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INTERVIEW

«Ich trage die Sonnenbrille selbst nachts im Auto»

Heino (80), die Ikone des deutschen Volksliedes und Schlagers, freut sich, wenn er auf der Strasse erkannt wird. Die Sonnenbrille zieht er deshalb nie ab.

FOTOS
Peter Rigaud/Laif, Michael Petersohn
11. Februar 2019

Konzertkarten zu gewinnen

Wir verlosen 5 × 2 Karten für Heinos Konzert am 14. März im Zürcher Volkshaus. 

Mit einer Dreiviertelstunde Verspätung, wie sich das für einen Rockstar gebührt, kommt Heino von einem Fernsehtermin zum Interview im Hamburger Grandhotel. Obwohl er seine Hannelore für einmal nicht um sich hat, ist der grosse Blonde, der schwarze Jeans, Rollkragenpullover und Sonnenbrille trägt, bester Laune. Der Rheinländer wirkt – nicht nur für einen Achtzigjährigen – körperlich wie geistig bewundernswert fit und präsent. Mit viel Humor beantwortet er in seinem sonoren Bariton alle Fragen.

Heino, ist Ihnen in Ihren 80 Lebensjahren schon einmal ein «Schweizer Madl» begegnet, das so schön sang, wie Sie es in Ihrem Hit «Blau blüht der Enzian» besingen?

Nein, mir sind mehrere Schweizer Madl begegnet! (Lacht.) Einen Schweizer Fan habe ich schon seit den 60er-Jahren. Es ist Caroline Hengartner, die mir immer noch schreibt und mich ab und zu in Bad Münstereifel besucht.

Ich dachte eigentlich an Schweizer Sängerinnen.

Da fällt mir gerade keine ein.

Vielleicht Paola?

Natürlich, wir sind sehr gute Freunde und waren viel zusammen in Fernsehsendungen. Sie ist ja eine wirklich gute Sängerin. Ich habe gehört, sie will wieder auftreten. Das macht sie richtig! Man muss ja nicht zu Hause sitzen, weil man älter wird.

Die Berge waren in Ihren Liedern immer ein Thema. Welche Verbindung haben Sie als Rheinländer mit ihnen?

Meine Hannelore. Diesen April werden wir 40 Jahre verheiratet sein – und man hatte uns damals zwei Jahre gegeben! Morgen gehts wieder nach Kitzbühel, in ihre österreichische Heimat, wo wir unseren zweiten Wohnsitz haben und uns sehr wohl fühlen.

Sie sind in Düsseldorf als Sohn einer alleinerziehenden berufstätigen Mutter aufgewachsen. War die Musik Ihr Trost, wenn Sie sich einsam fühlten?

Ich war nie einsam! Da meine Mutter, ihre sechs Geschwister, meine Schwester und ich alle bei meiner Grossmutter wohnten, lebten teilweise bis zu zehn Personen auf 60 Quadratmetern zusammen. Das muss man sich mal vorstellen! Aber wir hatten als Familie viel Spass und ich möchte die Zeit nicht missen.

Frohnatur

Vom Bäcker zum Hit-Sänger

Heino wurde als Heinz Georg Kramm am 13. Dezember 1938 in Düsseldorf geboren. Nach einer Bäckerlehre schaffte er 1965 gleich mit seiner ersten Single, dem Volkslied «Jenseits des Tales», den Durchbruch. Mit Hits wie «Blau blüht der Enzian», «Die schwarze Barbara» und «Treue Bergvagabunden» verkaufte er bis heute rund 50 Millionen Tonträger. 2013 überraschte Heino auf dem Album «Mit freundlichen Grüssen» mit zwölf Coverversionen von deutschem Pop, Rock, Rap und Metal. Heino ist seit bald 40 Jahren mit der österreichischen Schlagersängerin und Schauspielerin Hannelore Auer (76) verheiratet.

Weshalb haben Sie Bäcker gelernt?

Das war eine Notlösung. Ich wollte Musik studieren, doch meiner Mutter fehlte als Kriegswitwe das Geld, um es mir ermöglichen zu können. Sie sagte: «Lern erst mal einen Beruf und wir gucken, wie wir über die Runden kommen.»

Wie ist es gegangen?

Ich habe in der Bäckerei geschlafen, was damals üblich war. Man wurde in Kost und Logis genommen. Im 1. Lehrjahr verdiente ich 50 Pfennige pro Tag, im 2. eine Mark und im 3. waren es 1,50. In meinen musikalischen Anfängen sind wir manchmal mit dem Bandbus an den Düsseldorfer Hafen gefahren, haben ihn ab Fabrik mit Toilettenpapier beladen und dieses in der Stadt mit Gewinn verkauft. So konnte ich mein Gesangsstudium finanzieren.

Wäre die Klassik bei Ihrem lyrischen Bariton eine Alternative gewesen?

Meine Gesangslehrer sagten: «Heino, du hast so eine tolle Stimme. Geh doch zur Oper. Du hast das Format.» Doch dann bekam ich einen Plattenvertrag, den ich nicht ausschlagen konnte.

Wie sind Sie auf dem Höhepunkt der Beatwelle auf die Idee gekommen, Volkslieder zu singen?

