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Interview

«Ich verdränge gern»

Luca Hänni (24) vertritt die Schweiz beim diesjährigen Eurovision Song Contest in Tel Aviv in Israel. Und so wird aus einem angedachten Interview kurzerhand ein Bewerbungsgespräch für seinen Einzug in den ESC-Final.

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Sedrik Nemeth
28. April 2019

Für die Buchmacher ist Luca Hänni beim ESC ein Titelfavorit.

DSDS-Gewinner 2012

Der Mädchenschwarm

Der 24-jährige Berner Sänger Luca Hänni gewann 2012 die Castingshow «Deutschland sucht den Superstar (DSDS)». 
Die Schweiz vertritt er am 16. Mai beim Eurovision Song Contest in Tel Aviv.

Luca Hänni, Sie haben sich mit Ihrem Song «She Got Me» für den Einzug in den ESC-Final beworben. Erklären Sie uns doch Ihre Motivation dazu in zwei, drei kurzen Sätzen.

Das Erlebnis steht im Vordergrund. Und natürlich diese neue berufliche Challenge. Das reizt mich. Ich will eine mega Show abliefern. Und es ist mir bewusst, dass ich wahrscheinlich nie mehr in meinem Leben vor so einem Publikum singen werde. Weltweit schauen rund 200 Millionen Menschen zu – crazy. 

Sie haben eigentlich Maurer gelernt. Nun vertreten Sie die Schweiz bei der grössten Musikshow der Welt. Ein ungewöhnlicher Werdegang. Wo liegt die Logik?

Wo die Logik liegt?? Ui! Ich denke, ich hatte einfach das Glück, dass ich schon in jungen Jahren meine Leidenschaft zum Beruf machen konnte. Ich bin nun seit sieben Jahren professioneller Musiker. Die Logik verbirgt sich wahrscheinlich am ehesten in meinem musikalischen Werdegang, der mich nun auf die Bühne des ESC führt.

In den letzten zehn Jahren haben es  gerade mal zwei Schweizer Vertreter in den Final geschafft. Warum denken Sie, dass ausgerechnet Sie dazu in der Lage sind?

Ich bin überzeugt, dass ich beim ESC eine unglaubliche Show abliefern werde. Eine Show, die im Auge, im Ohr und im Kopf bleibt. Und ich glaube auch, dass ich als Person beim Publikum gut ankommen werde – vorausgesetzt, ich mache einen guten Job.

Sie sind sehr überzeugt von sich.

Wenn ich diese Einstellung nicht hätte, würde ich nicht teilnehmen.

Nicht unbedingt schweizerisch.

Das ist wohl so. Aber ich weiss, was ich drauf habe, und will das dem Publikum auch zeigen.

Ihr Beitrag ist ein typischer ESC-Song. Gute Melodie, guter Beat ...

... und ein wenig Balkan-Einfluss.

Genau! Aber was hat er, was die anderen nicht haben?

Ich habe alle schon gehört. Es gibt viele mit schönen Melodien und so. Was aber meinen Song speziell macht: Man ist von Anfang an drin und kann mitsingen.  

Der Text ist also bewusst simpel?

Yes! Damit eben alle mitsingen können. Im Herbst produziere ich dann aber noch ein deutsches Album. Da werde ich dann ein wenig philosophischer. 

Nennen Sie uns drei Stärken und drei Schwächen von Ihnen.

Puhh! Keine Ahnung! Ich bin sicher ein ungeduldiger Mensch.

Langweilig! Diese Antwort bringen 90 Prozent der Bewerber bei einem Vorstellungsgespräch.

Seine Freundin hilft aus dem Hintergrund: Er lässt immer die Zahnpastatube offen.

Hänni: Jaaaa ..., jetzt kommen solche Sachen (lacht).

Und Ihre Stärken?

