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Bastian Baker: Ich spürte eine gewisse Leere

Der Singer-Songwriter Bastian Baker (27) geht mit Superstar Shania Twain (52) auf eine sechsmonatige Welttournee die Chance auf den grossen Durchbruch auch im Ausland. Im Interview spricht der Lausanner über Lieder und Liebe.

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Adrian Bretscher, David Olkarny, Christoph Kaminski
21. Mai 2018

Bastian Baker freut sich auf die Tournee mit Shania Twain: Es ist ein Riesen-kompliment, dass sie mich als einen ihrer Lieblingskünstler vorstellt.


Bastian Baker, bald beginnt Ihre sechsmonatige Welttournee mit Superstar Shania Twain. Was packen Sie ein?
Ich nehme das Minimum an Gepäck mit: Unterwäsche, T-Shirts, ein paar Hosen, den Pass, Gitarre, Handy und Kopfhörer. Das ist schon alles, ich nehme nie etwas Spezielles mit. Neu kommt ein Springseil dazu, um mich damit fit zu halten.

Sie wollen nicht ins Hotel-Gym?
Nein, ich finde das langweilig, die Stimmung dort ist auch nie wirklich gut. Ich bewege mich lieber draussen. So fühle ich mich ein wenig wie Rocky Balboa!

Wie ist die Idee entstanden, dass Sie Shanias Vorprogramm machen könnten?
Das war ein langer Prozess. Wir sind gut befreundet. Kennen gelernt haben wir uns vor sechs Jahren am Montreux Jazz Festival. Wir sassen bei einem Mittagessen im Chalet von Claude Nobs am gleichen Tisch. Danach kam sie mit ihrer Familie zu meinem Konzert am Paléo Festival in Nyon.

Sie schloss das junge Schweizer Talent sofort ins Herz?
Shania interessierte sich wirklich für meine Musik und gab mir sogar Tipps. Als sie sich entschied, wieder auf Tournee zu gehen, sagte ich ihr, falls sie jemanden fürs Vorprogramm brauche, würde ich es gerne machen. Natürlich war ich nicht der Einzige! Es folgten längere Gespräche mit ihrem Management und dem Tourneeveranstalter. Am Ende entschied sie sich für mich. Also kein hollywoodreifer Anruf um drei Uhr morgens! (Lacht.)

Es hat aber schon märchenhafte Züge, wenn jemand, der ausserhalb seiner Heimat kaum bekannt ist, eine solche Chance bekommt.
Stimmt, aber das hat vor allem mit unserer jahrelangen Freundschaft zu tun und Shanias Eindruck, dass ich nun für Amerika bereit wäre, da meine Lieder besser geworden seien. Die Produktion der Songs auf meinem im Herbst erscheinenden Album findet sie hervorragend, und vier oder fünf Songs hätten grosses Hitpotential. Sonst würde es keinen Sinn machen, mich mitzunehmen.

Wie laufen die Konzerte ab?
Ich singe ein paar Songs, bei denen ich mich auf der Gitarre begleite, und später mit ihr das Duett Party For Two. Sie will mich dem Publikum jeden Abend als einen ihrer Lieblingskünstler und guten Freund vorstellen. Das ist schon ein Riesenkompliment! Ihr Ehemann (der Schweizer Nestlé-Manager Frédéric Thiébaud, Anm. d. Red.) ist auch ein ganz toller Mensch. Er entwickelt ständig neue Strategien, um meine Karriere zu unterstützen.

Ein Beitrag geteilt von Bastian Baker (@bastianbaker) amMai 8, 2018 um 10:43 PDT

Was bewundern Sie an Shania Twain besonders?
90 Millionen verkaufte Alben und fünf Grammys lassen keinen Zweifel daran, dass sie eine aussergewöhnliche Künstlerin ist. Aber das vergesse ich, wenn ich sie zuhause besuche und sie easy im Jogginganzug und mit Baseballmütze auf dem Sofa sitzt. Erst, wenn wir an offizielle Anlässe gehen, wird mir wieder bewusst, was sie für ein Superstar ist. Ihre bewegte Lebensgeschichte ist wirklich eindrücklich!

