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Porträt

«Ich finde jeden»

Seit 35 Jahren ist Bruno Strebel als Privatdetektiv unterwegs. In dieser Zeit hat er nicht nur spannende Fälle erlebt, sondern auch viel Wissen angehäuft, welches er nun weitergibt.

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Daniel Aeschlimann
10. September 2018

Observieren sei eine seiner Stärken, sagt Bruno Strebel.

Bruno Strebel schaut keine Krimis. Die wilden Verfolgungsjagden, die brutalen Schlägereien, die spektakulären Wendungen – das sei unrealistisch. Aber immer wieder würden Leute in seine Akademie kommen, die genau das erwarten. «Dann muss ich sie leider enttäuschen.»

Der 68-Jährige bildet Detektive aus. Zu diesem Zweck hat er vor acht Jahren die Akademie für Privatdetektive in Zürich Höngg gegründet. «Meine beiden Söhne haben mich dazu überredet», erzählt er. «Sie waren der Meinung, ich müsse mein Wissen unbedingt weitergeben.» Dieses hat er sich in fast 35 Jahren Detektivarbeit angeeignet.

Angefangen hat die ungewöhnliche Karrierewahl mit einer Liebe zu Flugzeugen. «Jeder Junge will einmal Pilot oder Lokomotivführer werden», sagt Strebel. Ein Pilot wurde aus ihm zwar nicht, aber er fand einen Weg, den geliebten Maschinen nahe zu sein: als Polizist am Flughafen Zürich. Bei einem Kontrollgang in der Abflughalle wurde er von einem Fremden angesprochen. «Er habe mich beobachtet: Mein Vorgehen würde eher jenem eines Detektivs als jenem eines Polizisten entsprechen.»

Sofort Feuer und Flamme

Der Unbekannte war Privatdetektiv und gab Strebel seine Karte. «Ich nahm das nicht wirklich ernst und ignorierte die Karte mehrere Monate.» Aber eines Tages meldete sich der Zürcher doch bei dem Herrn aus dem Flughafen und war sofort vom Metier fasziniert. «Er wurde zu meinem Mentor. Von ihm lernte ich alles von Grund auf und wir arbeiteten bis zu seinem Tod zusammen.»

Die Zeit war damals noch eine andere. «Als ich anfing, hatte kein einziger Detektiv einen Computer», erzählt Strebel. «Man musste noch für alles auf die Strasse, in Zeitungsarchiven recherchieren oder auf Ämtern vorbeigehen. Internetseiten wie Facebook und Moneyhouse haben unsere Arbeit leichter gemacht.» Doch alles lässt sich nicht am Bildschirm erledigen: Observationen gehören noch immer fest zum Berufsalltag. Sie seien eine Stärke von ihm, doch sogar er sei in seiner Karriere schon dreimal ertappt worden. «Das kann leider auch den Besten passieren.»

Zum Observieren hat der Detektiv diverse Hilfsmittel, darunter einfach zu versteckende Kameras und Mikrofone. Was man unter welchen Umständen aufzeichnen darf, ist zwar gesetzlich streng geregelt. Doch muss man für eine Observation nicht über den einen oder anderen Paragrafen hinwegsehen? «Nein», sagt Strebel bestimmt. «Ich kenne viele Detektive, die Gesetze übertreten haben. Sie alle sind heute nicht mehr im Geschäft. Ich lehne einen Auftrag lieber ab, als mich strafbar zu machen.»

Rechtskunde sei denn auch eine von vielen Lektionen an seiner Akademie. Aber dass Privatdetektiv in der Schweiz kein geschützter Titel mit klaren Vorgaben ist, mache es nicht einfacher. «Ich bin sicher: Irgendwann werden Detektive mehr Kompetenzen erhalten, denn wir erledigen wichtige Aufgaben, für die die Polizei keine Zeit hat. Wir finden zum Beispiel Leute, die vor ihren Schulden ins Ausland abhauen.»

Für die Detektivarbeit brauche es Lebenserfahrung, sagt Strebel. «Zudem Durchhaltevermögen und einen gewissen Spürsinn, die Fähigkeit zu kombinieren. Und man solte sich in den Fuchs – so nennen wir die Zielperson – hineinversetzen können, denken wie er.» Letzteres könne er sehr gut. «Personenfahndungen sind deshalb meine Stärke. Früher oder später finde ich jeden.»

Im Internetzeitalter werden auch Strebels Kunden immer besser dabei, Leute aufzuspüren und Dinge herauszufinden. «Manche kommen schon mit riesigen Dossiers zu uns, sind aber an einem Punkt stecken geblieben. Dann macht oft das Beziehungsnetz, das ich in den Jahren im Beruf aufbauen konnte, den entscheidenden Unterschied.»

Fremdgänger entlarven

Früher waren es vor allem Scheidungen, die Strebel Kundschaft bescherten. Denn das Gesetz bestrafte damals noch den Fremdgänger. Beweise vom Privatdetektiv waren darum begehrt. Seit dies vor dem Gesetz keine Rolle mehr spielt, haben sich auch die Fälle verändert. «Jetzt kommen etwa Eltern zu mir, die wissen möchten, was ihre Jugendlichen treiben. Oder es sind alleinerziehende Mütter, die anzweifeln, dass der Vater keinen Unterhalt bezahlen kann.»

Auch Eifersuchtsfälle gebe es noch ab und zu. Oft entdeckt der Detektiv dann, dass gar keine andere Frau für das verdächtige Verhalten des Ehemanns sorgt, sondern ein anderer Mann oder sonst ein unerwartetes Doppelleben. «Es ist erschreckend zu sehen, wie ausgeklügelt manche lügen und was sie vor ihren Partnern verstecken.» Am verstörendsten werden für Strebel aber immer die Fälle bleiben, die mit Kindern zu tun haben. «Kindesmisshandlungen zum Beispiel. So etwas kann ich nicht einfach abschütteln. Bisher konnte ich es immer verarbeiten – sicher auch, weil ich noch nie einen Fall mit tödlichem Ausgang erleben musste.» Auch da unterscheidet sich Bruno Strebels Alltag zum Glück von jenem eines Fernseh-Detektivs.