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Interview

Weltklasse-Duo

Ein Ballwechsel der etwas anderen Art: Roger Federer (38) und Skistar Mikaela Shiffrin (24) sprechen über Kochpannen, Alkoholeskapaden und den Ruhestand. 

23. September 2019

 Ein Ballwechsel der etwas anderen Art: Roger Federer (38) und Skistar Mikaela Shiffrin (24) sprechen über Kochpannen, Alkoholeskapaden und den Ruhestand. 

Ausnahmetalent

Von Abfahrt bis Slalom

Mikaela Shiffrin gehört mit ihren 24 Jahren schon zu den erfolgreichsten Skirennläuferinnen der Geschichte. Bereits im Alter von 16 Jahren fuhr sie im Slalom von Lienz (A) auf ihren ersten Podestplatz in einem Weltcuprennen. Die Amerikanerin gewann bisher drei olympische Medaillen (davon zwei goldene) und fünf Weltmeistertitel. In ihrer Paradedisziplin Slalom ist sie mit ihren insgesamt 40 Weltcupsiegen in dieser Disziplin sogar Rekordhalterin. Ebenso ist sie die einzige Athletin, die Weltcupsiege in sechs unterschiedlichen Disziplinen feiern konnte.

Mikaela Shiffrin ist schon etwas nervös, als sie im Hotel La Réserve in Genf vor einer kleinen Gruppe Journalisten auf ihren Interviewpartner wartet. Für einmal sitzt die US-Skifahrerin nämlich auf der anderen Seite. Stellt die Fragen, die normalerweise Reporter stellen, und das keinem Geringeren als Roger Federer. Beide Sportler sind die aktuellen Gesichter des italienischen Pasta-Herstellers Barilla, der zu diesem Gespräch eingeladen hatte. Gesprochen wurde aber über weit mehr als nur Pasta.

Mikaela Shiffrin:
Ok, lass uns starten. Wir haben 18 Millionen Fragen. Erzählst du deinen Kindern Gutenacht-Geschichten?

Federer:
Gerade gestern Abend.

Shiffrin:
Aus welchen Buch? Harry Potter?

Federer:
Oh nein, das ist für sie noch zu gruselig. Davon würden sie Alpträume bekommen und dann nachts plötzlich in unserem Zimmer stehen, weil sich nicht mehr schlafen können. Aber lass mich überlegen... was habe ich ihnen gestern erzählt? Ah ja, Goldlöckchen und die drei Bären. Ich habe versucht sie auszutricksen, indem ich sagte: Goldlöckchen und die zwei Bären. Da schauten mich meine Söhne an und sagten: das sind doch drei Bären. Und ich erwiderte: Ah ja? Also lasst sie uns zählen. OK es sind drei Bären...(lacht).

Shiffrin:
Wie sieht dein idealer Sonntag aus? Ich meine ohne Tennis.

Federer:
Da bin ich gerne planlos. An einem schönen Sonntag gehen wir vielleicht in die Berge oder an den Strand – je nachdem, wo wir uns gerade befinden. Nehmen wir das Tennis hinzu, wäre es natürlich schön gewesen, den diesjährigen Wimbledon-Final zu gewinnen. Der war ja auch an einem Sonntag. Furchtbare Geschichte (lacht).

Shiffrin:
Welches ist dein absolutes Lieblingsgericht? Etwas, das du jeden Tag essen könntest.

Federer:
Ich liebe die Abwechslung. Aber wenn ich auf eines festlegen muss, dann nehme ich Spaghetti Pomodoro. Der Klassiker. Ich mag zwar auch Carbonara, aber jeden Tag... das ist mir zu mastig. 

«Ich liebe die Abwechslung. Aber wenn ich auf eines festlegen muss, dann nehme ich Spaghetti Pomodoro.»

Roger Federer

Shiffrin:
Gibt es etwas, das du gar nicht gerne isst? Schnecken zum Beispiel?

