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Interview

«Ich bin ein ESC-Kind»

Paola Felix (68) ist mit dem Hit «Blue Bayou» und der Co-Moderation von «Verstehen Sie Spass?» zur Schweizer Showbusiness-Ikone geworden. Mit erst 40 Jahren zog sie sich aus der Öffentlichkeit zurück. Nun ehrt sie SRF mit der Hommage-Show «100 % Schweizer Musik».

FOTOS
Getty Images, SRF/Paolo Foschini
10. Dezember 2018

Paola Felix wusste schon in der Klosterschule, dass sie Schlagersängerin werden will.

Paola Felix, würden Sie heute nochmals am Eurovision Song Contest teilnehmen?
Ich würde nicht mehr mitmachen, weil ich nicht mehr singe. Ansonsten ja, denn ich habe nur die schönsten Erinnerungen an diesen Wettbewerb. 1980 habe ich mit «Cinema» ein zweites Mal aus voller Überzeugung teilgenommen und den 4. Platz belegt. Man kann sagen, ich bin ein ESC-Kind.

Aber die Punkte werden doch nach politischen Kriterien vergeben.
An dieser Diskussion beteilige ich mich nicht. Ich habe den Eurovision Song Contest als den (spricht betont langsam) Concours Eurovision de la Chanson im Kopf. 1969 war es so, dass die Jury die Lieder bei der Generalprobe nur hören konnte, damit sie vom optischen Auftritt nicht abgelenkt wurde. 

Bei der Show selber war Ihr Aussehen aber sicher kein Nachteil ...
Es hat alles gezählt. Ich war stolz auf mein Kleid aus St. Galler Stickerei. Ich habe damit meine Heimatstadt vertreten und es freut mich sehr, dass es heute im Textilmuseum in St. Gallen hängt.

Sind die Erinnerungen an diesen Auftritt vor fast 50 Jahren noch präsent?
Klar, das war der Start in mein Leben als Sängerin. Mein Berufstraum wurde mein Traumberuf. Ich war 18 und hatte einfach Freude, die Schweiz vertreten zu dürfen. Ich wusste, dass ich mit «Bonjour, Bonjour» ein tolles Lied hatte, und glaube, dass alle um mich herum nervöser waren als ich selber – auch Max Ernst, der damalige Unterhaltungschef des Schweizer Fernsehens. 

Woran haben Sie das gemerkt?
Er hat mir vor dem Festival gesagt: «Fräulein Del Medico, wir freuen uns alle, wenn Sie gut abschneiden, aber gewinnen sollten Sie lieber nicht. Sonst müssten wir diese teure Veranstaltung noch in der Schweiz abhalten!» (Lacht.) Der Kelch ist schlussendlich nur knapp an ihm vorübergegangen.

«Im zweiten Leben würde ich wieder Frau Felix werden wollen.»

 

Als Tochter eines Schneiders wäre doch auch Model oder Designerin eine Option gewesen?
«Was wäre, wenn?» (Lacht.) Ich habe in Sachen Musik und Mode viel von zu Hause mitbekommen. Meine Mamma hat wunderschön gesungen. Sie wollte Opernsängerin werden, hatte aber einen zu strengen Vater. Wir haben beim Abwaschen in der Küche oft im Duett gesungen: Opernarien, wunderschöne Melodien! Mein Papa hat mir die Freude an der Mode in die Wiege gelegt. Er ist nach dem Krieg in die Schweiz gekommen. Ich bin zwischen Nähmaschinen und tollen Stoffen aufgewachsen.  

Und nun besitzen Sie seit einigen Jahren eine eigene Modelinie.
Als ich meinen 50. Geburtstag feierte, fragte mich ein grosses Modeversandhaus aus Deutschland an, ob ich mir vorstellen könnte, Mode für die Dame ab Ende 49 zu präsentieren ... (Lacht.) Ich habe gerne zugesagt, denn ich finde, eine Frau, egal, welchen Alters, sollte modeinteressiert sein. Inzwischen sind es 18 Jahre, seit ich mit Begeisterung dabei bin. In dieser Zeit ist eine Modelinie entstanden, die meinen Namen trägt. Das erfüllt mich sehr.

War für Sie immer klar, dass Sie Schlagersängerin werden wollten?
Jawoll! (Lacht.) Das wusste ich schon als Schülerin an der Klosterschule in 
St. Gallen. Ich ging zu Frau Mathilde Bärlocher in die Gesangsstunde, weil es mir wichtig war, dass ich meine Stimme richtig einsetze. Aber ich wollte nicht Opernsängerin werden, wie sich das meine Mamma damals für sich gewünscht hätte.

