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Interview

«Lächeln kann helfen»

Pierce Brosnan (65) zählt zu den beliebtesten Schauspielern überhaupt. Der frühere James Bond erklärt, was die beste Entscheidung seines Lebens war und wie für ihn der perfekte Tag aussieht.

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Getty Images, AFP
07. Januar 2019

Pierce Brosnan: «Im Alter kann man eine heitere Gemütsruhe erreichen.»

Vielseitiger Schönling

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In Irland aufgewachsen, probierte Pierce Brosnan nach der Schule in London vieles aus: Er arbeitete als Maler, Feuerschlucker (!), Strassenartist und studierte Theaterwissenschaften. Karriere machte er jedoch als Schauspieler, zuerst in Fernsehserien, dann in Kinofilmen. 1994 verkörperte er James Bond – «Golden Eye» war auf Anhieb der erfolgreichste Film der 007-Reihe. 2002 jagte er zum vierten und letzten Mal die Bösewichte dieser Welt. Brosnan ist in zweiter Ehe mit der Journalistin Keely Shaye Smith (55) verheiratet und hat mit ihr zwei Söhne. Seine erste Frau starb an Eierstockkrebs. 

Pierce Brosnan, das Kinopublikum liegt Ihnen zu Füssen. Wann werden Sie Ihre Lebensgeschichte veröffentlichen?

Ich habe die Idee lange mit mir rumgetragen und jetzt erst mit dem Schreiben begonnen. Ich verspreche, dass ich dort ein paar «Waterloo»-Momente unterbringen werde. Momentan erzähle ich einem Autor Geschichten aus meinem Leben und er schreibt sie in einem ersten Entwurf zusammen. Wann das Buch veröffentlicht wird, steht aber noch in den Sternen.

Sie machen uns neugierig. Was war denn Ihr persönliches «Waterloo»? Und hatten Sie auch schon einen «The Winner Takes It All»-Moment im Leben?

Mein «Winner»-Moment, bei dem ich alles auf eine Karte gesetzt habe, ist 35 Jahre her: Da nahm ich meinen ganzen Mut zusammen, ging zur Bank, hob meine 2000 Pfund ab und fuhr nach Amerika, auf der Suche nach Ruhm und Ehre. Ein Augenblick, der alles verändert hat! «Waterloo»-Momente hatte ich viele – aber die behalte ich besser für mich. (Lacht.) Vielleicht packe ich sie in meine Memoiren. Meine Lebensphilosophie ist aber grundsätzlich, immer nach dem Silberstreifen am Horizont Ausschau zu halten.

Wie fühlt es sich an, die eigene Vergangenheit wieder hervorzuholen?

Wunderbar. Für mich ist es wie eine Therapie, mich mit meinem Glück, aber auch den melancholischen Momenten auseinanderzusetzen. Ich kann ja selbst kaum glauben, dass ich schon 65 bin!

Wird man mit zunehmendem Alter tatsächlich klüger?

Man kann eine heitere Gemütsruhe erreichen. Wenn man das Alter annimmt und darüber steht, es respektiert und geniesst, kann man auch Weisheit erlangen. Aber wenn man das Älterwerden leugnet, wird es schwierig. Es lohnt nicht, das Alter als etwas Negatives zu bekämpfen. Und trotzdem: 50 fand ich noch okay, dann 51, 52, 53 – da begann ich schon etwas zu wackeln. Man erschrickt, wie schnell die Zeit – gerade die eigene Lebenszeit – verstreicht.

Was war die beste Entscheidung, die Sie getroffen haben?

Grossbritannien zu verlassen und nach Amerika zu gehen. Diese Entscheidung hat es mir ermöglicht, meine Karriere auf dieses Niveau zu heben. Ich war mir damals überhaupt nicht sicher, was ich mit meinem Leben anfangen will. Es war zuerst auch gar nicht meine Idee, nein, die kam von meiner ersten Frau! Ich kann mich denn auch glücklich schätzen, dass ich wunderbare Frauen getroffen, geliebt und geheiratet habe. Eine Familie zu haben, gehört sicher zu meinen besten Entscheidungen.

2002 als 007 mit dem legendären Aston Martin ? Pierce Brosnan ist ewig dafür dankbar, dass er James Bond verkörpern durfte.

Erkennen Sie sich in Ihren Kindern wieder?