Federer:
Ehrlich gesagt haben meine Kinder gerade gestern Abend Schnecken probiert. Und es war ihr eigener Wunsch.

Shiffrin:
Was?? Deine Kinder fragten dich, ob sie Schnecken essen dürfen? Ehrlich? Dann musst du sie aber mal durchchecken lassen.

Federer:
(Lacht), ja vielleicht hast du Recht. Aber zurück zu mir. Bin ich in einem guten Restaurant, esse ich praktisch alles. Ich hatte auch schon Seeigel. Mit einer guten Sauce probiert man doch die verrücktesten Dinge. Was kommt denn bei dir nicht auf den Teller?

Shiffrin: 
Schnecken habe ich noch nie probiert. Und ein Fan von Austern bin ich auch nicht. 

Federer:
Uhh.. Austern. Die habe ich auch schon gegessen – muss ich aber nicht mehr haben. 

Shiffrin:
Pasta oder Reis?

Federer:
Barilla Pasta natürlich (lacht). 

Shiffrin:
Achtung Hashtag Barilla...

Shiffrin:
Hast du Pasta schon einmal selber gemacht? Also ich meine auch den Teig und so.

Federer:
Ja, das ist aber schon lange her und hat nicht sonderlich gut geklappt. Ich bin kein guter Koch. Daher bin ich immer froh, wenn meine Frau oder meine Mutter da sind. Sie übernehmen dann das Kochen und sagen mir: «Wir wissen, dass du das nicht so gut kannst. Kümmere dich lieber um die Kinder oder deck den Tisch».

Shiffrin: 
Wie ist das im Hause Federer, wenn Mama Mirka nicht da ist und deine vier Kinder Hunger haben?

Federer:
Manchmal übernehmen meine Töchter den Part des Kochens. Die können das schon richtig gut. Natürlich gibt es ab und zu auch Pannen. Beim US Open in New York machten sie mir Porridge zum Frühstück. Doch dieses brannte in der Pfanne an. Meine Frau fand das gar nicht lustig, weil sie die Pfanne kaum noch sauber bekam.

Shiffrin:
Du selber kochst nichts?

Federer:
Ich bin darin wirklich schlecht. Als Notlösung gehen wir dann ins Restaurant oder ich sage den Kindern, sie sollen ein Müesli essen. Manchmal finden wir auch noch etwas vom Vortag zum Aufwärmen.

Shiffrin:
Was isst du vor und nach dem Training oder einem Match?

Federer:
Normalerweise Salat und Pasta. Das hat bisher gut geklappt. Das begleitet mich schon durch meine ganze Tenniskarriere. In den Anfängen liess ich aber immer den letzten Drittel des Tellers stehen, weil ich vor Nervosität nichts mehr runterbrachte. In den vergangenen zehn Jahren hatte ich damit aber keine Probleme mehr. Wie ist das bei dir?

Shiffrin:
Ich kenne das. Ich habe auch einen nervösen Magen.

Federer:
Da kommst du drüber hinweg – wenn du älter wirst (lacht).

Shiffrin:
Gibt es irgendein Gemüse, das du nicht magst?

Federer:
Eigentlich nicht. Ich war ja früher Vegetarier. Auch erinnerte mich meine Mutter immer daran, das Gemüse aufzuessen. Ich hatte und habe keine Probleme damit. 

Shiffrin:
Was isst du während den Seitenwechseln bei einem Match?

Federer:
Wenn ich wirklich etwas brauche, dann esse ich diese Power-Riegel. Das kommt aber nicht oft vor. Ich bin da noch ziemlich «Old School» und trinke einfach Wasser. 

Bei der nächsten Frage kommt Mikaele Shiffrin ins Stocken
Oh... da fühle ich mich jetzt nicht so wohl, dir diese Frage zu stellen. Lies du sie doch grad selber vor.