Vor 40 Jahren schwärmten die Fans von Paola, heute von Helene Fischer. Sie auch?
Helene Fischer ist eine hervorragende Sängerin und sehr professionell. Sie hat grossen Anteil daran, dass der Schlager einen solchen Aufschwung erlebt. Ich habe Helenes Karriere von Anfang an verfolgt und vor zehn Jahren bei einer Preisverleihung eine Laudatio auf sie gehalten. Helene ist eine Ausnahmekünstlerin erster Güte. Sie hat mich in ihre diesjährige Show am 25. Dezember eingeladen. Ich habe spontan und mit Freude Ja gesagt und werde gemeinsam mit ihr «Blue Bayou» singen.

«Blue Bayou» ist Ihr «Atemlos durch die Nacht» und Ihr Markenzeichen.
1977 hatte Linda Ronstadt mit einer Country-Fassung dieses Roy-Orbison-Songs einen Hit. Es ist ein Traumlied. Jede Coverversion klingt anders. In «100 % Schweizer Musik» überrascht Luca Hänni mit seiner Interpretation.

Was dürfen Sie über die Show verraten?
Mir wurde gesagt: «Frau Felix, lehnen Sie sich zurück, lassen Sie sich überraschen und geniessen Sie.» Ich wusste nur, wie die Sendung heisst und wer dabei ist. 

Über wen haben Sie sich besonders gefreut? 
Über alle. Pepe Lienhard, den auch eine musikalische Freundschaft mit Kurt verband, Michael von der Heide, der mir ein Album gewidmet hat, und Peter Reber, der wunderschöne Lieder für mich geschrieben hat. Und dann natürlich die junge Generation mit Beatrice Egli und Luca Hänni. Ich wusste nicht, wer welches Lied von mir singt. Das ist ja das Konzept der Sendung. 

Über die Beziehung zu ihrem 2012 verstorbenen Mann Kurt sagt Paola: «Wir waren seelenverwandt!»

Weshalb sind Sie schon mit 40 aus dem Showbusiness zurückgetreten?
Ich war dazumal schon ein Vierteljahrhundert in dem Beruf tätig. Sendungen, Tourneen, tagtäglich in Hotels, immer unterwegs und das hoch zwei, weil mein Mann im gleichen Beruf tätig war. Wir waren sehr viel getrennt. Es gab das Bedürfnis nach Privatleben, beiderseits. Wir haben gemeinsam aufgehört. Es waren unsere runden Geburtstage, er zum 50. ich zum 40. Wir wollten für uns Zeit haben, für die Familie. Wir waren glücklich mit dem, was wir erreicht hatten. Es war ein wunderschöner Moment, zurückzuschauen. 

Hatten Sie und Ihr Ehemann Kurt den gleichen Humor?
Ein Mensch, der Humor hat, ist etwas Wunderbares. Das hatte mein Mann. Denken wir nur an Teleboy. Die ganzen Ideen, die er kreiert hat, mit der versteckten Kamera. Er ging im Wald spazieren und kam mit zwei, drei Ideen nach Hause.

Sie arbeiteten lang mit Ihrem Mann  zusammen. Haben Sie dabei das Berufliche vom Privaten getrennt?
Unsere Partnerschaft stand unter dem Motto Gleich und Gleich gesellt sich gern. Hinzu kam, dass wir unseren Beruf mit extrem viel Begeisterung ausübten. Das war von Vorteil. Im Privaten haben die zwei Richtigen zusammengefunden. Wir waren seelenverwandt. Im zweiten Leben würde ich wieder Frau Felix werden wollen.

Wie findet man die Lebensfreude wieder, wenn man so einen Menschen verliert?
Ich bin ein positiv denkender Mensch und habe wundervolle Erinnerungen. Ich bin voller Dankbarkeit über die dreissig wunderbaren Jahre, die Kurt und ich miteinander erleben durften. Aber ich schaue auch jeden Tag mit Freude in die Zukunft.

Und wie sieht diese Zukunft aus?
Für mich ist wichtig, dass ich jeden Tag eine Struktur habe. Ich lebe sehr bewusst, bin ein Bewegungsmensch und an vielem interessiert. Von mir aus könnte jeder Tag 25 Stunden haben.