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Unangepasst: Ich spiele den Anderen gerne Streiche

Die Britin Cara Delevingne (25) überzeugt als Model und Schauspielerin im Interview erzählt sie, ob sie überhaupt noch Privatsphäre hat.

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FOTOS
TF1 Films Production
14. August 2017

Cara Delevingne möchte gerne so werden wie Laureline in Valerian: Sie folgt ihrem Herzen.


Interview

Sie gilt als coolstes Mädchen der Welt. Pfeift auf Konventionen und Mainstream. Liess sich ihre auffallenden Balken-Augenbrauen nicht wegzupfen, sondern machte den vermeintlichen Makel zum persönlichen Markenzeichen. Cara Delevingne, Britin und It-Girl, Social Media Star und Society-Göre, hat mit ihrer unverfälschten Art grossen Erfolg. Im Jahre 2013 war sie das meistgebuchte Model der Welt. Dann legte sie den Karriere-Hebel um und hüpfte vom Catwalk vor die Filmkamera.
Mittlerweile hat sie fünf Filme abgedreht. Nun hat sie ihre Feuertaufe bestanden: In Valerian Die Stadt der tausend Planeten spielt sie zusammen mit Dane DeHaan ein Agenten-Paar, das durch Zeit und (Welt-)Raum reist, um die Zukunft vor einer dunklen Bedrohung zu bewahren.

Mit ihrem weissblonden Bubikopf sitzt Cara Delevingne uns gegenüber. Sie wirkt temperamentvoll, gleichzeitig nervös und spielt mit ihren Fingern.

Die Augenbrauen sind Cara Delevingnes Markenzeichen.

Cara Delevingne, haben Sie dem Modeln nun völlig den Rücken zugewandt und Ihr eindrucksvolles Gesicht nur noch gen Hollywood gerichtet?
Nein, mit dem Modeln werde ich nicht aufhören, es aber viel seltener betreiben als bisher.

Wie kams, dass Sie so plötzlich mit der Schauspielerei liebäugelten?
Ich wollte nur Schauspielerin werden, von klein auf

aber dann kam Ihnen Ihre Modelkarriere dazwischen?
So in etwa: Schauspielen und Musik machen, das war immer mein Plan A. Das Modeln war eher...Zufall. Das fiel mir irgendwie von alleine in den Schoss.

Besteht für Sie ein Unterschied, ob Sie vor einer Film- oder einer Fotokamera (be)stehen?
Ein Bild einzufangen ist extrem interessant, aber es hält nur einen ganz spezifischen Augenblick fest. Man kann damit zwar viel zum Ausdruck bringen aber mit einem Film noch viel mehr!

Hat Ihre Catwalk-Erfahrung Ihnen auch genutzt, um vor der Kamera zu performen?
Der Catwalk fühlte sich für mich immer so an, als würde ich schauspielern: Ich spielte stets, ich sei ein Model. Ich mag an diesem Beruf, dass er eine Kunst ist, die mich lehrt, jemand anderes zu sein. Es ist nicht nur ein magisches Entkommen, es gibt mir auch die Möglichkeit, mich auszudrücken und positive Botschaften in die Welt zu setzen.

In Valerian spielen Sie Ihre erste echte Hauptrolle. Haben Sie mittlerweile genug Selbstbewusstsein im neuen Job entwickelt?
Und wie! Die Tatsache, dass ein Regisseur wie Luc Besson mir sein Vertrauen schenkt, macht mich sehr dankbar. Und das bei einem Projekt, das ihm so am Herzen liegt, weil es auf dem Lieblingscomic seiner Kindheit basiert. Er war in Laureline ja richtig verknallt und stellte sich als Kind vor, er sei Valerian. Wenn ich also Laureline zum Leben erwecken darf, ist das mehr Vertrauen, als ich mir je erträumt hätte.

Haben Sie als Kind auch Comics verschlungen?
Ich habe mich als Comicbook-Figur verkleidet, aber las kaum Comics. Am liebsten war ich Batman. Oder Steve aus The Toy Story.

Das Modeln war eher Zufall. Das fiel mir irgendwie in den Schoss.»

Sie haben in der Vergangenheit mal behauptet, das Modeln würde Sie krank machen. Fühlen Sie sich als Schauspielerin nun erfüllter in dem, was Sie tun?
Auf jeden Fall! Ich bin sehr happy. Und dankbar. Mir ging es ja auch als Model lange Zeit gut mit dem, was ich machte. Doch dann war der Zeitpunkt gekommen, da ich Neues ausprobieren wollte.

Luc Besson hat Natalie Portman und Milla Jovovich entdeckt und Scarlett Johansson in Lucy zu einem grossen Actionerfolg verholfen. Sie sind also in bester Gesellschaft.
Mit all diesen unglaublich tollen Frauen das ist schon geil! Verrückt, dass ich jetzt in dieser langen Tradition von starken Frauenrollen stehe. Luc Besson ist jemand, der Frauen als sehr charismatische Charaktere in Szene setzt und der Beziehung zwischen Männern und Frauen eine Ebenbürtigkeit verleiht. Das ist selten!