Federer:
Ojeh, so schlimm? Also ich lese vor: Was ist dein liebstes Kater-Frühstück und warst du schon mal komplett betrunken? Ja klar war ich das schon. Am schlimmsten war es nach meinem Sieg beim US-Open 2008. Da benötigte ich ganze drei Tage, bis ich mich wieder einigermassen wohl fühlte. Beim Kater-Frühstück versuchte ich einfach, irgendwie zu kompensieren. Hatte aber keine Ahnung, ob ich überhaupt etwas runterbringe.

«Und dann merkst du, dass du viel zu viel Getränke bestellt hast, diese dann aber trotzdem trinkst.»

Roger Federer

Shiffrin:
Wow!

Federer:
Aber ist uns das nicht allen schon einmal passiert?

Shiffrin:
Ähm, ich arbeite noch daran.

Federer:
Gewinn du mal das US-Open und es wird dir genauso gehen (verputzt ihn fast vor Lachen).

Shiffrin:
Kann ich mir vorstellen.

Federer:
Problematisch ist es eben dann, wenn die Bar, in der du feierst, bald schliesst und du noch genügend Drinks bestellst, um über die Runden zu kommen. Und dann merkst du, dass du viel zu viel Getränke bestellt hast, diese dann aber trotzdem trinkst.

Shiffrin:
Tönt aber so, als hattet ihr eine gute Zeit.

Federer:
Definitiv!

Shiffrin:
Ok, kommen wir wieder zu harmloseren Fragen. Kennst Du den Ausdruck: «An apple a day keeps the doctor away»?

Federer:
Klar, diesen Ausdruck habe ich auch schon gehört.

Shiffrin:
Und? Lebst du danach?

Federer:
Ich versuche schon möglichst gesund und abwechslungsreich zu essen und das gebe ich auch meinen Kindern mit auf den Weg. Ich finde es wichtig, dass man alles probiert und versuche mit einem guten Beispiel voranzugehen. 

Shiffrin:
Hast du schon einmal eine Diät gemacht?

Federer:
Bis jetzt noch nie. Aber nach meinem Rücktritt möchte ich das schon einmal ausprobieren. 

Shiffrin:
Wein oder Bier?

Federer:
Wein.

Shiffrin:
Und... anderer Alkohol?

Federer:
Yeah! Zu einem guten Champagner sage ich auch nicht nein.

Shiffrin:
Was ist mit Wandern? Gehst du wandern?

Federer:
Sehr viel sogar. Hey vergiss nicht, das ist eine Art Nationalsport in der Schweiz. In etwa so, wie bei euch American Football.

Shiffrin:
Und du machst das mit diesen Walking-Stöcken?

Federer:
Sicher nicht. Das ist nichts für mich. Ein gute Grillwurst gehört aber dafür dazu. Ich liebe es, mit meinen Kindern über dem Feuer zu bräteln.

Shiffrin:
Ok, jetzt hast du mir schon die nächste Frage beantwortet. Was isst du beim Wandern? Wurst grillieren – check!

Federer:
Gehst du auch wandern?

Shiffrin:
Ja klar, ich lebe ja in den Bergen. In Colorado.

Federer:
Dürft ihr da in der Wildnis auch Feuer machen?

Shiffrin:
Nicht überall, weil es da sehr trocken ist. Aber es gibt speziell dafür vorgesehen Plätze.

Federer:
Und dann isst du auch Würste?

Shiffrin:
Ja, wenn ich campiere, gibt es auch Würste oder Burger.

Federer:
Schläfst du dann im Zelt?

Shiffrin:
Nein, das mag ich nicht. Ich brauche eine Matratze und einen Raum zum Schlafen.

Federer:
Geht mir genauso.

Shiffrin:
Welche drei Dinge wirst du nicht vermissen, wenn du einmal zurücktrittst?

