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Interview

«Schöne Menschen haben es schwerer»

Zoë Pastelle (20) ist neu in der Jury von Switzerland’s Next Topmodel. Hier erklärt die Zürcherin, wann ein Mensch schön für sie ist und warum sie sich nicht gerne als Influencerin bezeichnet.

FOTOS
Christoph Kaminski
07. Oktober 2019

Zoë Pastelle in Zürich: «Die Menschen wollen aufgemuntert werden in einer Zeit, die nicht einfach ist.»

Instagram-Höhenflug

«Zoë Pastelle» als Marke

Zoë Pastelle, 1999 geboren und in Zürich aufgewachsen, heisst mit richtigem Nachnamen eigentlich Holthuizen. Weil das niemand richtig aussprechen kann, kam sie auf die Idee, auf den zweiten Vornamen Pastelle zu setzen. Sie hat in Zürich die European Film Actor School absolviert. Zum Schauspielern kommt sie allerdings kaum, weil sie als Influencerin – sorry, Social-Media-Content-Creator – auf Instagram so absorbiert ist. Hier geht's zum Profil

Zoë Pastelle, Sie haben den Swiss Influencer Award gewonnen. Wen wollen Sie beeinflussen?

Da wären wir mittendrin im Thema. (Lacht.) Beeinflussen … dieses Wort gefällt mir nicht. Inspirieren ist besser. Ja, ich möchte die Menschen inspirieren mit den Themen, die mich interessieren: Wie lebt es sich vegan? Was ist wann der richtige Style? Wie verhalte ich mich in bestimmten Lebenssituationen?

Und das erfährt man alles auf Ihrem Instagram-Account?

Auf den Fotos geht es eher darum, etwas schön zu inszenieren. Aber in den «Stories» erfährt man mehr. Und wer meine Geschichte verfolgt, der weiss, dass ich früh meinen eigenen Weg ging. Schon in der fünften Klasse fand ich, dass ich eine Ballettausbildung machen müsse. Man sollte dem folgen, was man gerne tut. Dafür muss man aufs Bauchgefühl achten, und natürlich braucht es Mut. Das sind Themen, die einen in diesem Alter beschäftigen: Wohin führt mein Weg?

Wie lautet Ihre Berufsbezeichnung?

Ich bin Schauspielerin.

Nicht Influencerin?

Nein, bitte nicht. Social-Media-Content- Creator gefällt mir besser. Influencerin ist heute total negativ und mit Vorurteilen belegt. Hinter meiner Arbeit steckt viel mehr an Aufwand, als nur schnell ein paar Föteli zu machen und sie ins Netz zu stellen. Zwar gibt es auch von mir mal einen Schnappschuss, wenn ich etwas besonders schön finde. Aber wenn ich für einen Brand etwas inszeniere, dauert das länger. Konzepterstellung, Organisieren der Location und des Fotografen, Anreise, Fotoshooting, Auswahl der Bilder – das braucht Zeit. Noch aufwendiger sind Filme, von denen ich künftig mehr kreieren möchte.

Was kommt bei Ihren Followern besonders gut an?

Das sind Bilder oder Filme mit einer positiven Ausstrahlung. Die Menschen wollen offenbar aufgemuntert werden in einer Zeit, die nicht einfach ist. Manchmal habe ich keinen Einfluss darauf, wie gut etwas ankommt. Wenn sich der Algorithmus ändert und Instagram einen Post nicht an meine Community ausspielt, kann es vorkommen, dass ihn plötzlich sechsmal weniger Menschen sehen. Das ist dann nervig. Man kann also nicht immer nach der Anzahl Likes gehen, ob ein Bild den Menschen besonders gut gefällt.

Was muss eine gute Influencerin können?

Social-Media-Content-Creator, bitte. (Lacht.) Wenn man mit seinem Talent die Menschen erreicht, und das auf eine authentische Weise, hat man alles richtig gemacht. Im Modelbusiness braucht man normalerweise genau vorgeschriebene Masse, auf Instagram spielen diese keine Rolle. Hier kann auch jemand, der nicht den «perfekten» Körper hat, aber sein Ding auf seine ganz eigene Art durchzieht, die Menschen begeistern.

Sie sind Jurymitglied von Switzerland’s Next Topmodel, das am 18. Oktober wieder startet. Sind Sie da eher knallhart und mitleidslos unterwegs, oder dürfen sich die Kandidaten bei Ihnen ausweinen?

Es braucht einen guten Mix. Wichtig ist mir, mit den Models auf Augenhöhe zu sein und mich nicht über sie zu stellen. Das funktioniert nicht, wenn du die kompromisslose Besserwisserin raushängst. Gerade bei gewissen Entscheidungen fühle ich mit ihnen mit, das nimmt mich emotional mit. Gleichzeitig ist es wichtig, dass du auch sagst, was Sache ist.

«In Berlin fühle ich mich als Veganerin wie im Paradies.»