Hat Sie Ihnen in Nashville, wo Sie Ihre kommende CD aufgenommen haben, Türen geöffnet?
Sie vermittelte mir ein Treffen mit Jacquire King, der vier Songs ihres aktuellen Albums produziert hatte. Da es kostspielig ist, mit so jemand zusammenzuarbeiten, nahm ich an, dass er nur einen Song von mir produzieren und sein Name einen Hit garantieren würde. Nach unserem Treffen meinte er jedoch, dass er meine Lieder mag und ich ein cooler Typ sei, weshalb er zu diesem Preis drei Lieder mit mir produzieren möchte. Dabei entstand auch die aktuelle Single Love On Fire.

Sind Sie beim hitverdächtigen Love On Fire von der Liebe zu Topmodell Manuela Frey inspiriert worden, über welche die Boulevard-Medien spekulieren?
Nein, ich habe den Song schon vor eineinhalb Jahren geschrieben. Eine Bekanntschaft aus Uruguay wollte damals wissen, wie das vor sich geht, wenn ich ein Lied mache. Da habe ich meine Gitarre genommen, zwei Akkorde gespielt und dann aufzuzählen begonnen, was ich im Raum sah: cheap bottle of wine, wooden table, mirrors (billige Flasche Wein, Holztisch, Spiegel) und ihr dann erklärt, dass dies die Strophe ist. Schliesslich fügte ich noch einen Refrain bei. Das wars.

Wie reagierte sie?
Sie fand das Lied geil. Ich habe es dann noch schnell auf dem Handy festgehalten und eine Woche später ein richtiges Demo daraus gemacht, das später unter meinen sechzig Liedern der Favorit von Jacquire King war. Als es kürzlich als Single heraus kam, erhielt ich von ihr diese SMS: I remember the making in your living room, now the song is public! (Ich erinnere mich an die Entstehung in deinem Wohnzimmer, nun ist das Lied öffentlich.)

Sind Sie und Manuela nun ein Paar?
Mein Privatleben enthält ja das Wort Privat. Daher werde ich diese Frage nicht beantworten.

Macht es Ihnen Spass, die Medien an der Nase herumzuführen oder wollen Sie noch mehr Interesse an der Fernsehshow Switzerlands Next Top Model und Ihrer Musik wecken?
Nein, die Social Media nutze ich nur, weil die Fans es schätzen, wenn ich sie so an meinem Leben teilhaben lasse. Ich finde es auch spannend, mich allein um mein Instagram-Profil zu kümmern.

Wondering where the sun went... did @manuelatatjana take it with her when she left @diablerets ?? Happy storm day to everyone in switzerland !!#moutainlife #rain #dayoff #relaxEin Beitrag geteilt von Bastian Baker (@bastianbaker) amJan 3, 2018 um 2:38 PST

Wondering where the sun went... did @manuelatatjana take it with her when she left @diablerets ?? Happy storm day to everyone in switzerland !!#moutainlife #rain #dayoff #relaxEin Beitrag geteilt von Bastian Baker (@bastianbaker) amJan 3, 2018 um 2:38 PST

Wie nutzen Sie die sozialen Medien für sich?
Ich bin jemand, der sehr gerne lacht, und hey, da hat es so viele lustige Sachen du kannst stundenlang Spass haben! Ich versuche jedoch, nicht zu viel Zeit damit zu verbringen. Ich verbringe manchmal eine Woche in den Bergen, wo ich kein Handy mitnehme, um sicher zu sein, dass ich auch ohne es leben kann. Es darf nicht zur Sucht werden.

Schauen Sie gar nicht mehr fern?
Ich habe keinen TV zuhause und schaue weder auf dem Computer noch im Hotel fern. Das Programm interessiert mich einfach nicht ausser bei grossen Sportereignissen. Bei Serien wie Black Mirror, Walking Dead oder Game of Thrones kann ich nicht mitreden, wenn darüber diskutiert wird. Ich habe mir nur Friends angesehen und tue es heute noch. Ich glaube, das war die lustigste Sitcom aller Zeiten!

In All Around Us rufen Sie dazu auf, mehr das Erfreuliche als das Negative zu sehen. Wie entstand der Text?
Ich sprach bei einer Songwriting-Session in New York mit Co-Autor Vlad Holiday entspannt über Gott und die Welt, als in den News über eine Terroristenattacke irgendwo auf der Welt berichtet wurde. Wir ärgerten uns, dass täglich so viele wunderbare Dinge passieren und ein paar dumme Menschen alles zerstören, und schrieben dieses Lied.