Federer:
Vielleicht die Reiserei. Obwohl ich gerne auf der Welt unterwegs bin. Aber es ist etwas anderes, wenn du dir als Tourist die Destinationen aussuchen kannst, als wenn sie dir der Turnierplan vorgibt. Dasselbe gilt für den Druck, den du als Tennisspieler hast. Diesen werde ich wahrscheinlich auch nicht vermissen, obwohl ich dann vielleicht denke: doch, es waren schon gute Zeiten mit all den Herausforderungen auf den Punkt parat sein zu müssen. Vermissen werde ich aber ganz sicher die anderen Spieler. Das wird schon komisch, wenn man von einem Tag auf den anderen nicht mehr zu dieser Familie gehört. 

Shiffrin:
Hast du dir auch schon überlegt, ob du das Tennis dann als Zuschauer im Stadion mitverfolgen wirst?

Federer:
Gute Frage. Ich glaube schon. Denn ich denke, es würde sich komplett falsch anfühlen, wenn ich mich ganz zurückziehen würde. Dafür liebe ich das Tennis zu sehr. Klar, am Anfang wird das nicht einfach für mich sein. Nur dazusitzen und keinen Einfluss mehr aufs Spiel zu haben. Vor allem in einem Stadion, wo dich die Leute anschauen und du auch auf der Grossleinwand gezeigt wirst... schwierig. 

Shiffrin: Welche drei Sportmomente, ausserhalb des Tennis, waren für dich am emotionalsten? 

Federer: Als verschiedene Spieler des FC Basel ihre Karriere beendeten, da gab es eine Zeremonie und ich dachte mir, wie schade, dass sie den Klub verlassen, das hat mich sehr getroffen. Auch die Champions-League-Siege der Mannschaft berührten mich sehr. Ein weiterer Moment war, als Gastón Gaudio die French Open gewann. Er war so glücklich, das hat mich dann auch sehr bewegt.

Shiffrin: Wirst du auch emotional, wenn du deine eigenen Matches nochmal anschaust?

Federer: Ja das kann passieren, vor allem, wenn man sie mit Musik unterlegt, dann geht das ganz schnell. Als ich die Australian Open 2017 gewann, gab es da so viele Videos. Ich dachte mir nur so: Hört auf mir diese Videos zu schicken! (tut so, als müsse er weinen).
Jeder weiss, dass ich ein emotionaler Typ bin. Aber ich werde stärker (lacht). 

«Jeder weiss, dass ich ein emotionaler Typ bin. Aber ich werde stärker (lacht).»

Roger Federer

Shiffrin: Gibt es einen Teil der Welt, den du noch nicht gesehen hast und den du gerne noch besuchen möchtest, als Tourist versteht sich?

Federer: Oh ja, da gibt es viele. Ich möchte gerne noch mehr von Afrika sehen und ich versuche dieses Jahr noch Südamerika zu bereisen. Ich liebe es auch durch Asien zu reisen, will aber auch mehr mit dem Auto unternehmen. Man sieht einfach mehr, ist langsamer unterwegs. Nach Wimbledon waren wir mit dem Wohnmobil unterwegs, reisten damit durch die Schweiz, das war lustig. 

Shiffrin: Welche Orte in Südamerika würdest du denn gerne sehen?

Federer: Hoffentlich sehe ich mehr als das letzte Mal, als ich dort war. 2012 reiste ich bereits durch Südamerika. Ich hoffe, dass jetzt noch ein paar neue Länder dazukommen. Doch weil hier Journalisten sitzen, kann ich noch nicht mehr verraten. Die Verträge sind noch nicht unterschrieben, das würde mich jetzt in Schwierigkeiten bringen. 

Shiffrin: Ich würde auch gerne nach Asien reisen. Ich war bisher nur in Südkorea für die Olympischen Spiele vor ein paar Jahren. Die nächsten Spiele sind in Peking, deshalb gehen wir bald für einen Testevent dorthin. Aber ich will nach Asien, ohne dort Ski zu fahren. Eigentlich will ich nochmal alle Orte besuchen, an denen ich schon als Athletin war – um dort eben nicht Ski zu fahren. 

