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658'000 Follower

Schnell waren wir uns einig: Wir wollen den Meme-Meister Zeki Bulgurcu (28) treffen und ihn mit Fragen löchern – über seine Haters, Lieblingslebensmittel und die Zeit als Coop-Lehrling.

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Christoph Kaminski
05. November 2018

Zeki: «Hobbys? Ich habe keine Hobbys. Das einzige Hobby habe ich zum Beruf gemacht.»

Volkan Cutuk (18)

Lernender Detailhandel Coop Dielsdorf ZH, ist ein wandelndes Meme-Lexikon.

Zeki schlägt die Promenade am Zürichsee in Rapperswil als Treffpunkt vor. Ein Volltreffer, denn der Internetstar mit 658'000 Followern auf seinem Swiss-Meme-Instagram-Profil ist an diesem schönen Ort superentspannt. Als eine Schulklasse den Basler erkennt, stürmt sie auf ihn los: «Zeki, dürfen wir ein Gruppenfoto mit dir machen?» Er lächelt: «Klar, machen wir!» Dann gehts mit unserem Interview los. Wir geben ganz schön Gas. 

Zeki, kurze Antworten bitte: nicht länger als der Text in den SwissMemes! Wer bist du?
Ich bin ein Komiker, ein lustiger Mensch, der versucht, den Schweizer Humor an die Leute zu bringen. Dabei visualisiere ich auf witzige Art mit den Swiss-Memes tägliche Situationen, die jeder schon erlebt hat. Und zeige ihnen damit: Ihr seid nicht alleine. Wir haben alle die genau gleichen Probleme. War das jetzt kurz genug?

Mirta Rolli (18)

Detailhandel im Coop Rhy Markt in Feuerthalen ZH, amüsiert sich köstlich über Zekis Memes.

Noch knapper wäre besser. Denn wir haben wirklich viele Fragen.
Also: Ich bin lustig, sympathisch und ein wenig crazy. Ist es kurz genug? (Lacht.)

Ja, sehr gut! Wenn du ein Video machst, bist du dann immer von Anfang an zufrieden mit dem Video?
Hey, eure Fragen sind aber auch nicht kurz. Ich erlebe während des Drehs so manchen Nervenzusammenbruch. Ich stelle für ein 5-Sekunden-Video bis zu zehnmal eine Aufnahme her, bis ich zufrieden bin. Erst wenn dies der Fall ist, poste ich das Video.

Hast du ein Vorbild?
Mein Vorbild ist Jim Carrey, schon seit meiner Kindheit. Er begeistert mit seiner Art und seiner Mimik. Er ist genial.

Hast du neben deiner Arbeit auch Zeit für Hobbys?
Hobbys? Welche Hobbys? Ich habe keine Hobbys. Das einzige Hobby habe ich zum Beruf gemacht. Ich versuche allerdings wieder mehr, mich mit Sport fit zu halten.

Mit welchem Sport? 
Ich spiele gerne Fussball, mache Fitness, gehe klettern, wandern. Ich versuche immer wieder etwas Neues zu unternehmen.

Schaust du Fussball?
Nur noch an grossen Turnieren, an Welt- oder Europameisterschaften. Früher war ich Fenerbahçe-Fan. Doch der türkische Fussball ist zu korrupt. So ist mir der Spass daran vergangen.

Bist du in deiner Freizeit viel auf Social Media unterwegs oder eher nicht?
Es kommt auch auf den Tag und das Wetter an. Wenn es draussen regnet, tummle ich mich schon öfters auf Social Media. Doch wenn die Sonne scheint, versuche ich möglichst viel draussen zu sein.

Du hast auch Haters. Warum?
Weil sie frustriert sind. Ich versuche, sie zu ignorieren. Früher habe ich ihre Kommentare viel mehr beachtet und auch manchmal darauf reagiert. Heute weiss ich, dass das nichts bringt. Ich denke auch: Macht es doch besser! Was aber offensichtlich nicht der Fall ist. Wenn du Hunderttausende von Followern hast, gibt es immer solche, die etwas nicht richtig verstehen. Es ist eine Gratwanderung.