Haben Sie früher Germany’s Next Topmodel geschaut?

Immer. Die Show hat mich durch meine ganze Jugend begleitet. Der Donnerstagabend war für mich heilig. Wir hatten zu Hause ja keinen Fernseher, aber GNTM hat mich meine Mutter auf dem Computer schauen lassen. Sie hat dann übrigens auch mitgeschaut.

Wie ist es, ohne Fernseher aufzuwachsen?

Ich war eines jener Kinder, die bei den Freundinnen umso mehr vor der Glotze sassen. (Lacht.) Nein, im Ernst: Ich finde es im Nachhinein cool. Meiner Mutter war wichtig, dass wir uns, obwohl wir in der Stadt wohnten, viel in der Natur aufhalten.

Was wäre GNTM ohne Heidi Klum?

Die Sendung wäre eine andere. Heidi Klum ist lustig und sehr cool. Es ist ihre Show. Ohne sie müsste man sich ein neues Konzept überlegen.

Haben es schöne Menschen einfacher?

Es war für schöne Menschen lange einfacher, ins Modelbusiness reinzukommen. Das hat sich geändert. Schauen Sie sich die Models von heute an: Das sind oft keine klassischen Schönheiten mehr, sondern sie sehen anders aus, haben abstehende Ohren oder Alien Faces. Ich finde diese Entwicklung cool. Im Privaten glaube ich, dass es für schöne Menschen manchmal sogar schwieriger ist. Man hat viele Neider, damit muss man erst mal umgehen können.

Wann ist für Sie ein Mann schön?

Wenn er sich nicht verstellt und sich selber ist. Schön finde ich auch begeisterungsfähige Menschen, die Feuer und Flamme für ihre Sache sind – so wie zum Beispiel Papis Loveday, der Laufsteg- experte für Switzerland’s Next Topmodel. Er hat viel Humor, das macht einen Mann auch schön.

Wann ist eine Frau schön?

Da gilt für mich dasselbe. Einfach wunderbar, wenn eine Frau sich so geben kann, wie sie sich fühlt.

Was machen Sie, wenn Sie sich an einem Tag nicht gut fühlen – und trotzdem etwas posten müssen?

Diesen Zwang gibt es nicht mehr. In den ersten zwei Jahren habe ich wirklich jeden Tag etwas gepostet. Ich setzte mich selber unter Druck, ständig liefern zu müssen, obwohl ich mich manchmal gar nicht zeigen wollte. Heute poste ich nicht noch etwas, wenn ich nicht in Stimmung dafür bin. Natürlich kann ich nicht einen Monat pausieren, sonst werde ich plötzlich weniger auf Instagram gezeigt. Es gilt hier, die richtige Balance zu finden.

Ihr Lieblingsfilm?

Das sind diese unmöglichen Fragen, weil mir da so viele in den Sinn kommen und ich mich nicht entscheiden kann. Meryl Streep beeindruckt mich sicher. Und auf Netflix hat es jetzt einige junge Schauspielerinnen, die ich super finde.

Was wäre Ihre Traumrolle?

Eine Rolle, die weit von dem entfernt ist, wie ich im normalen Leben bin.

Zum Beispiel?

Ich würde gerne ein Monster spielen. Oder eine Mörderin.

Damit hätten wir gleich den Titel für dieses Interview gefunden.

Nein, bitte nicht! Lassen Sie es mich so formulieren: Ich blicke gerne in Abgründe hinein.

Das macht es nicht besser.

Es macht einfach Spass, mich in andere Welten zu begeben und einen Menschen zu spielen, der ein schlimmes Geheimnis hat … ach Gott, ich finde da nicht mehr raus. (Lacht.)

Sie haben so viele tolle Orte gesehen: der schönste Ort auf Erden?

Mit der Familie gingen und gehen wir immer noch nach Kreta in die Ferien, in den Süden. Diese Insel ist ein Kraftort, wo ich wunderbar auftanken kann. Mykonos oder Ibiza sind auch schön, aber auf Kreta ist alles urtümlicher, die Menschen, die Dörfchen, die Landschaft.

Der coolste Partyort?

In diesem Sommer war das Mykonos. Ich bin lieber an Strandpartys in diesen Bohemien Beach Locations vor toller Kulisse als in grossen Clubs.

Die beste Location für Modefotos?

Paris. Hier hat es wunderbare Ecken mit einem tollen Mix: Paris ist chic, gleichzeitig aber auch rau und natürlich voller Kultur. Ausserhalb der Städte sage ich einfach: Es muss am Meer sein.

Der Ort mit dem besten Essen?

Berlin. Ich ernähre mich vegan und fühle mich da wie im Paradies. Die Auswahl an Lokalen ist unglaublich. Auch gibt es dort die besten Brunchs. Und ich liebe es zu brunchen. Stundenlang.

Zoë Pastelle, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.