Ja, absolut! Dylan ist gross und gertenschlank und sehr zurückhaltend, fast etwas schüchtern. Wie ich – selbst wenn ich Schauspieler bin ... Der andere, Paris, kann ein echter Draufgänger sein, richtig verwegen, was wiederum auch ein Charakterzug von mir ist.

Mit den beiden steht die nächste Generation schon in den Startlöchern. Gefällt es Ihnen, dass es Ihre Söhne auch ins Filmgeschäft zieht?

Dylan ist 21 Jahre alt und glücklicherweise zieht er sein Studium an der Universität von Südkalifornien durch. Paris, der 17-Jährige, studiert auch und macht gerade ein Praktikum in Washington. Langfristig wollen die beiden zwar beim Film arbeiten, aber nicht als Schauspieler, sondern hinter der Kamera. Beide sind grossartige Geschichtenerzähler. Mal schauen!

Was für Ratschläge geben Sie Ihren Söhnen mit auf den Weg?

Na ja, dass sie wie gesagt nicht Schauspieler werden wollen, ist schon mal gut! Ich habe ihnen erklärt, dass sie viel lesen müssen, sie brauchen Bildung über die Geschichte der Menschheit und das Leben an sich. Falls es sie aber plötzlich doch ins Schauspielfach zieht, müssen sie sich bewusst sein, wie viel Mut es braucht, sich auf der Bühne zu präsentieren. Schauspiel muss man studieren. Man braucht gute Lehrer und muss viel über grosse Bühnenwerke lernen. Erst dann kann man herausfinden, ob man das nötige Talent für den Job hat.

Ihr letzter Film «Mamma Mia 2» handelt von Emanzipation und der Stärke der Frauen – das grosse Thema in Hollywood. Wie sehen Sie diese Entwicklungen?

Es hat lang gedauert, bis die Gleichberechtigung in Hollywood Fahrt aufgenommen hat. Aber jetzt ist diese Bewegung da, und ich finde es grossartig. Frauen mussten einiges auf sich nehmen, um das in Gang zu bringen. Interessant, dass diese Veränderungen ausgerechnet in einer Zeit geschehen, in der Amerika diese Regierung ertragen muss. Wie dieser Mann aus einer Reality- Show im Fernsehen bis ins Zentrum der Macht kommen konnte, ist für mich immer noch absolut unverständlich. Umso glücklicher bin ich darüber, dass unsere Gesellschaft sich trotzdem weiter entwickelt und Frauen endlich mit dem Respekt behandelt, der ihnen zusteht.

Welche Werte haben Sie Ihren Söhnen vermittelt, damit sie keine Machos werden?

Meine Frau Keely und ich haben als Paar und als Eltern immer zusammengearbeitet und auch viel Energie in die Beziehung gesteckt, damit sie funktioniert. Meine Söhne sahen die Liebe und den Respekt, den wir beide uns entgegenbringen. Natürlich haben wir manchmal Meinungsverschiedenheiten, aber wir lieben uns sehr und sind auch nach 25 Jahren sehr glücklich miteinander.

Was werden Keely und Sie anstellen, wenn die Kinder ausziehen?

Keely und ich haben eine Filmproduktionsfirma gegründet. Wir haben auch schon die Rechte an einem Buch gekauft: «Girls Like Us» – eine Doku über das Leben von Joni Mitchell, Carole King und Carly Simon. Keely hat bereits den Dokumentarfilm «Poisoning Paradise» gedreht: Darin geht es um Pestizide und gentechnisch veränderte Lebensmittel, die Kauai verpesten. Es ist schockierend zu sehen, was viele grosse Unternehmen mit unserer Nahrung anstellen.

Welche Träume würden Sie sich gerne noch erfüllen?

Ich möchte auf jeden Fall weiterhin in grossartigen Filmen mitspielen, auch in schrägen, unerwarteten Rollen. Dann meine Memoiren. Und ich habe mein Leben lang leidenschaftlich gemalt, vielleicht wirds irgendwann eine Kunstausstellung mit meinen Werken geben.

Nur vielleicht?

Wir sind schon mal durchgegangen, welche Gemälde infrage kommen. Momentan steht im Raum, dass ich die Ausstellung in Paris mache, aber sicher ist das noch nicht. Ich denke mir immer: Wenn ich mutig genug bin, Abba-Lieder in «Mamma Mia» zu singen, dann kann ich auch Gemälde an die Wand hängen und bei der Eröffnung ein paar Flaschen Champagner köpfen.