Federer: Ich auch. Zurückkommen als Tourist sozusagen. 

Shiffrin: Genau. Viele Leute kommen zu mir und sagen, dass ich so Glück habe, so viel reisen zu können. Ja, aber ich sehe nicht wirklich etwas von den Orten.

Federer: Neuseeland wäre auch toll. Ich war schon da und habe gespielt, aber ich war nur etwa drei Tage dort. 

Shiffrin: Es ist wirklich schön. Ich war jedoch noch nie im Sommer dort. 

Federer: Was, man kann da Ski fahren?

Shiffrin: Ja, auf der Südinsel. Das ist einer der Orte, an denen wir im Sommer hingehen. Entweder Südamerika oder Neuseeland. Die Bedingungen sind wirklich gut. Natürlich kann es auch chaotisch sein. 

Federer: Die ganzen Schafe… 

Shiffrin: Oh ja, es hat so viele Schafe. Wenn du in der Nacht herumfährst, siehst du nur eine Milliarde Augen, die dich anstarren. 

Federer: Du denkst du träumst. Ein Schaf, zwei Schafe…

Shiffrin: Ja genau, Schäfchen zählen, aber eher wie in einem Albtraum. (lachen beide) Ok, machen wir weiter. Was sind deine drei Lieblingsfilme?

Federer: Oh Gott!

Shiffrin: Ich weiss, ich könnte die Frage ja selber nicht beantworten.

 Zwei Superstars mit einer Vorliebe für Superhelden: Roger Federer und Mikaela Shiffrin.

Federer: Also ich mag meine Superhelden. 

Shiffrin: Marvel?

Federer: Ja genau, oder Aquaman. 

Shiffrin: Lustig, ich habe Aquaman erst gerade im Flugzeug gesehen. 

Federer: Ich finde den super.  

Shiffrin: Ja, ich auch. 

Federer: Ich mag Superhelden-Filme. Ich habe gerade «Avengers Endgame» gesehen und habe mir die letzten 20 Minuten aufgespart. Es hat dann aber nicht geklappt, weil meine Tochter die ganze Zeit mit mir reden wollte. 

Shiffrin: Du hast das Ende nicht gesehen?

Federer: Nein.

Shiffrin: Oh mein Gott, was? 

Federer: Oh ja. Was mag ich denn sonst noch? «Gladiator». Ich mag auch «Good Will Hunting», das ist ja auch schon eine Zeit her. Und es gibt so viele Filme, die ich verpasst habe. Es sind einfach zu viele. In meinem Kopf ist gerade alles etwas verschwommen.

Shiffrin: Es ist ja auch keine einfache Frage. Das ist etwa so wie, was sind deine drei Lieblingssongs. Das werde ich auch nicht beantworten, oder fragen. Welche historische Person, Legende oder Figur aus der Popkultur, würdest du gerne treffen?

Federer: Früher hoffte ich immer, dass ich einmal meine Sportidole, Pete Sampras, Stefan Edberg oder Michael Jordan treffen würde. Es war dann sehr komisch, als ich plötzlich Musiker oder Schauspieler treffen konnte, von denen ich nie dachte, dass das jemals passieren würde. Ich traf sogar den Papst in Rom und dachte: Was? Auch hätte ich gerne Nelson Mandela getroffen, das wäre auf so vielen Ebenen inspirierend, er war ein toller Mann. Doch eigentlich freue ich mich über jede Begegnung, solange es ein gutes Gespräch ist. Ich bin sicher in einer sehr privilegierten Position, dass ich so viele tolle Persönlichkeiten kennenlernen darf. Wie sieht es bei dir aus?

«… dich zu treffen war toll. Ok sorry, das müssen wir streichen. Machen wir weiter.»