Es störte mich, dass nur noch englische Musik lief, wenn ich das Radio anmachte. Ich dachte: Da muss es doch noch was anderes geben. Als «Jenseits des Tales», das erste Volkslied, das ich gesungen habe, gleich ein Erfolg wurde, bekam ich von der Electrola, einer englischen Plattenfirma, einen Zehn-Jahres-Vertrag. Die hatte – wie ich – erkannt, dass da eine Marktlücke ist.

Haben Sie die Wahl Ihrer Stilrichtung nie bereut?

Nein, ich bin froh, dass ich diesen Schritt gemacht habe. Ich bin ein bisschen belächelt worden und ein bisschen beschimpft. Die dachten: Ein junger Mann, der blond ist, blaue Augen hat und Volkslieder singt, der muss ja irgendwie aus dem rechten Lager kommen! In Wirklichkeit kam der genau aus dem anderen Lager ... Wer solche Anfeindungen aushält, kann es weit bringen.

Wie ist der Name Heino entstanden? Das ist doch keine Abkürzung von Heinz Georg, oder?

Unser Trio stellte sich immer mit einem Lied vor, in dem alle drei Vornamen genannt wurden. Da man schlecht Heinz Georg singen kann, beschlossen wir: «Okay, ab heute heisse ich Heino.» Und so nennt mich bis heute jeder, sogar meine Hannelore.

Singt Heino eigentlich nur auf der Bühne oder auch unter der Dusche?

Unter der Dusche habe ich nie gesungen, obwohl die Akustik im Badezimmer wunderbar wäre. Unter der Dusche habe ich andere Sachen gemacht.

Was für ein Verhältnis haben Sie zu Ihrer Sonnenbrille?

Ich habe mich an sie gewöhnt. Manchmal vergesse ich sie sogar auszuziehen, wenn ich zu Bett gehe. Aber ich würde einen Teufel tun, nun auf sie zu verzichten, wo sie doch viel zu meiner Popularität beigetragen hat.

Weshalb mussten Sie die tragen?

Ich litt unter einer Schilddrüsenüberfunktion, weshalb ein Auge nach vorne getreten war. Der Professor riet: «Tragen Sie doch eine dunkle Sonnenbrille, dann sieht man die Augen nicht.»

Ist die Tönung nicht lästig, wenn die Sonne nicht scheint?

Das Auge hat sich dran gewöhnt. Schliesslich trage die Brille schon seit 50 Jahren. Selbst, wenn ich nachts im Auto sitze.

Benutzen Sie die Möglichkeit, sich ohne Sonnenbrille inkognito in der Öffentlichkeit zu bewegen?

Ich will das gar nicht. Während andere eine Sonnenbrille tragen, um nicht erkannt zu werden, bin ich froh, dass man mich kennt. Es gibt nichts Besseres, als dass mich viele Leute ansprechen. Es sind ja alles Kunden. Ich würde nie kein Autogramm geben oder nicht mit ihnen reden. Und ich wäre sehr traurig, wenn ich durch Hamburg oder Zürich gehe und keiner mich erkennen würde.

Ärgert es Sie, dass viele Menschen sich nicht dazu bekennen, dass sie Heino-Fans sind?

Ich habe es immer lächelnd hingenommen, wenn sie ein Autogramm für die Oma oder den Opa wollten. Selbst, wenn ihnen deren Vorname nicht einfiel ... (Schmunzelt.) Und ich verstehe, dass es für junge Leute schwierig ist, zuzugeben, dass sie Fans von mir sind. Volksmusik ist ein altmodisches Wort, aber man kann sie modern machen. Wie mit dem Album «Mit freundlichen Grüssen». Meine Tournee ist fast überall ausverkauft, nur in der Schweiz nicht. Da muss man noch ein bisschen dran tun!

«Ich muss gucken, was für Leute in Zürich ans Konzert kommen. Es wird für alle was dabei sein.»

Heino

Sie sind 2005 schon einmal auf Abschiedstournee gegangen, haben dann aber mit Klassik, Rock und Heavy Metal ein erfolgreiches Comeback gegeben. Wie kam es dazu?

Ich hatte mich meiner Frau zuliebe zurückgezogen, nachdem sie drei Bypässe bekommen hatte. Als es ihr wieder besser ging, sagte sie zu mir: «Geh am besten wieder auf die Bühne und singe. Dann bist du ausgeglichener und ich hab hier meine Ruhe!»

Geht Ihre Frau nicht mit Ihnen auf Tournee?

Doch, ich würde nie gross irgendwohin fahren ohne Hannelore. Sie sagt immer: «Mitgefangen, mitgehangen.»

Was erwartet das Publikum im Zürcher Volkshaus?

Ich werde in der Schweiz vom Volkslied über Seemannslieder und rockige Sachen bis zu meinen grössten Hits alles singen. Das wird zwei volle Stunden richtig ­rocken!

Das rockige Element herrscht vor?

Ich muss gucken, was für Leute da sind. Wenn ich sehe, dass das Publikum in der Schweiz ein jüngeres ist, werde ich mehr rockige Sachen singen als traditionelle. Wir sind da flexibel. Meine Musiker sind alle Notisten. Wir haben ein Zehn-Stunden-Programm und können an Ort und Stelle reagieren. Es wird für alle was dabei sein.

Was hat es mit der Kette auf sich, die Sie tragen?

Das sind die Überreste eines Alt-Rockers! (Lacht.) Nö, das ist ein schönes Geschenk von meiner Hannelore.

Heino, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.