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Begegnung

Happy: Ich lebe meinen Traum

Die Luzernerin Andrea Isenschmid (26) will in Hollywood Karriere machen hier erzählt sie, wie das gelingen soll.

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Arnold Aldridge
09. Oktober 2017

Vielseitig

Sie finden, es klingt merkwürdig, how I talk? Vielleicht hängt das mit dem Jetlag zusammen, ich bin vorhin aus L. A. angekommen und noch confused. Möglich auch, dass ich so oft englische Wörter einbaue, weil ich sonst nur Englisch rede. Ich lebe seit über vier Jahren in Kalifornien, mein Mann ist Amerikaner. So habe ich nur selten Gelegenheit, Deutsch zu sprechen. Wahnsinnig, wie schnell so etwas geht. Meine Mami musste auch lachen, als sie die vielen englischen Ausdrücke hörte. Aber hallo, sagte sie, wie redest du denn jetzt plötzlich? Du musst unbedingt wieder mehr in der Schweiz sein! Sie weiss jedoch genau, dass das vorläufig nicht infrage kommt. Mein Zuhause ist jetzt Los Angeles.

Andrea Isenschmid in Hollwyood: Geduld zu lernen, ist eine life lesson.

Meine Eltern liessen mich als Kind machen. Ich war aber auch sehr easy. Mit zehn Jahren spielte ich erstmals bei der Kinder- und Jugendbühne Littau LU mit. Mit Freundinnen drehte ich irgendwelche verrückten short movies. Ich merkte schon bald: Das ist meine Welt. Als ich nach der Kanti in Reussbühl LU sagte, dass ich Schauspielerin werden möchte, fanden meine Eltern das cool. Meine Mutter schlug vor, dass ich bei Schauspielschulen in Deutschland vorsprechen solle. Schnell war klar, dass ich nicht in diese Szene passte, die war mir zu gestelzt. Ich wollte nicht die Iphigenie in einem Goethe-Drama, sondern lieber ein cooles Mädchen in einem Film sein, der mich anspricht. Deshalb hatte ich nur ein Ziel: Ich muss dorthin, wo die Post abgeht. Ich flog auf gut Glück nach L. A., zuerst mit einem Touristenvisum. Ich glaube, ich habe diese Faszination für die Westküste von meinem Vater geerbt. Er war auch sehr Kalifornien-obsessed. Er ging gerne zum Muscle Beach und war ein grosser Arnie-Fan: Jedenfalls versuchte er seinen Body im gleichen Gym wie Schwarzenegger aufzu aufzupump to pump up his muscles.

Es war nicht einfach am Anfang. Geduld zu lernen, ist eine life lesson. Es braucht seine Zeit, bis das Netz gespannt ist und du die richtigen connections hast, damit die ersten Anfragen reintröpfeln. Ich legte mir einen Agenten zu. Und ich nahm schon bald einen Künstlernamen an. Andrea Isenschmid, so bestätigten mir alle, sei kompliziert für die Amerikaner. Wir überlegten noch, ob Andrea Ironsmith eine Variante sei. Ich fand das really funny. Wir entschieden uns aber, dass ich meinen Mittelnamen als Nachnamen benütze: Seitdem bin ich in Hollywood als Andrea Martina bekannt.
Ich schrieb mich in The Acting Corps ein, eine Schauspielschule in Hollywood. Ein Jahr später besuchte ich die International School of Screen Acting in London. Eine hilfreiche Erfahrung, aber im Hinterkopf wusste ich, dass ich nach Kalifornien zurückkehren würde. Ich erhielt ein US-Künstlervisum, mit hard work und ein bisschen Glück. Seitdem lebe ich meinen Traum und bin happy; mittlerweile besitze ich die green card.

Lange wohnte ich mit Schauspielerkollegen in WGs zusammen, heute teile ich mit Arnie und unseren zwei Hündchen ein Haus. Arnie ist seit März mein Mann. Arnold Aldridge, so heisst er, lernte ich Cliché, Cliché auf dem Set bei einem Kurzfilm kennen. Er war der Regisseur, ich die Schauspielerin. Es war Liebe auf den zehnten Blick. Aber irgendwie verzauberte er mich. Dafür ist er ja Spezialist, denn im Hauptberuf sorgt er bei den Filmdrehs für die special effects.

