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Begegnung

La Hunziker: Dranne bliibe, dranne bliibe

Michelle Hunziker möchte nochmals Mutter werden, trinkt mit den Paparazzi gerne Kaffee und wundert sich über Italien.

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SAT.1 / Stefan Hobmaier - Salvatore Vinci
19. Juni 2017

Michelle Hunziker ist mit Its Showtime wieder im deutschen Fernsehen zu sehen. Hier mit Jury-Kollege Michael Bully Herbig.


Interview

Man ist immer so alt, wie man sich fühlt.

Geplant gewesen wäre ein Interview mit Michelle Hunziker (40) in ruhiger Atmosphäre im oberen Stock eines Zürcher Lokals. Stattdessen geht es während des Gesprächs so lebhaft zu und her wie auf einem italienischen Bahnhof. Von draussen dringt Lärm durch das offene Fenster, im Hintergrund reden zahlreiche Personen, die sich aus unterschiedlichen Gründen im Raum aufhalten, wild durcheinander. Es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen. Wo andere Stars sich genervt fühlen würden, bleibt die italienisch-schweizerische Showmasterin beneidenswert locker. Sie hat es gerne, wenn das Leben pulsiert.

Michelle Hunziker, Sie leben heute in Italien, sind aber bis 14 in Ostermundigen bei Bern aufgewachsen. Können Sie noch Berndeutsch sprechen?
Klar, das geit no gäng.

Und Holländisch?
Auch kein Problem. Meine Mutter stammt ja aus Holland. Wollen wir das Interview auf Holländisch führen?

Lieber nicht! Sprechen Sie mit Ihren Kindern noch Schweizerdeutsch?
Nein, mit ihnen spreche ich Italienisch. Aber sie gehen auf eine deutsche Schule. Mir ist es wichtig, dass sie diese Sprache auch lernen. Bei meiner ältesten Tochter Aurora habe ich das leider verpasst. Sie spricht kein Deutsch, dafür neben Italienisch auch fliessend Englisch wir haben sie auf eine internationale Schule geschickt.

Sie würden es mit Aurora also anders machen, wenn Sie zurückkönnten?
Ja klar. Ich habe richtiggehend Schuldgefühle. Weil sie immer wieder Anfragen für Moderations-Jobs von deutschen Fernsehstationen erhält. Aber da sie die Sprache nicht kann keine Chance. Deshalb ist es mir wichtig, dass meine kleineren Töchter unbedingt Deutsch lernen.

Sie sind seit Kurzem als Jurorin der Sat.1-Talentshow Its Showtime wieder im deutschen Fernsehen präsent. Hand aufs Herz: Wirklich neu ist dieses Konzept ja nicht.
Da gebe ich Ihnen zu 100 Prozent recht. Doch was gibt es schon Neues am TV? Nichts. Die Sender investieren keinen Rappen in neue Formate. Was ich aber betonen will: Its Showtime ist wirklich Highclass. Die Menschen, die dort auftreten, sind die besten Talente der ganzen Welt. Es ist keine Sendung, bei der die Protagonisten auf der Bühne von den Juroren niedergemacht werden, wie dies beispielsweise beim Supertalent der Fall ist.

Sie sagen, es gebe keine neuen Formate. Was ist denn mit den Nacktshows, die gerade in Mode sind?
Da bin ich ziemlich old fashioned. Ich akzeptiere diese, mehr aber auch nicht. Seien wir ehrlich: Das Entertainment, das wir von früher kennen, suchen wir vergebens. Eine grosse Samstagabend-Show wie beispielsweise Wetten, dass?, bei der ich drei Jahre mit dabei war, gibt es nicht mehr und wird es in dieser Form auch nicht mehr geben. Das ist aber auch nicht schlimm. Da müssen wir nicht gränne.

Ich habe Schuldgefühle, weil ich mit Aurora nie Deutsch sprach.»

Sie und Ihr Mann haben vor Kurzem getwittert, dass Sie gerne noch einen Sohn hätten und daran arbeiten würden...
dranne bliibe, dranne bliibe, dranne bliibe

was wir eigentlich fragen wollten: Wie...
...oft am Tag wir dran sind? Wollen Sie das wissen? (Lacht.) Wirklich?

