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Begegnung

Die Jodlerin

Miss Helvetia Barbara Klossner kennt keine Hemmungen. Im Musical Stilli Zärtlichkeite hebt sie gar ab.

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Peter Mosimann
16. Oktober 2017

Jetzt will sie eis jödele, jöödele, jööödele Barbara Klossner vor dem Zytglogge in Bern.


Urchig

Im ersten Moment war sie entrüstet. Weil die Rolle ganz einfach nicht zu ihr passen wollte. Ich bin ein Vollblutweib. Alles andere als zart und leise. Und nun sollte ich einen Engel spielen?, ruft Barbara Klossner aus. Nach über einem Jahr aber hat sie sich damit arrangiert, im Jodelmusical Stilli Zärtlichkeite über die Bühne zu schweben. Und freut sich sogar auf die zweite Tournee des Musicals, die an diesem Wochenende in Biel starten wird. Ich träumte schon immer von einem Jodelmusical es ist einfach super!

Die Jodlerin guckt sich im Spiegel an. Stellt fest, dass sie heute schrecklich aussehe wegen ihres von einem Sturz aufgeschlagenen Kinns. Doch allzu sehr scheint sie dies nicht zu beunruhigen. Sie weiss, dass ihre Coiffeuse Michaela sie wieder herrichten wird, so wie sie es für alle ihre Jodelauftritte als Miss Helvetia tut.

Seit vierzehn lässt sich die Berner Oberländerin im Salon Mastroianni neben dem Zytgloggeturm in Bern frisieren und schminken: Meine Mutter sagte immer, Michaela sei eine Meisterin in ihrem Handwerk, sagt Barbara Klossner. Die Coiffeuse lächelt, während sie das blonde Haar zu Zöpfen flicht und sagt: Wir sind mittlerweile wie Schwestern. Solche, die sich zuhören und auch mal streiten.

Entweder man kann es oder nicht

Die Mutter war es auch, die Barbara Klossner das Jodeln lehrte. Wobei das eigentlich gar nicht nötig war. Entweder kann man jodeln oder nicht. Als ich geboren wurde, meinte der Grossvater bei meinem Anblick: Endlich mal wieder eine Jodlerin, sagt die 37-Jährige, die ihr Alter eigentlich lieber für sich behalten will, weil dieses dem Geschäft nicht zuträglich wäre, wie sie behauptet. Ein paar Jodelstunden erhielt das Mädchen dann doch noch bei Hans Stucki, dem Dirigenten des Jodelclubs in Diemtigen BE. Zudem lernte sie das Schwyzerörgeli sowie die Querflöte zu spielen und nahm Ballettunterricht.

Als ausgebildete Kauffrau zog es Barbara Klossner im Alter von zwanzig Jahren weiter nach Genf. Ich wollte den Welschen das Jodeln beibringen und damit den Röstigraben bezwingen, sagt sie selbstbewusst, und man zweifelt keinen Moment daran, dass sie das ernst meinte. In den Zwanzigern nahm ihre Jodelkarriere dann weiter an Fahrt auf: Immer häufiger führten sie ihre Auftritte auch über die Grenze, sodass Barbara Klossner den Bürojob vor acht Jahren an den Nagel hängte und beschloss, ihr Leben vollumfänglich dem Jodeln zu widmen.

Angst hatte sie in jenem Moment nicht. Ich habe selten Angst und bin für alles zu haben, sagt sie, worauf der Fotograf vorschlägt, fürs Fotoshooting in den kühlen Brunnen neben dem Coiffeursalon zu steigen. In der Tracht. Ohne zu zögern sagt sie begeistert: Aber klar. Das machen wir! Ihre Coiffeuse wendet ein, dass sie dabei ihre Kleider ruinieren werde und murmelt leise: Das ist eben typisch Barbara.

100 Auftritte jährlich

Ihre Stärke als Musikerin? Meine Stimme, die ich hege und pflege. Das muss sie auch. 100 Auftritte hat die Jodlerin heute jährlich, wovon das Musical nur einen Bruchteil ausmacht. Die Schattenseiten ihres Berufes? Das habe ich mir noch nie überlegt. Das ist auch komplett unwichtig. Ihre Ziele? Die kann ich doch nicht verraten. Ansonsten gehen sie nie in Erfüllung. Nur so viel ist klar: Im nächsten Frühjahr wird ihr Debütalbum E Guete auf den Markt kommen.

Eines der Lieder dieses Albums trägt den Namen Heb dr Sorg, und es sind sein Text und seine zarte Melodie, die zeigen, dass Barbara Klossner auch eine stille Seite hat. Aber ja, ich bin sehr sensibel. Wenn ich an einer Beerdigung singe, weine ich am heftigsten. Hielten Sie mich für unsensibel? Den Künstlernamen Miss Helvetia hat sich die Sängerin übrigens erst vor zwei Jahren zugelegt. Weil sie der Dame auf dem Zweifrankenstück gleicht, wie ihre Fangemeinde sagt. Aber auch, weil sie sich als Botschafterin der Schweiz versteht. Einer modernen und dennoch urchigen und bodenständigen Schweiz, für die nichts mehr wiegt als die Freiheit, wie Barbara Klossner sagt. Die Miss Helvetia ist parteilos. Wir brauchen nämlich wirklich alle, um zu funktionieren. Es ist dieses Bild der Schweiz, das sie in die Welt hinaustragen will. Denn für sie ist Offenheit durchaus mit Patriotismus zu vereinen. Und das wird sie auch allen erzählen, die es hören wollen.

Sie geniesst es, auf der ganzen Welt aufzutreten und immer wieder in fremde Kulturen einzutauchen. Für ihre Reisen lernt sie gerne die jeweiligen Nationalhymnen auswendig. So jodelte sie auch schon in einem Supermarkt für die thailändische Prinzessin den dortigen Nationalgesang. Nachdem sie eine Stunde lang den perfekten Hofknicks für die Darbietung geübt hatte, bläuten ihr die höfischen Diener ein, dass sie die Prinzessin aus Respekt auf keinen Fall angucken dürfe. Deshalb weiss sie bis heute nicht, ob ihr die Prinzessin auch applaudierte. Ansonsten aber ist ihr der Applaus gewiss. In fern und nah.

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  • 20.Oktober 2017, 20 Uhr in Landquart GR
  • 19.Januar 2018, 20 Uhr in Wattwil SG
  • 9. März 2018, 20 Uhr in Kägiswil OW
  • 10. März.2018, 20 Uhr in Interlaken BE

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