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Begegnung

Von Gewinnern und Verlierern

Willy Mesmer von Swisslos weiss, ob fette Lottogewinne die Glückspilze wirklich glücklich machen.

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Kostas Maros
26. Dezember 2017

Willy Mesmer am Hauptsitz von Swisslos in Basel: Eine Million macht nicht unglücklichim Normalfall.


Wenn beim Swiss Lotto ein grosser Jackpot im Spiel ist, dann kreuzt auch Willy Mesmer seine Lieblingszahlen an. Verraten will sie der 62-jährige Basler, der bei Swisslos für die Wettbewerbsdurchführung und den Betrieb verantwortlich zeichnet, natürlich nicht. Dafür sagt er ganz offen, was er mit einem richtig fetten Gewinn machen würde: Dann kaufe ich mir eine Insel. Und zwar eine einsame: Tanera Mor. Das über 300 Hektaren grosse Eiland vor der schottischen Nordwestküste steht seit Längerem zum Verkauf und ist mit dem Preis von 2,5 Millionen Pfund ein Schnäppchen zumindest für jemanden, der Multimillionär geworden ist. 2014 gewann ein Glückspilz 48,5 Millionen Franken. Mit dem Rekordgewinn im Schweizer Zahlenlotto lägen sogar mehrere Inselchen drin.

Ansonsten würde Willy Mesmer, Mister Lotto, in seinem Leben zuerst gar nicht viel ändern. Das rät er auch den Gewinnern, wenn er mit ihnen in Kontakt tritt; was bei allen der Fall ist, die über eine halbe Million Franken einsacken dürfen. Also nicht gleich die Kündigung oder die Scheidung einreichen oder das ganze Dorf zu einer krachenden Party einladen! Sondern erst ein paar Nächte darüber schlafen. Und sich bewusst sein, dass zuerst die Verrechnungssteuer abgezogen wird und die Lotteriegewinne im ersten Jahr einkommenssteuerpflichtig sind. Sobald der erste Glücksrausch nachlässt und der kühle Kopf wieder da ist, darf die gewonnene Summe in den Lebensplan einbezogen werden.

Geld weg, Job weg, Frau weg
Mesmer arbeitet seit 1983 bei der Glücksspiel-Genossenschaft, die noch vor dem Zweiten Weltkrieg gegründet wurde. In all den Jahren hat er viele neue Millionäre kennengelernt. Und dabei die Erkenntnis gewonnen: Eine Million macht nicht unglücklichim Normalfall. Der Zusatz ist angebracht, wie der Fall des ersten und berühmtesten Lotto-Millionärs zeigte: Werner Bruni, mittlerweile verstorben, gewann am 28.April 1979 vor Steuern 1,7 Millionen Franken. Von da an gings mit dem Sanitärinstallateur aus Spiez aber steil bergab. Bruni verspekulierte sich beim Kauf eines Mehrfamilienhauses, und auch seine Frau trug nicht Sorge zum Geld. Sechs Jahre nach dem Millionengewinn war er tief gefallen: Geld weg, Job weg, Frau weg.

Mesmer lernte Bruni später kennen: Mich beeindruckte, dass er trotz aller Tiefschläge keinen geknickten Eindruck machte. Als Werbegag durfte der Pechvogel, der Privatkonkurs hatte anmelden müssen, bis ans Lebensende zu jeder Ziehung gratis einen Lottozettel ausfüllen. Er landete dann tatsächlich nochmals einen 5er, erinnert sich Willy Mesmer, und kaufte sich damit einen neuen Fernseher. Eine unglaubliche Geschichte, vor allem, wenn man bedenkt, wie gering die Wahrscheinlichkeit auf solch hohe Gewinne ist. Bei 5 Richtigen plus Glückszahl beträgt sie 1:145000, bei 6 Richtigen und Glückszahl 1:31 Millionen. Trotzdem gibt es immer wieder Lotto-Millionäre, zuletzt gewann ein Zürcher bei den Euro Millions sagenhafte 157 Millionen Franken.

Glück hatte auch eine Familie, die ebenfalls einen stolzen Betrag gewann. Als Mesmer die Familie in seinem Büro empfing, fiel ihm auf, dass der Vater sich gar nicht richtig freuen wollte. Er misstraute dem Glück. Was, wenn ich das ganze Glück aufgebraucht habe? Muss ich für meinen Geldsegen nun mit einer Pechsträhne bezahlen? Die Angst stand dem glücklichen Gewinner ins Gesicht geschrieben. Mesmer konnte ihn jedoch beruhigen: In der Regel kommt es gut.

Das zeigen auch Mesmers Nachfragen bei den Grossgewinnern der vergangenen Jahre. Bei der Mehrheit hatte der zusätzliche Zahltag keinen negativen Einfluss auf die Beziehung zum Partner und die meisten wohnten immer noch im gleichen Haus. Der Grossteil hat sein Leben nicht dramatisch verändert, sondern nutzt das gewonnene Geld für die kleinen Freuden im Leben etwa auswärts essen oder schönere Ferien.

Allerdings gibt es auch hier Ausnahmen, die ihr Leben komplett auf den Kopf stellen. Mesmer weiss von einer älteren Dame, die vor längerer Zeit dank eines Lotto-Gewinns auf einen Schlag fünf Millionen Franken mehr auf ihrem Konto hatte. Als ich mit ihr telefonierte, befand sie sich gerade in einem Möbelhaus. Sie ziehe jetzt aus dem Altersheim wieder aus und nehme gleich noch den Partner mit, den sie dort kennengelernt habe. Heute, mit 90, wohne sie immer noch in der Dreizimmerwohnung und sei total happy mit ihrem Leben.

Was aber bedeutet Glück für ihn, der schon so viele Glückspilze gesehen hat? Glück ist etwas, das man mit Geld nicht kaufen kann: eine gute Chemie in der Beziehung oder ein besonderer Moment in den Ferien, bei dem einfach alles stimmt. Wer vorher schon glücklich gewesen sei, findet Willy Mesmer, besitze gute Chancen, dies auch als Millionär zu bleiben.

Willy Mesmer: Goldene Tipps für Lotto-Millionäre

Durchatmen!
Am besten tun Sie erst mal gar nichts. Warten Sie, bis sich die erste Aufregung gelegt hat.

Schweigen und geniessen!
Halten Sie den Kreis der Mitwisser möglichst klein.

Verwirklichen Sie Ihre Träume!
Eine totale Neuausrichtung muss trotzdem gut überlegt sein.