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Porträt

Haisser Job

Ornella Weideli hat keine Angst vor Haien. 
Vielmehr fürchtet die Bernerin, dass die Meerestiere 
in ihrem Lebensraum bedroht sind.

FOTOS
Clare Daly | Save Our Seas Foundation
27. August 2018

Ornella Weideli und ihre spannenden Tiere hier vermisst sie einen Schwarzspitzen-Riffhai.

Ornella Weideli wählt den Flughafen Zürich als Treffpunkt. Das passt zu ihrem Lebensstil: Die 32-jährige Bernerin ist dauernd unterwegs, ein festes Zuhause hat sie seit 2013 nicht. Weideli ist Haiforscherin und pendelt zwischen der Schweiz, Frankreich, wo sie ihre Doktorarbeit schreibt, und tropischen Destinationen wie den Seychellen, Florida oder Französisch-Polynesien. Das ist ungewöhnlich, sie schwimmt damit gegen den Strom.

Heute sagt ihre Mutter, dass es spannend sei, so eine Tochter zu haben: «Es wird uns nie langweilig mit ihr.» Der Vater versuchte zwischendurch, sie von einer anderen, «normaleren» Berufswahl und damit verbunden einem sicheren Einkommen zu überzeugen: «Warum nicht Biologielehrerin?» Er scheiterte kläglich.

Zuerst spezialisierte sie sich in ihrem Studium auf Zellbiologie, verbrachte jedoch viel zu viel Zeit drinnen, wie sie findet. Schliesslich bewarb sie sich auf den Bahamas bei einer Haistation, dem Shark­lab in Bimini, für ein Praktikum – und bekam den Zuschlag. Schon von klein auf hatte sie sich für das Meer und seine Bewohner interessiert und sie in allen Farben und Schattierungen gemalt. Sogar wenn sie einen Pferdebauernhof zeichnete, musste im Hintergrund irgendwo ein Fisch aus dem Wasser äugen. Nun hatte sie zu ihrer Bestimmung gefunden.

Ein richtiger Wow-Effekt

Für ihre Masterarbeit untersuchte sie die Ernährungsweise von jungen Zitronenhaien. Sie zeigte sich sichtbar fasziniert davon, wie sie den eingefangenen Tieren auf einfachste und harmlose Weise den Mageninhalt entnehmen und analysieren konnte: «Das war ein richtiger Wow-Effekt!» In ihrer Doktorarbeit schreibt die Meeresbiologin nun über das Verhalten und Zusammenleben von jungen Schwarzspitzen-Riff- und Zitronenhaien; damit will sie zeigen, dass der Lebensraum der Haie sehr begrenzt und dieser somit umso schützenswerter ist. Gefährdet seien vor allem die grossen Haiarten, bei denen es länger dauert, bis sie sich vermehren.

Das Schweizer Fernsehen begleitete sie bei ihren Feld-, oder besser gesagt Meeresstudien für die vierteilige Serie 
«Wasserwelten» (ab 31. August, 21.05 Uhr, SRF1) auf die Seychellen, genauer auf das kleine Eiland D‘Arros: Dieses ist nur 
1,7 Quadratkilometer gross, hat aber immerhin eine Landebahn und zählt gerade mal 30 Einwohner. Weideli wohnt dort in einfachen Verhältnissen, die Unterhaltungsmöglichkeiten sind arg begrenzt.

Dafür wird sie reichlich entschädigt, mit einer grossen Artenvielfalt, tollen Sandstränden sowie prächtigen Sonnenuntergängen. Und natürlich mit der Anwesenheit zahlreicher Haie, «diesen spannenden Tieren», wie sie sagt, «zu denen heute jeder Mensch eine emotionale Beziehung hat». Viele sind von ihnen fasziniert, noch mehr aber haben Angst vor den Knorpeltieren – spätestens seit Steven Spielbergs «Weisser Hai» sich in Strandnähe auf Menschenjagd begab. «Diese Angst ist unberechtigt», sagt Weideli. Tatsächlich kommen nur wenige Menschen durch Haie ums Leben; letztes Jahr waren es fünf. Sie selber kam Haien schon oft nahe, gefährlich wurde es jedoch nie. Das Highlight erlebte sie vor der Kokos-Insel, die zu Costa Rica gehört: Für den Discovery Channel moderierte sie eine Hai-Dokumentation – und sah sich plötzlich von Hunderten von Hammerhaien umgeben.

«Ein unbeschreibliches Spektakel», sagt sie und wird dabei wehmütig. Keine Frage: Sie muss wieder zurück, hinaus aufs Meer zu den Haien. Noch ein halbes Jahr braucht sie für ihre Doktorarbeit. Wie es danach weitergeht, weiss sie noch nicht. Man kann aber davon ausgehen: Ornella Weideli wird weiter gegen den Strom, aber mit den Haien schwimmen.


«DOK»-Serie: «Wasserwelten»

Ab Freitag, 31. August 2018, 21.00 Uhr, SRF 1

Wasser ist ihre Leidenschaft: Am Traumstrand von Raja Ampat in Indonesien, auf den Seychellen, in Ostgrönland und in der Schweiz begleitet «DOK» in einer neuen vierteiligen Serie Menschen, die sich ganz dem Element Wasser verschrieben haben. Schon als Kind liebte Ornella Weideli Meerestiere über alles und zeichnete Delfine, Haie und Wale. Heute hat sie ihren Traum wahr gemacht und erforscht als Doktorandin auf den Seychellen die Habitate junger Zitronen- und Schwarzspitzenriffhaie. So hofft die 32-jährige Bernerin einen Beitrag zum Schutz der Haie, die evolutionsgeschichtlich älter als Dinosaurier sind, leisten zu können.

Im indonesischen Tauchparadies Raja Ampat engagiert sich der Glarner Jonas Müller für Naturschutz und nachhaltige Entwicklung. Als Umwelterzieher und Englischlehrer sensibilisiert er die Kinder für ein intaktes Ökosystem und will sie damit für den künftigen Tourismusboom wappnen. Der 28-Jährige ehemalige Betriebsökonom lebt auf der Insel Sawinggrai ein einfaches Leben, genau wie die einheimische Bevölkerung.

Den Zürcher Robert Hansen zieht es immer wieder in den hohen Norden. Der Fotograf und Multimediajournalist wird beim Eistauchen warm ums Herz, er vergisst die Kälte und lässt sich ganz auf die bezaubernde Unterwasserwelt ein. Dabei erlebt er den vielleicht schönsten Tauchgang seines Lebens.

Eistauchen ist nur eines von vielen Hobbys von Adelrich Uhr. Der Zürcher verbringt fast seine gesamte Freizeit unter Wasser. Dabei erforscht der Hobbyarchäologe akribisch die Geheimnisse versunkener Wracks in Schweizer Seen. Der Teammensch packt auch an, wenn es darum geht, die Schönheit der Unterwasserwelt zu bewahren.