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Begegnung

Die Energie vom Publikum ist nicht zu toppen

Benny Kimoto setzte mit 16 auf Breakdance. Und startete durch. Nun tanzt er mit Red Bull Flying Illusion dreimal im Zürcher Hallenstadion.

FOTOS
Little Shao Red Bull Content Poo, youtube.com
01. Mai 2017

Hip-Hop

Benny Kimoto als Vierjähriger mit seinem Vater Dai auf der Bühne.

Als Vierjähriger stand Benny Kimoto zum ersten Mal auf der Bühne. Als Trompeter mit seinem japanischen Vater Dai, der in der legendären Max Greger Big Band ebenfalls Trompete gespielt und sich aus Liebe zu einer Arbonerin 1979 am Bodensee niedergelassen hatte. Obwohl Benny noch Schlagzeug lernte, wurde aus ihm kein Jazzmusiker. Als ich mit 14 im Romanshorner Jugendzentrum zum ersten Mal Breakdancer beobachtete, wusste ich sofort, dass ich das auch machen will, erzählt Kimoto. Er sog wie ein Schwamm auf, was er durch Hip-Hop-Filme wie Beat Street und Wildstyle über die Kultur aus den amerikanischen Ghettos lernen konnte. Die Rapmusik von Dr. Dre, Grandmaster Flash und Sugarhill Gang, zu der er Breakdance-Moves zu trainieren begann, mixte er auf Tapes zusammen.

Besonders fasziniert haben ihn von Anfang an die schwierigen Headspins, bei denen der Körper im Kopfstand um die eigene Achse rotiert. Kimoto investierte jede freie Minute, um sie möglichst rasch zu beherrschen. Mein Vorteil war, dass ich aus dem Kampfsport kam. So war ich extrem kräftig und brachte eine überdurchschnittliche Körperbeherrschung mit, erklärt er. Den Rest verdanke ich unermüdlichem Ausprobieren YouTube-Tutorials gab es damals ja leider noch nicht! Mit einem Lächeln erinnert er sich an seine ersten Versuche, auf Teppichboden und ohne Mütze. Besser ging es dann auf glatten Unterlagen und als ihm seine Mutter, eine Handarbeitslehrerin, aus dem strapazierfähigen Stoff einer Einkaufstasche eine Kopfbedeckung schneiderte. Bis zum Weltrekord von 62 Umdrehungen, den er 2000 in einer Guiness-TV-Show aufstellte, war es aber noch ein weiter Weg.

Vater als Vorbild

Seine kaufmännische Ausbildung brach Kimoto nach drei Monaten ab. Er realisierte, dass sie ihm nicht entsprach und er sich ganz dem Breakdance verschreiben wollte. Der Erfolg meines Vaters, der es dank seiner Leidenschaft und Disziplin geschafft hat, von seiner Kunst zu leben, hat mich ermutigt, diesen Schritt zu wagen, erzählt der Thurgauer, der mit 16 nach Basel zog, wo die Hip-Hop-Szene besonders lebendig war. Nach einem Battle (einem tänzerischen Kräftemessen) seiner Basler Crew mit den Berliner Flying Steps luden diese Kimoto 1998 in die deutsche Hauptstadt ein. Sie fanden, dass er menschlich und leistungsmässig perfekt zu ihnen passen würde. Seither gehört er zum Kern dieser hochkarätigen Multikulti-Truppe.

Anfangs reichten die Auftritte in Fussgängerzonen oder bei Eröffnungen von Ladenpassagen und das Preisgeld bei Contests nur für einfache Bleiben im heruntergekommenen Stadtteil Wedding. Heute kann sich Kimoto ein grosszügiges Penthouse in Charlottenburg leisten. Obwohl längst ein Star, lässt er Hip-Hop-like noch immer befreundete B-Boys (Breakdance-Boys) und Musiker bei sich wohnen. Ich liebe die Jams, die dabei entstehen. Zudem wäre es ja schade, wenn diese Räume leer stehen würden, während wir auf Tournee sind.

Den Ruf, einer der weltbesten Breakdancer zu sein, erwarb sich Kimoto nicht nur durch seinen Headspin-Weltrekord. Solo belegte er bei bedeutenden Battles den ersten Platz, mit den Flying Steps wurde er sogar dreimal Team-Weltmeister. In den letzten Jahren trug er als Tänzer der Flying Heroes, Talentscout und Choreograph massgeblich dazu bei, dass es den Flying Steps gelang, Breakdance mit den Shows Red Bull Flying Bach und Red Bull Flying Illusion einem breiteren Publikum näherzubringen. Als wir klassische Stücke auf unsere Art interpretierten, gewannen wir das Interesse und den Respekt der älteren Generationen und lockten die Kids in die Tempel der klassischen Musik, schildert Kimoto. Wir wollen den Leuten eine Show bieten, in der sie sich fragen, ob das tänzerische Höchstleistung oder Zauberei ist.

Benny Kimoto beim Red Bull Flying Illusion 2016 in Toulouse (F) einer seiner Dance-Moves fand sogar als Bodenübung Aufnahme ins Kunstturnen.

Figur in Playstation-Game

Anerkennung wurde Kimoto schon auf unterschiedliche Art zuteil. So ist Benny eine der zwölf Figuren, in welche Gamer beim Playstation-Spiel B-Boy hineinschlüpfen können. Seine Bewegungen wurden dafür aufwendig digitalisiert. Eine besondere Ehre ist es, dass der von ihm entwickelte Move Continuous Air Flare als Bodenübung ins Kunstturnen aufgenommen wurde. Da verwundert es nicht, dass Kimoto keinen Wert darauf legt, mit den Flying Steps in Videoclips oder Bühnenshows für Madonna oder Rihanna mitzuwirken. Wir wollen unsere Zeit nicht für etwas vergeuden, das weder unserem Stil noch unserer Mentalität entspricht.
Auch spürt der 36-Jährige, dass die Tage begrenzt sind, in denen es ihm sein Körper noch erlaubt, Breakdance auf höchstem Niveau zu betreiben. Der Abschied vom Rampenlicht wird sicher mehr schmerzen als die Blessuren. Die Energie, die du vom Publikum zurückbekommst, ist nicht zu toppen, meint er, freut sich aber auch schon auf die positiven Aspekte. Neben den Funktionen als Choreograph und Talentscout, die er weiter ausüben wird, hofft er, die Musik für Shows und Trailer der Flying Steps zunehmend selbst komponieren zu können. Zudem möchte ich mehr Zeit haben, um meine Familie in der Schweiz zu besuchen.

Show-Daten Red Bull Flying Illusion: 26. Mai (20 Uhr) & 27. Mai (16.30 und 20.30 Uhr) Zürich Hallenstadion.

Benny Kimoto: Weshalb ich Hip-Hop liebe

Die Musik: Ich mag jede Hip-Hop-Richtung. Ob East- oder West-Coast-Rap oder andere.

Die Freiheit: Hip-Hop ist eine sehr freie Kultur. Du kannst alles kreieren. Ohne Regeln.

Breakdance: Das B-Boying ist mein Lebensgefühl. Es gibt mir jeden Tag neue Energie.

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