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Günther Jauch: Ich wäre gerne eine Raubkatze

Günther Jauch (61) spricht über seine Rolle bei der Natur-Doku Unsere Erde 2, sein Weingut und den nicht ganz so kleinen ökologischen Fussabdruck, den er hinterlässt.

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RTL/Stefan Gregorowius
05. März 2018

Günther Jauch tanzt auf vielen Hochzeiten sein Steckenpferd ist und bleibt jedoch Wer wird Millionär?


Der Publikumsliebling

Günther Jauch ist der beliebteste Showmaster im deutschsprachigen Raum; würde der 61-Jährige kandidieren, wäre seine Wahl als Bundeskanzler sicher.

Sein jüngstes Projekt: In der Naturdokumentation Unsere Erde 2 kommentiert er die spektakulären Bilder. Der Film läuft ab Ende März in den Kinos.

Günther Jauch, wussten Sie, wie hübsch Eintagsfliegen sind?
Ich habe vor meiner Sprechrolle in Unsere Erde 2 ganz viel nicht gewusst! Ich wusste auch nicht, was für spannende Geschichten Eintagsfliegen hervorbringen. Oder dass frisch geschlüpfte Leguane von Schlangen verfolgt werden da können Sie mir jede James-Bond-Verfolgungsjagd schenken! Ich habe auch noch nicht kapiert, wie die Filmemacher es angestellt haben, so etwas Spektakuläres drehen zu können.

Sie sind dafür bekannt, so gut wie nie die Werbetrommel für etwas zu rühren. Wie kommt es, dass Sie bei diesem Projekt sagten: Ja gern!?
Ich hatte Unsere Erde 1 gesehen, den fand ich schon faszinierend. Dann hat mir imponiert, dass nicht wie bei Fack Ju Göhte jedes Jahr ein Film auf den nächsten folgte, sondern man sich zwölf Jahre Zeit für einen Folgefilm nahm. Als ich diesen Film sah, war ich auf Neu- deutsch geflasht von dem Spektakel. Als ich dann hörte, dass in der amerikanischen Fassung Robert Redford der Sprecher ist, brachen alle Dämme.

Welche Bilder haben Sie so umgehauen?
Wie ein Wassertropfen auf eine Biene fällt und sie ins Taumeln bringt. Das Dramatischste war das verletzte Zebra-Fohlen im Fluss, das die Mutter fast schon verloren hat, als die Krokodile heranschwimmen... Zu sehen, wie die Dinge in der Natur funktionieren, wird ja erst durch die atemberaubenden Aufnahmen deutlich: Als wäre man selbst ein Tier, das das Spektakel im Tierreich beobachtet.

Waren Sie mal an einem der Orte, die im Film gezeigt wurden? Oder würden Sie gerne mal auf die Galapagos-Inseln oder in die Regenwälder Ecuadors reisen?
Ich war noch an keinem der Film-Orte. Aber vor zwei Jahren war ich in Botswana, im Okawango-Delta, wo Tiere zum Teil unter sehr exotischen Bedingungen leben, zum Beispiel schwimmende Löwen, die im Wasser jagen. Da habe ich gestaunt... Das sind Bilder, die mir nicht aus dem Kopf gehen. Botswana war ein absoluter Sehnsuchtsort.

Wenn man Ihnen ein Ticket in die Hand drückte, wo würde es dann hingehen?
Ich würde gerne mal in die Antarktis. Viele, die sehr viel gereist sind, sagen, dass das dort etwas ganz Besonderes ist. Ein Kreuzfahrt-Kapitän hat mir erzählt, das sei für ihn der Ort, an dem er Gott am nächsten gewesen sei: Da habe er verstanden, was der sich mit der Erschaffung der Welt mal ausgedacht hatte.

Wo empfanden Sie die Natur als so majestätisch, dass Sie gar nicht anders konnten, als an eine göttliche Ordnung zu glauben?
Es sind tatsächlich so kleine Momente wie zum Beispiel auf Sylt. Man denkt, das ist völlig überlaufen. Aber dort sieht man zusammenhängende Heidelandschaften wie sonst kaum in Europa. Und wenn Sie die richtigen Wege kennen, begegnen Sie niemandem. So eine friedliche Landschaft ist schon grossartig. Aber auch in Botswana: Wenn Sie da auf einem kleinen Hügel stehen, können Sie Hunderte von Kilometern in die Savanne schauen. Vor uns wurde ein kleines Tischchen aufgebaut, es gab etwas zu essen und zu trinken das sind Momente, bei denen einem das Herz aufgeht. Wir sahen auch Giraffen, die vor der untergehenden Sonne durch einen Fluss wateten. Das ist schon ein anderes Gefühl, als wenn man zu Hause das ZDF-Traumschiff zu Ende schaut.

