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Interview

«Katzen haben keine Angst vor Gurken»

Die selbsternannten Hip-Hop-Dinos sind zurück: In ihrem neuen Album «Lovestory» singen «Fettes Brot» über Liebeslieder der anderen Art. Im Interview spricht Mitglied Björn Warns (45), auch bekannt als Schiffmeister oder Björn Beton, über politische Beziehungsprobleme, Selbstliebe und verliebte Schmetterlinge.

03. Mai 2019

Fettes Brot: Boris Lauterbach (König Boris), Björn Warns (Schiffmeister) und Martin Vandreier (Doktor Renz) (v.l.) 

Wettbewerb

Album und Buch von "Fettes Brot" zu gewinnen

Wir verlosen das neue Album "Lovestory" von "Fettes Brot" sowie ihr neues Buch "Was wollen wissen".

Björn Warns, in euren Songs thematisiert ihr gerne zwei Dinge: Die Liebe und die Politik. Wenn du für einen Tag Frau Merkel sein könntest, was wäre denn das erste, das du an der deutschen Politik ändern würdest?

Das ist schon eine abstrakte Vorstellung. Ich hoffe, ich muss nie einen Tag mit Frau Merkel tauschen.

Wieso nicht?

Weil es ein sehr anstrengender Job ist und ich mich zuerst einige Tage darauf vorbereiten müsste.

Und wenn du dich dann vorbereitet hast?

Dann wäre ich wahrscheinlich nicht schlau genug, um etwas in einem Tag zu ändern.

Was würdest du ändern, wenn du doch schlau genug wärst?

Dann würde ich etwas gegen die Autolobby und die Waffenindustrie unternehmen.

Apropos schlau: Momentan habt ihr eure eigene Radioshow «Was wollen wissen», bei der ihr schon fast allwissend auf schräge Fragen Antwort gibt.

Genau. Die Leute fragen uns viele schräge und blöde Dinge. Doch einige Fragen sind auch eng mit dem persönlichen Umfeld verbunden. So fragen sie uns: «Meine neue Freundin feiert mit meiner Familie Weihnachten. Was sollen wir reden?» oder «Ich habe mir einen Hund angeschafft, wie soll ich ihn nennen?»

Ich hätte da eine blöde Frage: Warum haben Katzen Angst vor Gurken?

Katzen haben keine Angst vor Gurken. Meine Tochter hat das mal ausprobiert.

Ich auch.

Und hat es funktioniert?

Nein.

Eben. Ich glaube, die bekommen einfach einen Schreck, wenn plötzlich etwas hinter ihnen liegt, das vorher nicht da war.

Wenn Schmetterlinge verliebt sind, was haben sie dann im Bauch?

Die haben Eintagsfliegen im Bauch. Muss ja etwas Kleineres sein.

In eurem neuen Album «Lovestory» thematisiert ihr die Liebe. Was bedeutet für dich Liebe?

Liebe ist das Allerwichtigste, das wir haben. Ohne Liebe würde einfach nichts funktionieren. Wahrscheinlich sind auch deswegen die meisten Songs, die je geschrieben wurden, Liebeslieder.

Ihr macht aber keine Platte mit Schnulzenballaden, sondern singt über echte Momente in der Liebe: Ein Beziehungsende durch politische Meinungsverschiedenheiten, gleichgeschlechtliche Paare oder Selbstliebe. Wie wichtig ist es für Fettes Brot, sich selbst zu lieben?

Im Lied «Ich liebe mich» setzen wir uns mit unseren Ansichten über die Selbstliebe auseinander. In welchen Momenten wir sie für etwas Gutes halten und in welchen für etwas Schlechtes. Man soll sich so akzeptieren können, wie man ist. Doch Selbstliebe kann auch narzisstische Züge annehmen und daraus wird dann schnell mehr Schein als Sein.

Im Lied «Du driftest nach rechts» geht es um eine Liebe, die wegen einer entgegengesetzten politischen Einstellung in die Brüche geht. Er links, sie rechts. Beruht das auf einer wahren Geschichte?

Zum Glück nicht! Aber wir kennen doch alle jemanden, den wir eigentlich ganz nett finden, doch leider vertritt man komplett andere Meinungen und Vorstellungen. So sehr, dass es zum Problem wird.

Zum Beispiel?

Zum Beispiel, wenn der schräge Onkel, den man eigentlich mag, auf dem Familienfest plötzlich fremdenfeindliche Sprüche klopft. Dann muss auch mal gesagt werden, dass solche Ansichten nicht in Ordnung sind.

Du bist Vater von zwei Töchtern, 13 und 15. Hören die sich Papas Album an?

Ja, die hören sich Papas Album an und finden es sogar gut. Zu ihren Lieblingsliedern gehört der Song «Opa & Opa», in dem es um gleichgeschlechtliche Liebe im hohen Alter geht.

Die Kinder heutzutage hören sich ja eine andere Art von Hip-Hop an. Gibt es moderne Künstler, die du nicht gerne hörst?

Natürlich gibt es solche, die ich nicht mag. Zum Beispiel Künstler, die in ihren Liedern über Menschenverachtendes singen. Ich frage mich dann, wieso die Texte so hasserfüllt und menschenfeindlich sind und sie trotzdem von vielen gefeiert werden. Solche Musik lehne ich ab.

Björn Warns, wir danken Dir für das Gespräch.