Na, da sprudelt es natürlich! Ich bin sicher ein zielstrebiger Mensch. Wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, dann versuche ich das auch zu erreichen. Und dann bin ich musisch sicher nicht der Untalentierteste. Hmm ..., was noch? Das ist wirklich schwierig. Solche Sachen fragen sie einen wirklich bei einem Bewerbungsgespräch?

Solche Sachen und noch viel gemeinere. Beschreiben Sie Ihren Charakter mit drei Begriffen.

Oh Gott! Also: Ich bin sicher ein Herzensmensch und will es immer allen recht machen. Und dann noch bodenständig und kontaktfreudig.

Worauf sind Sie in Ihrem Leben besonders stolz?

Das tönt immer blöd, wenn man sich selber loben muss. Aber dass ich als Teenager aus der Schweiz bei «Deutschland sucht den Superstar» gewinnen konnte – das war schon sehr speziell. Denn eigentlich wollte ich ja immer Schlagzeuger werden und nicht Sänger.

Wie gehen Sie mit Druck um? Beim ESC werden Sie diesen sicher haben. Gelten Sie bei den Buchmachern doch als einer der Favoriten.

Diesen versuche ich von mir wegzuschieben. Ich bin ein Mensch, der gerne verdrängt.

«Ich habe eine Zeit lang den falschen Leuten vertraut.»

Luca Hänni

Was war Ihre bisher grösste Niederlage?

Niederlage? Was ist das? Kleiner Scherz. Was mich sicher geprägt hat, war, dass ich eine Zeit lang den falschen Leuten vertraut habe. 

War das am Anfang Ihrer Karriere?

Nach etwa zwei Jahren.

Können Sie Namen nennen?

Können schon. Wollen aber nicht.

Was wissen Sie über die ESC-Geschichte, mit Fokus Schweiz?

Die Schweiz hatte sicher nie die besten Karten.

Hat aber auch schon gewonnen.

Mit Céline Dion, ich weiss.

Und bei der allerersten Austragung mit Lys Assia.

Klar, aber das ist schon sehr lange her.

Sind Sie politisch aktiv?

Überhaupt nicht. Da bin ich die falsche Ansprechperson. 

Aber der ESC ist doch eine politische Veranstaltung. Da werden länderübergreifend Päckli geschnürt.

Das interessiert mich nicht. Ich will einfach Musik machen, eine gute Show abliefern und für mich und meine Karriere einen weiteren Meilenstein setzen.

Gesetzt den Fall, Sie gewinnen den ESC. Was werden Sie tun?

Zuerst mit allen Beteiligten und Freunden anstossen, etwas feiern und dann  die Chance und die Plattform nutzen und das Bestmögliche daraus machen.

Und weiter?

Wir gehen diesen Herbst wieder auf Tour und werden auch ein neues Album herausgeben. Dazu kommen noch einige Shows im Sommer. Aber klar, mit einem  Sieg beim ESC gingen neue Türen auf.

Wie realistisch sehen Sie selbst Ihre Chancen? Die vergangenen paar Jahre schaffte es die Schweiz ja nicht einmal mehr in den Final.

In diesen Jahren stand der Schweizer Beitrag im Vorfeld aber auch nicht auf Platz zwei bei den Buchmachern. Daher sehe ich meine Chance durchaus intakt.

Kommen wir zur Familienplanung?

Kommt ins Stocken, schaut unsicher zu seiner Freundin und entledigt sich seiner coolen Lederjacke. Anscheinend ist ihm gerade etwas warm geworden.

Ich bin mega glücklich, eine solch starke Frau an meiner Seite zu haben. Aber mit der Familienplanung haben wir bis jetzt noch nicht begonnen. Das hat noch Zeit.

Können Sie uns zum Schluss noch Referenzen nennen?

Die langweilige Antwort wäre hier wohl meine diversen Erfolge in Deutschland.

Und die innovative?

Eine solche fällt mir eben grad nicht ein.

Haben Sie noch Fragen an uns?

Wie viel Ferien habe ich? (Lacht.) 

Luca Hänni, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.