Viele Jugendliche glauben, dass man mit Social Media leicht Geld verdienen kann. Stimmt das?
Nein. Ich würde deshalb jedem, der es trotzdem versuchen will, zuerst zu einer Ausbildung raten. Damit er etwas Festes in der Hand hat. Ich bin zwar heute in der glücklichen Lage, mein Leben damit zu finanzieren. Doch bis es so weit war, brauchte es seine Zeit.

Du selber hast eine Lehre als Detailhandelsfachmann bei Coop gemacht. Erzähl uns davon!
Ich habe mich im Lebensmittelbereich beworben. Als ich den Zuschlag bekam, war für mich klar, dass ich das machen werde. Sonst hätte ich weiter- gesucht, andernfalls hätte mein Vater mit der Peitsche und meine Mutter in den Finken auf mich gewartet. (Lacht.)

«Die langen Öffnungszeiten fand ich als Lehrling mühsam. Gefallen hat mir der Kundenkontakt. Meistens jedenfalls.»

 

War es eine gute Zeit?
Was muss ich sagen, damit es gedruckt wird? Im Ernst: Es gab schöne und es gab weniger gute Zeiten. Die langen Öffnungszeiten fand ich als Lehrling mühsam. Gefallen hat mir der Kundenkontakt. Meistens jedenfalls. Jene Kunden, die sich über alles beklagen und den Verkäufern mit ihrer schlechten Laune das Leben schwer machen, habe ich wieder vergessen.

Deine Lieblingslebensmittel?
Schokolade, Raclette, Bratwurst.

Du arbeitest für den TV-Sender 3+. Wie kam es dazu?
Ich moderierte eine Show. Daraus entstand mehr, etwa die Videos zu «Bauer, ledig, sucht …». Das macht sehr viel Spass, mir, den Bauern und hoffentlich auch den Zuschauern vor dem Bildschirm. Das Ziel von 3+ ist es, die jungen Leute, die sich sonst auf Snapchat oder Instagram tummeln, wieder mehr für das normale Fernsehen zu begeistern.

Hast du fixe Arbeitszeiten?
Nein, das würde nicht funktionieren. Ich muss flexibel sein können und nach meinem eigenen Rhythmus arbeiten. Jetzt bin ich bei diesem Interview, morgen in Graubünden, übermorgen sonst wo. Homeoffice ist deshalb perfekt für mich und auch für meinen Arbeitgeber.

Und das geht problemlos? Zieht es dich nicht ständig zum Kühlschrank?
Doch, dort zieht es mich oft hin. Immerhin versuche ich mich gesund zu ernähren. Und mich möglichst viel zu bewegen.

Willst du mit deinen Memes oder Videos auch ins Ausland expandieren?
15 bis 20 Prozent meiner Fans wohnen bereits in Deutschland. Vielleicht versuche ich es auch mal mit Französisch, weiss aber, dass das schwierig wird. Aber am besten funktioniert schon Schweizerdeutsch. Würde ich das plötzlich auf Türkisch oder Hochdeutsch machen, wäre ich nicht mehr so authentisch.

Hast du einen Manager?
Ich habe einen gehabt und schlechte Erfahrungen gemacht. Mails kann ich auch selber schreiben, mit Kundenkontakt habe ich genug Erfahrung. Also brauch ich keinen mehr.

Zekis kreativer Alltag - Werbung für «Bauer, ledig, sucht» und Memes mit Witz.

Zekis Lieblingsmeme.

Nun bitte konkreter: Wie viel kann man in deinem Business verdienen?
Das kommt auf den Kunden an. Normalerweise erhalte ich für einen Dreh eine vier- bis fünfstellige Summe. Ich bin damit zufrieden. Im Vergleich zu Deutschland bin ich damit aber ein kleiner Fisch. Dort kassieren die Stars Millionenbeträge. Ich mache das nun schon seit fünf Jahren und ich verdiene erst seit einem Jahr richtig. Vorher handelte es sich eher um Taschengeld. Geld steht bei mir aber nicht an vorderster Stelle. Hast du keinen Spass an dem, was du tust, nützt dir der beste Zahltag nichts.

Achtung, die Antworten werden wieder länger … Deine Familie stand immer hinter dir?
Ja. Mein Vater hat lange nicht kapiert, was ich genau mache. Ich glaube, er checkt es immer noch nicht so richtig. Er sagt, etwas mit Bildern und Videos, wenn jemand fragt. Aber sie sind stolz auf das, was ich tue. Meine beiden Schwestern finden es auch cool und lustig.