Die Zeile Let the love be great again klingt fast, als wäre es ein Trump-Zitat wenn der Inhalt nicht wäre.
Sie sind der Erste, der das gemerkt hat! Ich finde es seltsam, dass mich noch niemand sonst darauf angesprochen hat. Am Anfang hiess der Satz Make love great again, später änderten wir ihn, weil er sonst zu negativ besetzt gewesen wäre. Nun freue ich mich schon drauf, wenn die Fans den Refrain bei den Konzerten laut mitsingen werden!

Bastian Baker freut sich auf die wenigen freien Momente im Sommer: Dann will ich im Seebad Enge chillen. Und ich liebe das Zürcher Nachtleben.

Selbst wenn etwas in die Hosen geht, ziehe ich mein Ding durch.»

Bastian Baker, 27

Sie haben ein Sonnyboy-Image. Passt dieses überhaupt zu Ihrem Charakter?
Als Teenager mochte ich mich noch nicht so. Ich wusste nicht viel vom Leben, spielte Eishockey und hatte Freunde, spürte jedoch eine gewisse Leere. Zum Glück, denn sie brachte mich dazu, meine ersten Songs zu schreiben, ohne die wir hier nicht sitzen würden.

Was würden Sie sonst machen?
Ich hätte an die Uni gehen können, aber das war nie mein Herzenswunsch. Ich bin froh, Menschen Freude bringen zu können. Seit ich als Botschafter von Hilfsorganisationen die Probleme in Kolumbien, Madagaskar und in den Flüchtlingslagern an der syrischen Grenze sah, weiss ich, dass es Schlimmeres gibt, als in einem Stau zu stecken.

Was kostet Sie am meisten Mut?
Wir haben alle irgendwelche Zweifel. Jeden zweiten Tag denke ich, ich sei Mozart und kurz darauf, ich wäre der grösste Dilettant auf unserem Planeten. Aber das ist gut so, denn es regt meine Kreativität an. Auf der Bühne kommen mir meine Sportler-Gene zugute. Selbst, wenn was in die Hosen geht, ziehe ich mein Ding durch. Ich raffe mich auch auf, obwohl ich mich mega müde fühle, wenn ich vor der Wahl stehe, einfach im Hotelzimmer zu relaxen oder mit jemandem essen zu gehen, der mir vorgeschlagen wurde.


Und dafür werden Sie belohnt?
Ich habe in Nashville den Sänger der Kings of Leon kennengelernt, obwohl Roman Josi, der mit ihm befreundet ist, verhindert war. Danach konnte ich bei Caleb zuhause das aktuelle Album Walls drei Monate vor der Veröffentlichung hören. Dazu hat er mir bei jedem Song erklärt, weshalb er was geschrieben und wie er es instrumentiert hat. Danach dachte ich: Krass, und ich bin fast nicht hingegangen!

Woher kennen Sie Roman Josi, den Kapitän der Nashville Predators?
Er hat mich angerufen, weil er jedes Jahr in Bern eine Benefizspiel fürs Rote Kreuz organisiert und sagte: Hey, du bist doch ein ehemaliger Eishockeyspieler. Ich finde deine Musik geil. Willst du nicht mitmachen? Seither sind wir befreundet und ich kann immer bei ihm übernachten, wenn ich in Nashville bin. Vorher beklagte er sich, dass ich ihn nie besuchen würde, obwohl Nashville die Musikstadt schlechthin sei. Ich antwortete, dass ich kommen würde, wenn ich ein Konzert geben kann. Er hat mir darauf einen Auftritt im Douglas Corner Café, einem bekannten Singer-Songwriter-Musiklokal verschafft!

Kommen Sie während Ihrer Tournee mit Shania zwischendurch auch mal nach Hause?
Ja, sicher, im August will ich im Seebad Enge oder bei Fischers Fritz chillen. Ich habe viele gute Kollegen hier und liebe das Zürcher Nachtleben.

Ausserdem müssen Sie ja Promo für das neue Album machen, das im Oktober rauskommen soll.
Genau, deshalb müssen die Journalisten ihre Badehosen einpacken und die Interviews mit mir im Zürichsee führen! (Lacht.)