Natürlich möchte ich irgendwann eine Hauptrolle in einem guten Film besetzen. Es muss nicht Titanic sein obwohl die Rolle der Rose traumhaft ist. Bis es so weit ist und ich für die lead role besetzt werde, versuche ich mir viel Wissen anzueignen. Deshalb taste ich mich in allen Bereichen vor, die irgend etwas mit Film und der Schauspielerei zu tun haben: Ich modle, fotografiere, schreibe Drehbücher oder produziere short movies. Für Passion Boulevard erhielt ich zwei Awards. Jetzt bin ich gerade an einem Projekt mit dem Arbeitstitel Guardian Angel dran.

Die Idee habe ich mit meinem Mann entwickelt. Es geht darin um acht ehemalige Schulkollegen, die sich in einem grossen Haus wiedersehen. Die Freude währt nicht lange: Einer nach dem andern stirbt. Es ist ein typischer whodunit. Das ist die Kurzform für who has done it?. So nennt man in der Filmsprache das Konzept, bei dem ein Mordfall nach und nach aufgeklärt wird. Der teaser ist zwar schon vorhanden, aber das Projekt steht noch in den Sternen.

Auf Statistenrollen habe ich keine Lust mehr. Man schaut aus 20 Metern Entfernung zu, wie die anderen den Hauptpart spielen. Das finde ich eher painful. Eine Zeit lang schauspielerte ich an Kindergeburtstagen. Ich spielte die Prinzessin und brachte die Augen der Kinder zum Leuchten. In Hollywood kellnern alle, die mit ihren Rollen nicht genug Geld verdienen. Da mache ich doch lieber etwas, das mit meinem richtigen Job zu tun hat. Irgendwann hatte ich es aber gesehen. Jetzt konzentriere ich mich ganz aufs Filmgeschäft und hoffe, dass es einschlägt. Zuletzt musste ich für die Rolle einer deutschen Nazifrau vorsprechen. Ich würde mich freuen, wenn es klappt. Eine research zu solch extremen Charakteren ist immer spannend.

Isenschmids Wörterbuch

wie ich spreche
verwirrt
Kurzfilme
besessen
Strand bei L. A.
Körper
Fitness-Studio
aufpumpen
Lebensschule
Beziehungen
Eisenschmied
wirklich lustig
US-Freifahrtschein
Spezialeffekte
Hauptrolle
Schutzengel
Wer hat es getan?
Kurz-Vorschaufilm
schmerzhaft
Recherche

  1. TITANIC: Jack Dawson is the man of my dreams und die Geschichte basiert auf einer wahren Begebenheit.
  2. DESERT FLOWER / WÜSTENBLUME: Inspirierend, wahr und eine sehr starke message.
  3. LA LA LAND: Eine Liebeserklärung an L.A., sehr realistisch und trotzdem full of hope. Emma und Ryan sind ein Traumpaar on screen.
  4. INSIDE OUT / ALLES STEHT KOPF: Hilarious, entertaining und bringt einen noch tagelang danach zum darüber Nachdenken, was in unseren Köpfen so abgeht.
  5. BLUE VALENTINE: Fantastic Acting die Behind the scenes sind einfach faszinierend. Michelle und Ryan spielen hochklassig!
  6. REQUIEM FOR A DREAM: Die Drogensucht ist sehr eindrücklich dargestellt. Da stimmt einfach alles: vom grandiosen Schauspiel über die Kamera bis zum Editing. Der Streifen hat mich auch inspiriert, meinen eigenen Kurzfilm (California Nightmare) zu drehen.
  7. THE DEVIL WEARS PRADA / DER TEUFEL TRÄGT PRADA: Ein faszinierender Einblick in die fashion world mit hoher Schauspielkunst von Meryl Streep und Anne Hathaway.
  8. NOTTING HILL: Genialer Mix zwischen love story und comedy a classic.
  9. LEGALLY BLONDE / NATÜRLICH BLOND: Nicht nur blond und pink, sondern ganz im Gegenteil a film with true woman power!
  10. ROMAN HOLIDAY / EIN HERZ UND EINE KRONE: Eine Prinzessin, die genug hat von ihren Verpflichtungen und einfach ein bisschen leben will Audrey Hepburn is so loveable!
  11. CLICK: Man soll nie versuchen, das Leben im fast-forward zu rennen live for the moment.
  12. ENCHANTED: Ich liebe Märchen und Amy Adams Princess attitude in New York City war sehr ansteckend!
  13. FORREST GUMP: Dieser Typ hat einfach alles gemacht, because why not?