Deine Tipps für jene, die auch etwas in dieser Richtung machen wollen?
Versucht, einzigartig zu sein! Macht nicht das, was es schon gibt. Auch die beste Kopie ist nur eine Kopie. Bleibt euch selber treu, macht, was euch Spass bereitet und seid aktiv.

Welche Tageszeit ist am besten, um etwas zu posten?
Mittags um 12 Uhr ist die Beachtung am grössten, weil die Menschen dann am Handy sind.

Was hast du für Ziele im Leben? Heiraten, Kinder kriegen?
Das sind eher altertümliche Ziele. Arbeiten, heiraten, Kinder kriegen, arbeiten, sterben. Das kann es doch nicht sein. Das Leben bietet mehr, finde ich. Ich möchte möglichst viel Neues erleben.

Hast du irgendein sinnloses Talent, das wir nicht kennen?
Früher konnte ich mit meinen Ohren wackeln. Heute ist mein grösstes Talent, dass ich pausenlos essen kann. (Lacht.)

Wie viel bist du am Handy?
Mindestens eine bis zwei Stunden pro Tag, wobei ich das Handy vor allem fürs Posten brauche, oder um mir Videos und News anzuschauen.

Ist dir irgendetwas peinlich? 
Am ehesten meine ersten Videos, die ich gedreht habe.

Deine erste Handlung, wenn du am Morgen aufstehst?
Aufs Handy schauen.

Was findest du nicht cool?
Mobbing. Rassismus.

Hast du mal von einer berühmten Person eine Nachricht erhalten, dass er deine Videos cool findet?
Rapper Money Boy hat eines meiner Bilder geliked. Oder der Fussballer Embolo.

Schaust du dir die Kommentare zu deinen Posts an?
Früher mehr. Heute komme ich oft nicht dazu, weil ich zu sehr in meinem eigenen Film drin bin. Ich wertschätze es aber, wenn jemand sich freundlich äussert. Wer mir Liebe gibt, dem gebe ich Liebe.

Wie wärs mit einem Film über dich?
Ich möchte mich nicht auf ein Podest stellen. Über Lara Gut gibts einen Film, ich frage mich, ob es das braucht. Wartet die Welt wirklich auf einen Film über mich? So ein Film ist auch ein Statement: Hey, ich habe etwas erreicht, ich bin wer. Ich bin aber noch nicht so weit.

Hast du ein 3.-Säule-Konto?
Ja klar. Irgendwann sollte man reifer werden, und dazu gehört auch, nach vorne zu schauen und vorzusorgen.

Nicht viele 28-Jährige denken so.
Wirklich? Ich weiss von älteren Menschen, die heute froh sind, dass sie als Junge jeden Monat etwas auf die Seite gelegt haben. Für mich ist klar, dass ich mit 60 keine Memes mehr machen werde.

«In der Schweiz gelte ich als Ausländer, in der Türkei ebenfalls.»

 

Was bedeutet Glück für dich?
Wenn ich stressfrei leben kann. Ich bin glücklich, könnte aber noch glücklicher sein. (Lacht.) Ich arbeite gerade intensiv an meinem Glück.

Dein Lieblingsmeme?
Man sieht auf dem Bild einen Nerd. Dazu der Text: Kommst du heute auch Party machen? Und unten steht: Es gibt auch Sirup. (Lacht.) Das finde ich megalustig.

Bist du gerne in der Natur?
Es gibt nichts Schöneres. Ich finde, die Jungen sollten mehr nach draussen. Ich wundere mich, wenn ich 16-Jährige den ganzen Abend in der Shisha-Bar sitzen sehe. Dann denke ich: Geht doch lieber raus, als stundenlang herumzusitzen.

Wie viel Türkei steckt in dir?
Ich bin gut integriert und trenne sogar Abfall. (Lacht.) Ich bin fifty-fifty Schweizer und Türke. In der Schweiz gelte ich als Ausländer, in der Türkei ebenfalls.

Was sind die grössten Unterschiede?
Der Schweizer ist eher für sich selber und teilt nicht gerne. Das ist bei den Türken ganz anders. Sie könnten von den Schweizern jedoch die Pünktlichkeit übernehmen.