X

Beliebte Themen

Begegnung

Mit Herzblut: Ohne Bumann Gäbe es unser Lokal nicht mehr

Jörg und Gisela Gschwind wurden von Restauranttester Daniel Bumann hart rangenommen. Heute sind die beiden froh darüber.

TEXT
FOTOS
Heiner H. Schmitt
13. Februar 2017

Jörg (46) und Gisela (45) Gschwind haben wieder Grund zu lachen.


Kehlengrabenschlucht

Bei Gisela und Jörg Gschwind dreht sich alles ums Essen. Sie führen das Restaurant Kehlengrabenschlucht in Hofstetten im Solothurnischen. Ihr Hobby ist gut essen gehen. Und kennengelernt haben sie sich vor zwei Jahrzehnten wie könnte es anders sein in einem Restaurant. Jörg arbeitete als selbstständiger Schreiner, Gisela half ihm fortan bei der Buchhaltung daraus wurde Liebe. Liebe am Arbeitsplatz, sagt Jörg Gschwind und muss lachen. Der Hofstetter ist ein aufgestellter, stets optimistischer Mensch. Das war auch so, als er schwere Zeiten durchmachte.
2010 erfüllten sich die beiden ihren Lebenstraum und eröffneten die Kehlengrabenschlucht. Und machten sich mit viel Leidenschaft und Einsatz an die Arbeit. Doch unter dem Strich blieb Ende Monat nichts übrig, die Reserven schwanden. Gisela Gschwind, die Herrin über die Zahlen, merkte schnell, dass etwas passieren muss, um das Ruder herumzureissen. Was genau, wussten die beiden als Quereinsteiger in die Gastronomie jedoch nicht. So meldeten sie sich in ihrer Not bei den Kochprofis und Küchenchefs, die im deutschen Fernsehen schlingernden Lokalen mit Ratschlägen beistehen und sie auf die Erfolgsstrasse zu führen versuchen.
Schliesslich wurde ihr Dossier an die Schweizer TV-Version auf dem Privatsender 3+ weitergereicht, mit Daniel Bumann in der Rolle des knüppelharten Kritikers, der kein Blatt vor den Mund nimmt. Der 18-Punkte-Koch aus La Punt im Engadin verlangte dem Wirtepaar, aber auch sich selber alles ab. Es waren sehr schwere Tage, erinnert sich Jörg Gschwind. Keine Szene war gestellt oder wurde wiederholt. Als wir den Film dann das erste Mal im Fernsehen sahen, sind wir selber erschrocken, sagt Gisela Gschwind. Die Nothilfe war jedoch überlebenswichtig für das Restaurant. Ohne Daniel Bumann, ist sich die Wirtin sicher, gäbe es dieses Lokal nicht mehr. Er hat uns in die richtige Richtung geschubst.

Der widerspenstige Jungkoch

Dabei hatte er die Kehlengrabenschlucht nach dem ersten Tag sichtbar ratlos verlassen. Zwar war er angetan vom Herzblut und dem Einfallsreichtum des Wirtepaares; die nachgebaute Schlucht im Untergeschoss, in der als Spezialität flambierte Spiesse aufgetischt werden, fand er originell. Ansonsten jedoch überwogen klar die Probleme. Da erwartet uns noch einiges!, sagte er in die Kamera und sollte recht behalten. Besonders grosse Defizite ortete er in der Küche, wo Jungkoch Erik überfordert war und sich sehr widerborstig zeigte. Es gibt einen guten und einen schlechten Tag, sagte Erik in einer Szene, und heute ist ein schlechter Tag. Genau so kochte er dann auch.
Aber auch Jörg Gschwind wurde von Bumann rangenommen. Er forderte von ihm, dass er nicht nur in der Beiz anwesend ist, sondern in der Küche mithilft. Der Schreiner gehört an den Herd!, erklärte der Restauranttester im ultimativen Befehlston. Gschwind tat, wie ihm geheissen, und kapierte schnell, was es zu tun gab. Er verkleinerte die Karte, tauschte das ganze Team mit einer Ausnahme aus und wusste von nun an immer, was in der Küche lief. Seit 2012 gab es keine Wechsel beim Personal. Darauf sind wir stolz, so Gisela Gschwind.
Während bei vielen Restaurants, die von Bumann beraten werden, Hopfen und Malz verloren sind, schafften die Gschwinds die Wende. Vier Jahre nach seinem ersten Besuch luden sie Bumann zur Eröffnung einer zusätzlichen Grotte in die Kehlengrabenschlucht ein. Der Maestro kam und machte daraus gleich eine weitere Folge der beliebten TV-Serie. Jörg Gschwind erkannte er beim Wiedersehen zuerst nicht mehr: Der Wirt hatte wegen einer Krankheit 55 Kilogramm abgenommen. Bumann reagierte geschockt, erholte sich aber schnell wieder, als er sah, dass seine Ratschläge eine bleibende Wirkung hinterlassen hatten; heute geht es Jörg Gschwind wieder gut. Die Sendung schloss etwas pathetisch mit den Worten: Wenn du am Abgrund stehst, musst du nicht springen!

Keine schlaflosen Nächte mehr

Gisela und Jörg Gschwind standen einst am Abgrund, sprangen aber nicht, sondern machten weiter. Das vergangene Jahr war das beste in der Geschichte der Kehlengrabenschlucht. Es hat sich bewährt, dass das Lokal nur noch abends geöffnet ist und hauptsächlich auf Erlebnisgastronomie setzt. Tagsüber arbeiten die beiden, sie weiterhin als Buchhalterin, er als selbstständiger Schreiner. Dieses zweite Standbein erweitert den finanziellen Spielraum, um für den nächsten Schritt bereit zu sein: Demnächst wollen sie das Haus übernehmen. Schlaflose Nächte werden sie deswegen nicht mehr haben. Ganz anders als während des ersten Besuchs von Daniel Bumann. Damals kamen wir mächtig ins Rotieren, sagt Gisela Gschwind. Jörg ergänzt: Wir haben ganz schön geschwitzt.

Die neue Staffel Daniel Bumann, der Restauranttester läuft jeweils am Montagabend ab 20.15 Uhr. Im Anschluss daran folgen Wiederholungen aus früheren Jahren.

Erfolgstory

Ehepaar Gschwind: So wird Das Wirten zur Erfolgsstory

Privat muss es stimmen!
Eine funktionierende Partnerschaft hilft enorm.

Ohne Herzblut geht nichts!
Leidenschaft für den Beruf hilft in schwierigen Zeiten.

Sich nicht verbiegen!
Man muss offen für Neues sein, aber sich selber bleiben.