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Begegnung

Wir wollen mehr Anerkennung!

Levente Tregova, Europameister im Pinball, kämpft für seinen Sport.

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FOTOS
Roberto Ceccarelli
30. Januar 2017

Levente Tregova in seinem Reich, wo über 30 farbig leuchtende Flipperkästen stehen.


Voller Einsatz

Levente Tregova hat nur einen Wunsch, als er sein Flipperlokal Pinball-Party in Schaffhausen aufschliesst: Bitte keinen Personenkult! Wenn er Keith Elwin wäre, würde er es noch verstehen, denn der US-Amerikaner sei der Roger Federer des Pinball, wie Flippern offiziell genannt wird. Elwin ist eine Legende in seinem Sport, er belegt in der Weltrangliste seit Jahren den ersten Platz und finanziert seinen Lebensunterhalt von den Preisgeldern. Davon bin ich weit entfernt, sagt Tregova, der im Worldranking auf Platz 145 liegt. Das höchste Preisgeld, das er einsackte, waren die 4000 Franken, die ihm als Sieger der Swiss Flipper Tour im Jahre 2015 an die Teilnahme an der WM in Pittsburgh gezahlt wurden. Im vergangenen Frühling flog er für zehn Tage in die USA, wo er fast nur das Innere von Flipperlokalen sah. Tregova fand die World Pinball Championships trotzdem ein tolles Erlebnis, am Ende wurde er in der höchsten Stärkeklasse 86. von 121 Teilnehmern.

Der 39-jährige Schaffhauser lebt seine Leidenschaft. Seit über zehn Jahren nimmt er in aller Welt an Turnieren teil. 2012 wurde er in Madrid Europameister. Vor zwei Jahren hat er den Pinball-Club im ehemaligen Käselager der Molkerei Schaffhausen eröffnet und die Räume in Eigenregie ausgebaut. Heute stehen hier über 30 Flipperautomaten, die meist aus dem vorigen Jahrhundert stammen und ganz schön viel Lärm machen, wenn sie alle in Betrieb sind. Dann noch das schummrige Licht und die Bar beim Eingangsbereich so sahen früher doch die Spielhöllen aus, in denen man beim Flippern innert kürzester Zeit jede Menge Einfränkler loswerden konnte! Anfang des Jahrtausends trat ein neues Gesetz in Kraft, das Geldspielautomaten nur in Casinos erlaubte. Die Spielsalons in den Innenstädten gingen reihenweise zu sehr zum Bedauern der Pinball-Anhänger. Im Club von Levente Tregova hat man nun die Möglichkeit, wieder dem Flipper-Hobby zu frönen. Einfränkler brauchen die Spieler dafür keine mehr. Sie bezahlen nur für den Eintritt ins Lokal. Und nutzen das Angebot gerne.

Darts und Billard als Vorbilder

Tregova hat lange an einer Sekundarschule als Klassenlehrer gearbeitet und Sprachen unterrichtet; nun übernimmt er nur noch zwischendurch Stellvertretungen. Zudem betreibt er mit seiner Frau eine Kinderkrippe. Und ein weiteres Standbein ist eben sein Pinball-Club in Schaffhausen. Dort bietet er Firmenevents an, regelmässig veranstaltet er auch Turniere und Familien-Flipper-Nachmittage.
Von einer Spielhölle, wie wir sein Lokal vorhin genannt haben, will er nichts wissen. Er winkt ab: Das ist ein Klischee, von dem wir weg wollen. Die Schüsseln mit Äpfeln, die überall stehen, passen tatsächlich schon mal nicht zum eher verruchten Image, das Spielhöllen hatten. Zudem seien die Spiele an den Flipperkästen wie gesagt kostenlos. Tregova möchte unbedingt mehr Anerkennung fürs Flippern. So wie das Darts oder Billard auch geschafft haben. Diese zählen wie Pinball zu den sogenannten Bar Sports und haben heute ein Millionenpublikum, das vor dem Fernseher mit den Sportlern mitfiebert.

Das dürfte beim Spiel mit der Silberkugel etwas schwieriger sein: Zwar wird etwa die WM in Pittsburgh im Internet live übertragen, doch für den normalen Zuschauer ist nur sehr schwer ersichtlich, wie der Spieler am meisten Punkte ergattern kann. Denn an jedem Flipperkasten gibt es eine andere Mission zu erfüllen. Levente Tregova informiert sich deshalb, bevor er an einem grösseren Turnier teilnimmt, an welchen Kästen gespielt wird, und studiert diese anhand der Spielanleitung oder von Videos auf Youtube.

Auf der Suche nach mehr Anerkennung für seinen Sport hat sich Tregova vor drei Jahren auch an Swiss Olympic gewandt. Mittlerweile sind die Bedingungen für eine Aufnahme beinahe erfüllt etwa, dass der Schweizer Flipper-Verband Swisspinball über 1000 Mitglieder zählen muss. Demnächst möchte Tregova als Gründer des Schweizer Flipper-Dachverbandes wenn möglich ein Aufnahmegesuch zur Anerkennung als Sportart stellen. Swiss Olympic wird dann wohl im Herbst darüber befinden. Die Aufnahme wäre ein grosser Schritt für den Pinball-Sport in der Schweiz.

Wir beenden unseren Besuch, Personenkult haben wir nicht betrieben. Levente Tregova wollte vor allem übers Flippern reden. Am Ende aber verriet er doch noch, dass seine drei Buben auch gerne flippern. Das tun sie, seit ihre Arme genug lang sind, um an beide Druckknöpfe zu kommen.

Die von den Coop-Einkaufszentren organisierte Swiss Flipper Tour startet am 1.Februar im Léman Centre in Crissier und macht danach in weiteren Coop-Einkaufszentren halt. Die Teilnahme ist kostenlos. Der Final wird am 11.November im Centre Bahnhof Biel ausgespielt.

Tipps

Tregovas Tipps für ein gutes Flipper-Spiel

Cool bleiben!
Egal, was man tut irgendwann verschwindet die Kugel auf jeden Fall im Loch.

Nie beide Flipperfinger gleichzeitig einsetzen!
Ein beliebter Anfängerfehler.

Grundtechniken lernen!
Sprich: Kugel stoppen, abprallen lassen sowie die Seite wechseln.

Alles über die Swiss Flipper Tour von Coop