Mikaela Shiffrin

Shiffrin: Bei mir ist es ähnlich, Schauspielerinnen und Schauspieler oder tolle Sportler. Ich meine, dich zu treffen war toll. Ok sorry, das müssen wir streichen. Machen wir weiter. Wann hast du das letzte Mal geweint? Also bei mir war das gestern. Bei «Sisterhood of the Traveling Pants» passiert mir das immer. 

Federer: Ich kann mich nicht erinnern. 

Shiffrin: Das ist doch gut, oder?

Federer: Vielleicht habe ich in Wimbledon eine kleine Träne verdrückt, aber nicht so richtig.

Shiffrin: Du hast dich wirklich gut zusammengerissen. 

Federer: Auf dem Platz ja. Danach kam jemand zu mir und sagte mir, «Oh schade, es war so knapp», vielleicht konnte ich sie ja auch ganz zurückhalten, ich weiss es nicht mehr genau. 

Shiffrin: Welche Geburtstagsgeschenke oder Überraschungen machen dich am glücklichsten?

Federer: Ich brauche keine Geschenke und mag keine Überraschungen. Ich weiss aber, dass das trotzdem an meinem 40. Geburtstag passieren wird. Gerade gestern sprach ich mit meiner Frau darüber. Ich sagte ihr, dass ich nur etwas Kleines möchte mit vielleicht sechs Freunden. Das wird wohl nicht passieren. Bei Geschenken mag ich es, wenn meine Kinder kreativ sind und mir etwas malen oder basteln. Ich sage aber natürlich auch nicht nein zu einem netten Geschenk von wem auch immer. Aber eigentlich schenke ich lieber. Es macht mich glücklich, wenn ich andere Menschen glücklich sehe.

Shiffrin: Der Klassiker.

Federer: Es stimmt aber. Ich sollte aber meiner Frau viel mehr schenken. Ich weiss das, und sie weiss das auch. 

Shiffrin: Was bringst du deinen Kindern und der nächsten Generation von Kindern als Vorbild bei?

Federer: Nicht jeder muss ein Vorbild sein. Es ist sicher toll, sich dem bewusst zu sein, dass man vielleicht für einige ein Vorbild ist. Doch bei einigen passiert das natürlich und einige haben damit zu kämpfen. Doch am Ende versuche ich meinen Kindern Leichtigkeit, Respekt, Fairplay, Kameradschaft und all das, mitzugeben. Ich liebe es meinen Kindern diese Werte mitzugeben. Jeden Tag sage ich ihnen, seid nett zueinander, sagt hallo, gebt euch die Hand und schaut den Leuten in die Augen. Es ist auch ermüdend, aber es ist es wert. Ich hoffe, sie werden eines Tages gute Bürger, das ist mein oberstes Ziel. 
Doch wenn ich andere Sportler sehen, die nicht dieses Vorbild sein möchten, dann verstehe ich das. Nur weil man davon träumt ein Sportler zu sein, träumt man nicht gleich davon, ein Idol zu sein. Der Traum ist, zu gewinnen, diese Momente zu leben, die Trophäe in die Höhe zu halten. Man soll sich deshalb nicht dazu zwingen, dieses Vorbild zu sein. Das Wichtigste ist, sich selbst zu sein. 

Shiffrin: Genau. Als ich früher meinen Idolen beim Skifahren zusah, war mir das nicht so bewusst. Erst als die Kamera plötzlich auf mich gerichtet war, merkte ich, oh warte, davon hat mir niemand etwas gesagt. 

Federer: Das ist so. Ich war mir auch nicht bewusst, wie viel Aufmerksamkeit der Medien ich bekommen werde. Obwohl man denkt, man weiss es, weiss man es eben nicht. Als ich Weltnummer 1 wurde, fragten mich alle plötzlich die unterschiedlichsten Fragen. Früher befragten sie mich zu meiner Vorhand, plötzlich fragten sie mich über Politik aus. Und ich dachte mir: «Was? Ich bin doch ein Tennisspieler. Wen interessiert meine Meinung?»