Ich bin ein braver Mülltrenner. Aber von der Energiebilanz her bin ich kein Vorbild.»

Günther Jauch

Die meisten Menschen empfinden es als grössten Wunsch, etwas von der Welt zu sehen. Sie könnten es und tun es selten. Obwohl Sie gerade so für Botswana schwärmten.
Die Leute fliegen heute ja eher nach New York, als das eigene Land zu erkunden. Dabei lohnt es sich, sich da umzusehen.

Wie sehr achten Sie auf Nachhaltigkeit?
Da muss ich ehrlich sein: Wenn ich mir meinen ökologischen Fussabdruck des heutigen Tages ansehe, ging das mit einem Flug von Köln nach Berlin los. So gesehen hätte ich da natürlich eher mit der Bahn fahren sollen aber dann hätten wir heute unsere Termine nicht geschafft. Immerhin bin ich ein braver Mülltrenner. Aber wenn man meine gesamte Energiebilanz sieht, gehöre ich eher nicht zu den grössten Vorbildern.

Wie waren Sie in der Schule in Erdkunde und Biologie?
In Erdkunde war ich mittelprächtig, in Biologie nicht schlecht. Aber ich gebe zu, von den Landschaften im Film hatte ich kaum eine Ahnung. Das Exotischste, was ich als Kind gesehen habe, war Die Serengeti darf nicht sterben. Bis zum 16. Lebensjahr war meine weiteste Reise nach Prag. Und im Süden bestenfalls zum Gardasee.

Wann waren Sie zum letzten Mal als zahlender Gast im Kino?
Ich habe im Januar den Churchill-Film Die dunkelste Stunde gesehen. Der hat mir gut gefallen. Und davor habe ich Borg/McEnroe gesehen, den ich auch gut fand. Sportfilme sind oft gerade wegen der Spielszenen nicht immer glaubwürdig. McEnroe hat er nicht gefallen, weil der Film sich mehr um Borg als um ihn dreht.

Man kann Ihnen sehr gut zuhören. Haben Sie früher Ihren Kindern gern vorgelesen?
Ich bin tatsächlich ein ganz guter Vorleser. Wenn es drauf ankommt, kann ich auch Geschichten völlig neu erfinden.

Hätten Sie Lust, Ihre Märchen mal aufzuschreiben?
Sie meinen, dass ich dann auch noch zum Kinderbuchautoren mutiere? Nee, keine Gefahr.

Im Original erzählt Robert Redford die Geschichte von Unsere Erde 2, in der deutschen Version übernimmt Günther Jauch den Part.

Sie tanzen auf vielen Hochzeiten.
Ja, ich bin gut ausgelastet. Ich mache Fernsehen und kümmere mich um meine Produktionsfirma in Köln. Zudem habe ich meine kleine Landwirtschaft in Rheinland-Pfalz, die Winzerei, wo ich auch ordentlich mitarbeite. Das wird gern unterschätzt, da gibt es viel zu tun.

Wie sieht das Weingut aus?
Es ist ein Dorf, das Gutshaus liegt am Ende einer Sackgasse. Man ist also völlig allein. Wenn man auf der Terrasse sitzt und im Mai die Nachtigallen in den Hecken singen, ist das herrlich. Dann ist das auch ein Sehnsuchtsort, aber eben völlig anders als in der Grossstadt.

Schon zweimal habe ich von Berliner Taxifahrern gehört: Ich habe mal den Jauch gefahren. Der war gar nicht so nett wie im Fernsehen.
Das liegt vielleicht daran, dass viele erwarten, dass ich ihnen in einer Viertelstunde mein ganzes Leben erzählen soll, einschliesslich aller Sendungen. Wenn ich aber im Taxi sitze, rede ich nicht viel und sehe einfach mal gern aus dem Fenster. Manche möchten jedoch, dass ich durchmoderiere. Aber das hält man 24 Stunden am Tag nicht durch.

Welches Tier wären Sie ganz gern?
Wenn ich es mir aussuchen könnte, wäre ich der Serval, diese Raubkatze aus Unsere Erde 2. Die hat keine natürlichen Feinde, springt hoch durch die Savanne, findet immer mal eine Maus oder ein Kaninchen und freut sich seines Lebens. Das könnte mir schon gefallen. Die Eintagsfliege wäre sicher ganz hinten! Die Eintagsfliege hat ein grosses Ziel an ihrem einzigen Tag.

Wenn Sie nur einen Tag zum Leben hätten, was wäre das Wichtigste, was Sie an diesem Tag machen würden?
Schwer zu sagen, weil man einen solchen Gedanken auch verdrängt. Es gibt ja dieses Luther-Wort: Und wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das im Ernstfall auch so halten würde. Zum Glück siegt bei mir die Hoffnung, dass die Welt auch übermorgen noch besteht.

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