Singen macht Ihnen also Angst?

Das kann man so sagen.

Wie steht es um die Gefühlslage Ihrer Kinder, wenn der Dad singt? Ist es ihnen peinlich?

Nein, sie lieben den Film! Wir haben ihn uns vor ein paar Tagen zusammen angeschaut, zu Hause. Ich habe nämlich eine Kopie des Films bekommen. Erst gabs Pizza, dann den Film mit der Familie – der Abend war wirklich perfekt!

«Ich glaube daran, dass man im Leben nicht stillstehen darf.»

 

2015 hat Ihre Villa in Malibu gebrannt. Wie tief sitzt so ein Schock?

Es schüttelt mich immer noch, wenn ich daran denke. So ein Ereignis kann man nicht so ohne Weiteres hinter sich lassen. Ich kann jetzt noch den Rauch riechen. Das Bild, wie der Aston Martin in der Garage in Flammen steht, werde ich wohl nie vergessen. Am nächsten Morgen war vom Auto nur noch das Fahrgestell übrig – und die beiden kleinen Silberplatten mit meinem Namen, die von Aston Martin in meinen Wagen eingebaut wurden. Aber: Meine Frau und meine Jungs sind am Leben, und das ist das Wichtigste.

Bonds Autos standen öfter in Flammen, aber das bereitet wohl nicht auf die Wirklichkeit vor?

Nein. Just am Tag davor hatte ich noch vollgetankt. Ich hatte schreckliche Angst, dass der Wagen explodiert – und mit ihm das ganze Haus. Dylan und Paris hielten sich an mir fest, als wir uns in Sicherheit brachten. Die Minuten, bis die Feuerwehr eintraf, kamen uns wie eine Ewigkeit vor. Ich spürte, wie Adrenalin durch den Körper gepumpt wird. Ich wusste nicht, dass es viel gefährlicher ist, wenn der Tank nur halb voll ist, weil sich die Luft dann ausbreiten kann und den Tank zum Explodieren bringt. Ich sage Ihnen: Kein Actionfilm kann einen auf so einen Moment vorbereiten. Tatsächlich gab es auch eine Explosion am Auto, aber das waren nur die Reifen, die in die Luft flogen.

Wie sieht bei Ihnen ein perfekter Tag aus?

Ich mache mir einen Kaffee und sage meiner Frau, dass ich sie liebe. Wenn das Wetter passt, fahre ich Rad, sonst gehe ich in mein Atelier und male. Mittags kocht Keely, danach gehen wir vielleicht eine Runde schwimmen und machen uns eine schöne Zeit. Ich mag mein einfaches Leben. Es ist schön, noch mal eine zweite Chance im Leben als Ehemann und Vater bekommen zu haben.

Ihre erste Frau Cassie ist 1991 an Krebs gestorben, Ihre Adoptivtochter Charlotte verlor 2013 den Kampf gegen denselben Krebs. Wie schafft man es, über solche Schicksalsschläge hinwegzukommen?

Nun, manchmal hilft es schon, wenn man sich ganz bewusst dazu bringt zu lächeln. Ja, lächeln kann helfen und eine Veränderung bewirken – du redest und bewegst dich anders, hast eine andere Ausstrahlung. Dementsprechend reagieren die anderen Menschen auf dich.

Wie wichtig war Ihr Glaube in diesen Situationen?

Ohne meinen Glauben wäre ich verloren. Ich wurde als Junge streng katholisch erzogen. Ich brauche den Glauben an die Hoffnung. Das gab mir immer Kraft, besonders in stürmischen und schmerzhaften Momenten. Der Mensch hat sich über die Jahrhunderte nicht verändert, wir sind stets durch etwas bedroht. Wenn es dunkel wurde in meinem Leben, hat mich der Glaube stark gemacht. Und die Arbeit. Ich glaube daran, dass man etwas tun muss im Leben und nicht stillstehen darf.

Was verdanken Sie Ihrer Rolle als James Bond – ausser Ruhm?

Bond hat es mir ermöglicht, eine eigene Produktionsfirma aufzubauen, um grösseren Einfluss auf meine Karriere zu haben. Bond war ein grosses Geschenk, für das ich ewig dankbar sein werde.

Pierce Brosnan, wir danken Ihnen für das Gespräch.