«Was? Ich bin doch ein Tennisspieler. Wen interessiert meine Meinung?»

Roger Federer

Shiffrin: Und wenn du dann antwortest, sagen dir die Leute, dass sie deine Meinung gar nicht interessiert, die wollen dir ja eigentlich nur beim Tennisspielen zusehen.

Federer: Genau. Deshalb lass es lieber.

Shiffrin: Ok, wir haben noch Zeit für eine Frage. Nervt es dich, wenn die Leute dich ständig fragen, wann du deine Karriere beenden wirst oder wenn sie dich über dein Alter ausfragen?

Federer: Nicht mehr. Vor 10 Jahren fand ich es jedoch sehr merkwürdig. Bei den French Open, fragte mich jemand und ich war damals 28. Ich dachte ich spiele noch bis 32 oder 33. Dann hatte ich eine Phase, wo mich diese Fragen wirklich ermüdeten, doch ich habe sie immer beantwortet. Und jetzt sind wir soweit, dass mich die Leute in jedem Interview fragen müssen, denn es könnte ja sein, dass ich es in diesem Moment ausplaudere. Mache ich aber nicht. (lacht) Nein, heute komme ich damit klar. Ich weiss es ja selber nicht. Ich sage es immer wieder, ich wünschte, dass ich es wüsste. Was ist bei euch Skifahrern das Rentenalter? Ist Abfahrt früher als Slalom?

Shiffrin: Nein ich denke Abfahrt ist später. Für mich ist Slalom für den Körper am schwierigsten. So viele Kräfte, die in einer so kurzen Zeit auf den Körper einwirken. Mehr Rennen, längere Rennen – man muss auf einem sehr guten Fitnesslevel sein. 

Federer: Was ist das Durchschnittsalter, um in den Ruhestand zu gehen?

Shiffrin: Für Slalom zwischen 29 und 32. Aber viele gehen früher in den Ruhestand. Abfahrt etwas um 35 Jahre. Ja, ich wurde auch schon gefragt, wann ich aufhören werde. Und ich bin 24 Jahre alt. 

Federer: Es gibt auch Tennisspieler, die in diesem Alter aufhören. Und dann kommen sie 10 Jahre später wieder zurück. Kim Clijsters zum Beispiel gibt ja ihr Comeback, das ist toll. Ich mag die Idee. Ich denke, wenn man sich eine Auszeit nimmt, ich glaube fest daran, dass man wieder zurückkommen kann, wenn es mental funktioniert. Ok, bist du fertig? 

Shiffrin: Ob ich fertig bin?

Federer: Jetzt bin ich dran! Aber ich finde du hast einen guten Job gemacht. Wow, wieso ist es plötzlich so heiss hier drin? 

Shiffrin: Keine Ahnung, hat hier jemand die Heizung aufgedreht?

Federer: Ok, hast du jemals daran gedacht…

Shiffrin: …in Rente zu gehen?

Federer: Nein, lassen wir das mal. Kannst du dir vorstellen mal auf der anderen Seite zu stehen und vielleicht zu kommentieren?

Shiffrin: Ja, ich kann mir das vorstellen. Aber egal für was ich vor der Kamera stehen würde, es müsste mir Spass machen, dürfte nicht zu ernst sein.

Federer: Muss es im Sportbereich sein?

Shiffrin: Nicht unbedingt. Aber was es auch nach meiner Karriere als Skifahrerin sein wird, ich muss dabei etwas lernen. 

Federer: Ich glaube du hast das Potenzial dazu.

Shiffrin: Oh danke. Jetzt muss ich nur noch mein Schwitzen unter Kontrolle bringen. 

