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Begegnung

Memories das Weihnachts- und Liebeslied

Die 23-jährige Schweizerin Lisa Oribasi, die den Coop-Weihnachtssong interpretiert, holt sich in London das Rüstzeug für die grosse Karriere.

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Philip Kessler
27. November 2017

Singer-Songwriterin Lisa Oribasi hat allen Grund, erfreut in die Welt zu blicken.


Melancholischer Zauber

Vielleicht haben Sie ihn schon gehört, den neuen Weihnachtssong von Coop. Memories heisst das Lied, das von Lisa Oribasi dargeboten wird. Mit ihrer warmen Stimme verleiht die 23-jährige Freiburgerin der Ballade einen melancholischen Zauber. Für sie ist es ein Liebeslied. Weihnachten steht für die Liebe die Liebe zur Familie und zu den Freunden. Weihnachten ist die ideale Gelegenheit, alle seine Liebsten zusammenzubringen. Das ganze Jahr hindurch lebe jeder sein eigenes Leben und vergesse manchmal fast, dass die anderen existieren, erklärt die extrovertierte, temperamentvolle Sängerin.

Lisa Oribasi, die seit zweieinhalb Jahren in London wohnt, erzählt uns in einer gemütlichen Londoner Bar in einem Gemisch aus Französisch und Englisch ihren Werdegang. Sie habe sehr viel Glück gehabt, die Nachfolge von Lilly Ahlberg anzutreten, die letztes Jahr mit Love is Like die Goldene Schallplatte erhalten hatte. Schon zum dritten Mal in Folge wird die traditionelle Coop-Weihnachtssingle von der Zürcher Hitfabrik HitMill produziert. Oribasi wurde im Sommer eingeladen, eine Demoversion von Memories aufzunehmen, rechnete aber nicht damit, am Schluss auch ausgewählt zu werden. Doch kurz darauf fand sie sich mit dem Produzenten Georg Schlunegger im Tonstudio wieder. Das Projekt war von Anfang bis zum Schluss sehr angenehm, denn ich durfte wirklich mich selbst sein. Oribasi konnte in ihrem eigenen Stil singen, sich im Clip kleiden, wie sie wollte, und sogar alle Piercings drin lassen. Ich war überzeugt, dass ich zumindest meinen Nasenring rausnehmen müsse!, erklärt sie lachend.

Die schönste Kindheit der Welt

Die Tochter eines Italo-Griechen und einer gebürtigen Deutschen wuchs in Aigle VD und Liebistorf FR auf, bevor sie vor zwei Jahren mit ihrer Familie nach Dompierre VD zog. Ich hatte die schönste Kindheit der Welt. Meine Eltern lebten mir vor, wie man das Leben von der positiven Seite nimmt. Sie habe in ihrer Kindheit so viel Liebe bekommen, dass ihr das bestimmt für den Rest des Lebens reichen werde!

Im Alter von acht Jahren beginnt Lisa dank ihrer Lehrerin mit dem Gitarrenspielen und schreibt schon bald ihre ersten Lieder. Mit 14 nimmt sie Gesangsunterricht. Doch nicht alles lief immer so einfach im Leben der jungen Schweizerin. Das Ausnahmetalent liebt Folk und RnB und macht mit 18 bei der Gesangs-Castingshow The Voice of Switzerland mit, kommt jedoch nicht über die Blind Auditions hinaus. Nach The Voice of Switzerland habe ich ein Jahr lang mit der Musik aufgehört, sagt sie. Aus Enttäuschung, aber vor allem aus gesundheitlichen Gründen. Denn seit fünf Jahren leidet sie an der Infektionskrankheit Mononukleose, die Körper und Stimmbänder schwächen kann.

Trotz einer Logopädie-Therapie erholte sich ihre Stimme nicht. Dennoch träumte die Kämpferin davon, an einer Audition in London für die Aufnahme an die renommierte Musikhochschule British and Irish Modern Music Institute teilzunehmen. Ihr Arzt riet ihr davon ab und prognostizierte, dass sie nicht mehr singen könne. Doch dann geschah ein kleines Wunder: Ihr neuer Arzt, den sie konsultierte, empfahl ihr, sich die Mandeln entfernen zu lassen. Und tatsächlich: Gleich nach der Operation merkte ich, wie es bergauf ging. Heute habe sie so viel Energie wie nie zuvor. Ich bin meinem alten Arzt dankbar dafür, dass er mich dazu anspornte, ihm zu beweisen, dass er Unrecht hatte! Das Vorsingen war erfolgreich, nun bin ich bereits im dritten Jahr meines Musik-Bachelors.

Am Musikinstitut schreibt Oribasi täglich neue Stücke und nimmt diese auf. Mit der Eigenkomposition Cherry Tree machte sie auf sich aufmerksam. Als ich am Institut anfing, war ich das Mädchen vom Land mit der Akustikgitarre. Heute spiele ich auch Elektrogitarre und experimentiere mit verschiedensten Musikstilen.

Auch wenn ihr London hilft, den Horizont zu erweitern, verspürt die Singer-Songwriterin manchmal Heimweh nach der Schweiz. Immer, wenn mir die Natur wirklich fehlt, umarme ich einen Baum. Das tut gut und gibt mir Energie. Die Natur fehlt ihr: In der Schweiz setzte ich mich mit der Gitarre auf eine Wiese, und diese Ruhe half mir, einen guten Song zu schreiben.

Und wie sieht sie ihre Zukunft? In zehn Jahren möchte ich in verschiedenen Ländern Konzerte geben, denn ich reise sehr gerne. Wenn ich von der Musik leben und mit meiner Gitarre herumreisen kann, bin ich sehr glücklich.