Ist Laureline ein echtes Vorbild für Sie?
Mir gefällt es, wie taff sie ist, wie unbeirrt sie ihrem Herzen folgt und dass sie das Richtige tut, auch wenn das heisst, sich manchmal nicht an Regeln zu halten. Ich möchte gern mal so eine Frau werden wie sie.

Sie selber halten sich ebenfalls nur selten an Konventionen gerade, wenn es um Humor geht.
Ich liebe es halt, anderen Streiche zu spielen. Aber nicht aus Rache, sondern als Liebesbeweis. Ich quäle meine Freunde gern so zeige ich ihnen meine Zuneigung. Ich habe mal mit einem Hennastift, der drei Wochen hält, auf den Kopf eines Schulfreundes einen Penis gemalt.

Nein!
Aber sicher! Das ist doch lustig.

Also waren Streiche wohl schon in der Schule Ihr Lieblingsfach?
Ich gehörte immer zu den Anstiftern. Einmal habe ich unsere Klasse so dirigiert, dass wir jedes Mal, wenn die Lehrerin etwas an die Tafel schrieb, ein Stück mit Tisch und Stuhl vorrückten, bis wir alle ganz vorne landeten.

Sie stachen als Model immer heraus, auch durch verrückte Posen und Grimassen. Ist Individualität Ihr Leitmotiv?
Man kann andere Menschen bewundern und sich auch an ihnen orientieren. Doch man sollte sie nie imitieren. Ich wünschte mir ernsthaft, dass ich junge Leute zu dieser Haltung motivieren kann.

Haben Sie selbst Privatsphäre? Werden Sie nicht überall auf dem Globus erkannt?
Es geht. Ich habe keinen Bodyguard und ziehe mich total unspektakulär an. Wenn mich jemand anspricht, heisst es meist: Du siehst aus wie das Model... und dann sage ich: Kein Ahnung, wen du meinst. Oder auch: Was? Du meinst nicht etwa dieses hässliche Mädchen?!

Wie erden Sie sich?
Auf meinen Füssen! (Lacht.) Und mit Meditation. Ich habe vor sechs Jahren damit angefangen. Davor praktizierte ich allerdings schon regelmässig Yoga, da war der Weg nicht mehr weit. Ich benötige Momente, in denen ich ganz für mich bin. Vor allem, wenn ich draussen in der Natur bin, hilft mir das jedes Mal, ganz bei mir zu sein. Das ist noch besser als Meditation.

In Valerian geht es um die ewige Frage: Was ist die wahre Liebe? Glauben Sie an die grosse, die eine, eben die wahre Liebe?
Klar! Wenn du die Person gefunden hast, die dich versteht, dich so nimmt, wie du bist und dir Lebensfreude schenkt, ist das einfach erhebend. Mit so einem Menschen möchte man den Rest seines Lebens verbringen.

Valerian ist erst ein Macho, für den Frauen Trophäen sind. Könnten Sie sich in einen wie ihn verlieben?
Ich glaube, ich habe mich schon ein paar Mal in so einen Typ Mann verguckt, aber die waren nie so nett wie Valerian. Hinter seiner Grossspurigkeit verbirgt sich ein Romantiker, das ist schon eine anziehende Mischung.

Im Film geht es auch um das Finden der ultimativen Liebe. Wer hat Ihnen beigebracht, was wahre Liebe bedeutet?
Gute Frage! Ich denke, zuallererst erfährt man wahre Liebe sicher von der engsten Familie. Darum hast du zu ihr so ein Urvertrauen, sie ist und bleibt deine Basis und sagt dir die Wahrheit, selbst wenn du sie nicht hören willst. Später vertieft sich dieses Wissen um die Liebe durch den Umgang mit deinen Freunden. Liebe, ob du sie neben dir hast oder in dir, ist das Stärkste, was es auf der Erde gibt.

Ihr Liebesleben machte Schlagzeilen, nachdem Sie sich als bisexuell geoutet hatten. Wie bereiten Sie sich auf ein Date vor?
Ich mache keine grosse Sache draus. Ich finde es wichtig, sich auf Dates nicht zu verstellen. Wozu soll man Zeit verschwenden und so tun, als sei man anders? Dann doch lieber schon bei Date eins zeigen, wer man ist.

Reise nach Afrika

Cara Delevingne reiste unlängst für die UN-Kampagne Girls Up nach Uganda. Dieser Trip hat mein Leben verändert, sagt die Londonerin. Es war herzzerreissend zu sehen, wie es den Menschen dort geht. Und trotzdem hätten sie eine unglaublich lebensbejahende Haltung. Delevingne hat ihre Begegnungen in Afrika in einem Dokumentarfilm festgehalten.