Federer: Es liegt am Raum hier. Es ist sehr heiss hier drin. Normalerwiese ist es in der Schweiz im September nicht so heiss. Was ist eigentlich dein Lieblingsgericht? Jetzt müssen wir zurück zu Barilla. (Nimmt eine Pasta-Packung hoch.) Danach könnt ihr gerne eine Packung kaufen. 

Shiffrin: Sie kostet 10'000 Dollars, die in meine Tasche wandern.

Federer: Ja, sie hat die Packung gerade berührt, also 20'000. (lacht) Also, was ist dein Gericht oder vielleicht besser, wie sieht die Esssituation in den Skiressorts aus?

Shiffrin: Nicht gut. 

Federer: Ihr seid nicht die einzige Sportart…

Shiffrin: Manchmal denke ich, sie vergessen einfach die Athleten zu ernähren. 

Federer: Was gibt es dort immer? Reis, Pasta?

Shiffrin: Reis ja, und sie haben immer Kaffee. Ich trinke keinen Kaffee. Oft gibt es Pasta, aber nicht immer. Jedes Ressort hat eine Skihütte mit dem «normalen Essen».

Federer: Zum Beispiel Käsefondue…

Shiffrin: Ich weiss nicht, ob ich das vor dem Rennen essen möchte, vielleicht ein bisschen schwer. Aber normalerweise gibt es bei den Rennen ein Zelt, wo es halt das Essen gibt, was gerade verfügbar ist. Manchmal gibt es Gulaschsuppe, Pasta oder manchmal ein geheimes Irgendwas. Vor dem Rennen bringe ich mein Sandwich mit oder frage im Hotel nach, ob sie mir Pasta kochen können, die ich dann zum Rennen mitnehmen kann.

«Vor dem Rennen bringe ich mein Sandwich mit oder frage im Hotel nach, ob sie mir Pasta kochen können, die ich dann zum Rennen mitnehmen kann.»

Mikaela Shiffrin

 

Federer: Isst du es dann kalt?

Shiffrin: Manchmal ja, oft gibt es aber auch eine Mikrowelle. 

Federer: Willst du die Frage Nummer drei lesen?

Shiffrin: Ob ich jemals betrunken war? Ah nein, wer ist dein Vorbild? Wer mich inspiriert? Ich habe die Roger-Karte ja schon ausgespielt. Ich kann das also nicht nochmal tun.

Federer: Nein! Im Skisport?

Shiffrin: Bode Miller. Er ist nicht unbedingt ein Vorbild, weil er einen ganz anderen Stil als ich hatte, aber ein Held. In meinem Leben ist es wahrscheinlich meine Mutter. Vor allem jetzt, da ihre Mutter, die 98 Jahre ist, gerade ins Altersheim gekommen ist. Normalerweise ist sie mit mir gereist und jetzt muss sie sich selbst um ihre Mutter kümmern. Es ist unglaublich für mich zu sehen, wie wahnsinnig selbstlos sie ist, ihr Leben und Beruf als Krankenschwester aufgab, um mit mir zu reisen. Und jetzt das aufgibt, um bei ihrer Mutter zu sein. 

Federer: Bring sie nächstes Mal mit. Ich möchte gerne deine Heldin treffen. 

Shiffrin: Oder ich bringe meine Oma. 

Federer: Genau. Du hast mir ja ein Video ihrer Grossmutter gezeigt, wie sie im Rollstuhl Tennis spielt. Ok, wir haben nur noch eine Frage. Wir alle haben mal schlechte Tage. Was tust du dagegen? Hast du überhaupt schlechte Tage?

Shiffrin: Nie. Nur perfekte: And cut! Nein, es kommt drauf an ob es ums Skifahren geht oder nicht. 

Federer: Wie lange geht es beim Skifahren, bis du darüber hinweg bist?

Shiffrin: Ich komme nie darüber hinweg. Aber nicht im negativen Sinne. Ich sehe es als Motivation. Aber normalerweise ist es ganz einfach: Gib mir gutes Essen, acht Stunden Schlaf und es geht wieder.