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Begegnung

Reisesucht: Mit dem Camper um die Welt

Yvonne und Bruno Blum gingen mit dem Wohnmobil auf grosse Tour. Nun ist ein Buch darüber erschienen.

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zvg
19. Februar 2018

Yvonne (hinten Mitte) und Bruno Blum (vorne 2.v.l.) inmitten der kirgisischen Grossfamilie. Das Gefährt hinten gehört übrigens den Kirgisiern.


Bruno (52) und Yvonne (44) Blum sind schon längere Zeit auf dem Weg des Bewährten unterwegs, wie sie es nennen. Dieser Weg beinhaltet ein geordnetes Familienleben mit Tochter Olga (2) in einem Eigenheim hoch über dem Entlebuch mit fantastischer Aussicht. Sie wissen morgens, was der Tag bringen wird, und das ist gut so. Wir haben nichts dagegen, nun an diesem Ort zu verweilen, sagt Bruno Blum. Bald schon wird das zweite Kind zur Welt kommen.

Nicht immer waren die Blums so sesshaft, schon gar nicht Bruno. Früh packte ihn die Abenteuerlust, mit dem Töff bereiste er erst Länder wie Libyen, Ägypten oder Tunesien, um später auf die ganz grosse Tour zu gehen: Während vier Jahren durchfuhr er fast alle Kontinente und umrundete zusammengerechnet mehr als dreimal die Erde. Von den alltäglichen Verpflichtungen befreit, lebte er einzig im Moment. So ungebunden und weit weg von zu Hause fühlt man sich ungemein lebendig, sagt Blum, dem schon bald nach seiner Rückkehr klar war: Ich muss nochmals los. Das Reisen war für ihn damals zu einer Art Sucht geworden, die er unbedingt stillen wollte: Sobald der gelernte Förster genug Geld beisammen hatte, gab es kein Halten mehr.

Das Motorrad als Fortbewegungsmittel kam nun allerdings nicht mehr infrage; er wollte Yvonne etwas mehr Komfort bieten und so machten sich die beiden vor ein paar Jahren mit einem gebrauchten Lieferwagen, den sie zum Campingbus umgebaut hatten, auf die weite Reise. Die Innenausstattung war tatsächlich komfortabel: Im Hubdach befand sich ein 1,05 Meter breites Bett, unten reichte der Platz für eine drei Quadratmeter grosse Wohnküche und zusätzlichen Stauraum. Die beiden hatten an alles Menschenmögliche gedacht und spürten bei ihrer Abfahrt doch dieses seltsame Rumoren im Bauch, das einen vor weiten Reisen regelmässig befällt. War es wirklich klug, alles zurückzulassen und sich ins Ungewisse zu stürzen?

Festmahl am Strassenrand

Ja, es war die richtige Entscheidung. Es gibt keine bessere Lebensschule als das Reisen, sagt Bruno Blum. Man lernt andere Werte kennen, sieht die Dinge in einem neuen Licht, vor allem aber begegnet man spannenden Menschen aus anderen Kulturen. Und die meisten von ihnen sind sehr herzlich. So wie in Kirgisistan, wo sie einer Grossfamilie begegneten, die am Strassenrand lagerte. Die Blums verstanden zwar kein Wort, aber die Gesten der Kirgisier machten klar, dass sie gerade eingeladen wurden: zum Festmahl mitsamt aller Innereien und den grossen Fettstücken eines frisch geschlachteten Schafes. Wir verständigten uns mit Händen und Füssen, erinnert sich Bruno Blum, irgendwann schafften sie es, uns klarzumachen: Ihr seid doch Mann und Frau, weshalb habt ihr keine Kinder? Beim Abschied wurden die so sonderbaren, aber freundlichen Schweizer mit weiteren Innereien für die Weiterreise versorgt.

90000 Kilometer legte das Paar mit dem Camper in den zweieinhalb Jahren unfallfrei zurück; von der Schweiz aus ging es durch Osteuropa über Sibirien nach Iran, Pakistan, Indien, Nepal, über Australien weiter nach Malaysia, Japan, Südkorea, die Mongolei und wieder zurück über Russland in die Schweiz. In Pakistan erhielten sie von der Polizei ungefragt Polizeischutz, sonst wäre es wohl zu gefährlich geworden. Bruno Blum will sich heute nicht an eine einzige wirklich brenzlige Situation in all den Ländern erinnern, womit Yvonne nicht ganz einverstanden ist: Erinnerst du dich noch an den Zwei-Meter-Hünen?

Auf der Windschutzscheibe

Sie erzählt von einem Betrunkenen, ebenfalls in Kirgisistan, der sein Pferd nicht mehr fand und wohl deshalb so wütend war. Jedenfalls wollte er kämpfen und machte klar, dass er sich bei einem Sieg den Laptop als Trophäe wünschte. Die Blums jedoch schafften es glücklicherweise rechtzeitig in den Camper und fuhren los, wobei sich der Trinker auf die Windschutzscheibe legte und noch ein paar Meter mitfuhr. Und in der Mongolei verlangten vier ungebetene Typen nach Alkohol. Das Ganze war ziemlich ungemütlich, sagt nun Bruno Blum selber, weil sich Yvonne gerade alleine im Camper befand.

Das blieben jedoch Einzelfälle. Um einiges ärgerlicher waren die vielerorts korrupten Polizisten sowie die bürokratischen Hindernisse, die die beiden an einigen Grenzposten zu überwinden hatten. Ansonsten überwog das Positive klar. Das Leben hat es gut mit uns gemeint auf dieser Reise, sagt Bruno Blum. Damit all die Erinnerungen nicht verloren gehen, hat er sie niedergeschrieben und nun in einem Buch veröffentlicht: Der weiteste Weg beschreibt, wie die Blums sich schon wenige Kilometer nach dem Start wie zwei Vagabunden fühlen, die sich nach einem geglückten Coup aus dem Staub machen. Dabei stimmen sie sich mit einem Lied von AC/DC ein: Highway to Hell. Was aber folgt, ist eine Reise ins Glück.