Nein, nein, das würden wir uns nie getrauen. Nein, wir wollten etwas anderes fragen: Sie sind 40 Jahre alt. Wann fühlen Sie sich zu alt, um nochmals Mutter zu werden? Vor allem in der Showbranche gibt es Frauen, die jenseits der 50 noch ein Kind wollen.
Das kommt für mich nicht infrage. Aber: Verurteilen will ich diese Frauen auch nicht. Das muss jede mit sich selbst vereinbaren. Ich kann Ihnen ein Beispiel nennen. Die Mutter meiner besten Freundin war 50, als sie Mami wurde. Vor Kurzem ist sie nun im Alter von 106 Jahren gestorben. Aber das ist die Ausnahme. Ich glaube, sie war eine Ausserirdische...

Was wollen Sie uns jetzt mit diesem Beispiel sagen?
Wenn man sich mit 50 Jahren noch so jung fühlt und ein Kind bekommt und 106 Jahre alt wird...ist das doch absolut in Ordnung. Wie heisst es doch so schön? Man ist immer so alt, wie man sich fühlt. Es gibt eben ein theoretisches und ein biologisches Alter.

Sie engagieren sich gegen Gewalt an Frauen und haben mit der Rechtsanwältin Giulia Bongiorno die Vereinigung Doppia Difesa (doppelte Verteidigung) gegründet. Warum dieses Engagement?
Diese Stiftung ist mir unheimlich wichtig. Vor allem bei uns in Italien ist das ein Riesenthema. Da werden immer noch viele Frauen Opfer von Gewalt oder gar umgebracht. Ich will damit auch Danke sagen für das unglaubliche Glück, das ich in meinem bisherigen Leben hatte.

Wurden Sie selber schon einmal Opfer von Gewalt?
Nicht von physischer, aber von psychischer Gewalt: Ich wurde eine Zeit lang stark gestalked. Rund zehn Jahre ist das jetzt her. Das war auch der Auslöser, weshalb ich die Stiftung gegründet habe. Mittlerweile gibt es in Italien ein Gesetz, das die Frauen besser beschützt. Erarbeitet hat es meine Stiftungspartnerin Giulia Bongiorno.

Lästig sind sicher auch die Paparazzi, die Sie auf Schritt und Tritt verfolgen.
Ich finde sie nicht lästig. Eigentlich sind sie sogar sehr respektvoll und wir haben ein gutes Verhältnis. Als Person des öffentlichen Lebens sollte man sich daran nicht stören. Das gehört dazu und manchmal lade ich die Paparazzi sogar auf einen Kaffee ein.

Und wie reagieren Ihre beiden kleinen Kinder darauf?
Für die ist das ganz normal, die kennen es gar nicht anders.

Italien befindet sich momentan in einer wirtschaftlichen Krise. Wie schlimm steht es um das Land?
Ganz schlimm! Sowohl wirtschaftlich als auch politisch. Man weiss ja nicht einmal, wen man überhaupt wählen soll. Ich denke, wir haben momentan niemanden, der genug charismatisch ist, um für den grossen Umschwung sorgen zu können. Aber natürlich, ich versuche trotzdem positiv zu denken. So wie es meinem Charakter entspricht.

Dann schalten Sie doch zum Schluss noch bitte einen kurzen Werbeblock für Italien!
Italien hat alles. 70 Prozent der europäischen Kultur kommt aus Italien. Das Problem ist aber, dass der italienische Staat rein gar nichts unternimmt, um diesen grossen Schatz zu promoten. Ganz im Gegensatz zu Frankreich. Wenn Sie daran denken, was die Franzosen für einen Wirbel um die Mona Lisa veranstalten, die sie im Louvre ausgestellt haben wohlgemerkt von Leonardo da Vinci, einem Italiener! Wegen eines einzigen Bildes kommen Hunderttausende nach Paris. Dabei ist die Geschichte von Rom 3000 bis 4000 Jahre alt. Oder denken Sie an all die Kulturgüter in Sizilien! Italien hätte eigentlich alles, was es braucht, macht aber leider viel zu wenig draus.

Showmasterin

  • 1977 im Tessin geboren und in Ostermundigen aufgewachsen, zog Michelle Hunziker 1993 nach Bologna.
  • Dort machte sie als Model Karriere; schon bald kürten die Medien sie zu Italiens schönstem Po.
  • 1996 stieg sie ins Fernsehgeschäft ein, wo sie sich seitdem sowohl in Italien als auch in Deutschland erfolgreich behauptet.
  • Hunziker war bis 2009 mit Eros Ramazzotti verheiratet.
  • 2014 gab sie Tomaso Trussardi das Ja-Wort.
  • Sie hat drei Töchter: Aurora aus erster Ehe und Sole und Celeste zusammen mit Trussardi.