event ist das Grösste in der Karriere eines Tennisspielers. Federer erwähnt immer wieder, dass er schon mit einem einzigen Grand-Slam-Sieg zufrieden gewesen wäre. Am dichtesten auf den Fersen ist sein ewiger Rivale Rafael Nadal mit 15 Titeln.
  2. Am längsten die Nummer 1 in der ATP-Weltrangliste: 302 Wochen. Und es ist nicht ausgeschlossen, dass der Rekord noch ausgebaut wird, falls Federer so stark weiter spielt wie in den bisherigen Turnieren dieses Jahres. Von den aktiven Spielern ist Novak Djokovic mit 223 Wochen der gefährlichste Kontrahent.
  3. Die meisten Grand-Slam-Finals: 28. Bei den Frauen hätte Federer das Nachsehen: Chris Evert kommt auf 34 Endspiele, hinter ihr folgen Martina Navratilova (32), Steffi Graf (31) und Margaret Smith-Court sowie Serena Williams (beide 29). Gross ist Federers Vorsprung auf seine noch aktiven Rivalen: Nadal kommt auf 22 Finals, Djokovic auf 21.
  4. Die meisten Finalsiege hintereinander: 24. Die Serie begann im Oktober 2003 in Wien und endete mit der Niederlage in Shanghai 2005.
  5. Federers Karriere zeichnet sich auch durch seine Konstanz aus: 237 Wochen stand er ununterbrochen an der Spitze der Weltrangliste. Das ist mehr deutlich mehr als bei Jimmy Connors (160) und Steffi Graf (186). Am 18. August 2008 endete die Serie, als Rafael Nadal Federer ablöste.
  6. Zusammen mit dem jamaikanischen Sprintstar Usain Bolt holte Federer die meisten Titel als Weltsportler des Jahres: nämlich 4; seit dem Jahr 2000 wird der Laureus Award verliehen. Lustig: 2004 wurde Federer zum Weltsportler und auch Schweizer Sportler des Jahres, aber nicht zum Basler Sportler des Jahres gewählt! Den Vorzug erhielt damals Marcel Fischer, der Bieler Olympiasieger im Degenfechten, der in Basel Medizin studierte.
  7. Die längste Grand-Slam-Finalserie: 10 Endspiele hintereinander. Von Wimbledon 2005 bis und mit dem US Open 2007 erreichte Federer jedes Mal den Final. Auf Platz 2 folgt Federer selber mit acht Finalteilnahmen hintereinander, von Paris 2008 bis und mit dem Australian Open 2010. Novak Djokovic schaffte in dieser Statistik sechs Finals in Folge.
  8. Federer ist der einzige Schweizer Mann, der noch zu Lebzeiten auf einer Briefmarke verewigt worden ist. 2007 kam diese Marke heraus.
  9. Die meisten Titel in Wimbledon: 7. Kein Wunder, bezeichnet er das Rasenturnier an der Church Road im Südwesten Londons als sein Wohnzimmer. DiesenRekordmuss er sich mit Pete Sampras teilen.
  10. Die meisten Titel am US Open: 5. Auch diese Bestmarke muss er sich mit Pete Sampras sowie Jimmy Connors teilen.
  11. Die meisten Erfolge an den ATP World Tour Finals: 6. So spät am Saisonfinale noch zu reüssieren, spricht für seine Fitness sowie seine Saisonplanung. Dicht auf den Fersen ist ihm Novak Djokovic mit 5 Erfolgen.
  12. Roger Federer war am längsten Dreisatzmatch der Open Era beteiligt: Im Olympia-Halbfinal von 2012 in London besiegte er in vier Stunden und 26 Minuten seinen Rivalen Juan Martin Del Potro; den dritten Durchgang entschied er mit 19:17 für sich. Federer war so glücklich, aber auch platt nach seinem Sieg, dass er den Final gegen Andy Murray praktisch kampflos abgab. aber auch mit Silber war der Schweizer hochzufrieden.
  13. Federer ist der einzige Spieler, der in drei Saisons alle vier Grand-Slam-Finals erreichte. Dies gelang ihm 2006, 2007 und 2009. Novak Djokovic schaffte dies 2015, Rafael Nadal gar nie.
  14. Die meisten Finals in Wimbledon: 9. Boris Becker und Pete Sampras folgen mit 7. Mit dem Olympiafinal stand Federer sogar zehnmal in Wimbledon im Endspiel.
  15. Die meisten Grand-Slam-Titel bis zur ersten Finalniederlage: 7. Nur Richard Dudley Sears und William Renshaw in den Urzeiten des Tennissports gelang das gleiche Kunststück wie Roger Federer: Erst im achten Final 2006 am French Open wurde der Schweizer von Rafael Nadal bezwungen.
  16. Die meisten Titel auf Gras: 16.
  17. Die längste Siegesserie auf Gras: 65 Siege in Folge von 2003 bis 2008.
  18. Die meisten Asse in einem Grand-Slam-Final: 50. Federer gelang dieses Kunststück gegen den bedauernswerten Andy Roddick in Wimbledon 2009.
  19. Am häufigsten zum fairsten Spieler gewählt: 12-mal! Obwohl Federer seinen Gegnern auf dem Platz als siegreicher Rivale so oft wehtut, ist er für diese ein Vorbild, was die Fairness anbelangt. Deshalb hat er ein Abonnement auf den Stefan Edberg Sportsmanship Award.
  20. Als Einziger hat Federer bei jedem der vier Grand-Slam-Turniere mindestens fünfmal das Endspiel erreicht. Novak Djokovic kommt auf immerhin vier Finals pro Turnier.
  21. Die längste Siegesserie am US Open: 40 Erfolge. Zwischen 2004 und 2009 gewann Federer am US Open 40 Spiele hintereinander.
  22. Roger Federerist der einzige Spieler, der auf der Tour vier Zwillingskinder hat und trotzdem weiter erfolgreich ist.
  23. Die meisten Titel als Europas Sportler des Jahres: 5. Auch hier steht Federer an der Spitze, vor Michael Schumacher mit 4 Titeln und Novak Djokovic mit 3 Erfolgen.
  24. Die meisten Titel als Schweizer Sportler des Jahres: 6.
  25. Die meisten Titel an den Swiss Indoors in Basel: 7. Das Heimturnier zählt zu den Lieblingsveranstaltungen von Federer. Deshalb hat er auch immer gesagt: Solange ich noch spiele, bin ich in Basel dabei. So auch im Herbst vom 23. bis 29. Oktober 2017. In Basel stand er schon zwölf Mal im Final, was in der Welt des Turniertennis ebenfalls Rekord bedeutet

Maestro beim Kochen

Und Federer kocht doch!

Viele Fotos gibt es nicht von Roger Federer beim Kochen. Eines der raren Zeitzeugnisse, die den Maestro in der Küche zeigen, ist jenes aus dem Jahre 2014, als er Yannick Alleno sekundierte im Rahmen eines Abends, an dem er als Werbebotschafter die Edel-Champagnermarke Moët & Chandon repräsentierte. Der Franzose Yannick Alleno zählt zu den besten Köchen der Welt und hält mit seinem Restaurant Alléno Courchevel in den französischen Alpen drei Michelin-Sterne. Die beiden kochten zusammen folgendes Gericht: Fregola sarda mit Meerestieren, dazu knuspriger Biscuit mit Extrakt vom Schalentier.