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Begegnung

Tra(u)mduo: Lo & Leduc sind zurück

Ohrwürmer: Zwei Berner mischen die Schweizer Musikszene auf und outen sich als Frühaufsteher.

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Lea Hepp
05. Februar 2018

Luc Oggier (Leduc, links) und Lorenz Häberli (Lo): Ihre Karriere ist im Fahrplan.


Porträt

Es gibt Lieder, die schleichen sich langsam in den Gehörgang ein und setzen sich im Kopf fest. Wenn man merkt, dass sie da sind, ist es schon geschehen und die Musik zu einem Stück Alltag geworden. Lorenz Häberli (31) und Luc Oggier (28), bekannt unter dem Bandnamen Lo&Leduc, beherrschen die Kunst des subtilen Songschreibens. In einer Verbindung aus Hip-Hop, Rap, Reggae und Mundartpop schaffen sie eine Klangwelt, in der man sich leicht verlieren kann und sich gleichzeitig wiederfindet.

Mit Jung verdammt stürmten sie 2014 die Schweizer Hitparade. Momentan sind sie mit dem klapprigen Damevelo in den Playlists unterwegs: Wir wollen Geschichten aus dem Leben erzählen, sagt Oggier und nimmt einen Schluck Kaffee. Sein Bandkollege Häberli wirkt beim Gespräch im Restaurant Volkshaus in Zürich etwas abwesend. Immer wieder schaut er auf sein Handy. Der Grund für die Zerstreutheit liegt am anderen Ende der Welt. Roger Federer malträtiert im Halbfinal des Australian Open gerade den Südkoreaner Hyeon Chung. Häberli ist per Livestream dabei: Fan kommt von fanatisch und ist prinzipiell nichts Erstrebenswertes. Aber für Roger Federer breche ich meine moralischen Grundsätze.

Was Federer für Häberli ist, sind Lo& Leduc für viele Jugendliche: Vorbilder, für die man weite Wege geht und gerne Eintritt bezahlt. Schaut man auf den Tourneekalender 2017, fallen zwei Wörter durch ihre Häufigkeit auf: Ausverkauft und Zusatzkonzert es sind Ausdrücke, die für Musiker im Youtube- und Spotify-Zeitalter von existenzieller Bedeutung sind. Wenn wir nach der Veröffentlichung eines Albums 20 bis 30 Konzerte spielen, können wir gut von der Musik leben, sagt Häberli. Ab März sind Lo&Leduc wieder auf Tournee.

Das Studium war nur ein Vorspiel

Die beiden lernten sich in Bern kennen und merkten bald, dass sie mehr als die Musik verbindet. Beide studierten Geschichte und Germanistik und schlossen mit dem Master ab. Die Bedeutung dieser akademischen Weihen relativieren sie allerdings: Das Studium war für uns nur ein Nebenschauplatz, sagt Oggier. Dass sie auf die Karte Musik setzen konnten, verdanken sie auch ihren Eltern. Sie gaben uns die Sicherheit, falls es nicht klappen würde. Dass die Berufswahl aufgrund ihrer Studienrichtungen schwierig werden könnte, realisierten sie früh: Bei der Berufsberatung wurde uns gesagt: Ihr habt eine breite Ausbildung, aber ein schmales Berufssegment, erzählt Oggier.

Doch das Segment muss nicht an den Universitätsmauern enden. Seit zwölf Jahren machen Häberli und Oggier Musik, seit drei Jahren finanzieren sie damit ihr Leben. Trotzdem sind sie ihren Wurzeln treu geblieben. Im Studio und auf der Bühne werden sie von einer zehnköpfigen Liveband begleitet. Ausnahmslos Leute aus ihrem Umfeld, die Musik als Hobby betreiben und beruflich in ganz anderen Sphären unterwegs sind: Zum Beispiel ein Mediziner, zwei Juristen, ein Anwalt und ein Bäcker. Reisen wir mit der Band zu einem Konzert, ist das immer auch ein bisschen wie ein Schulausflug, erklärt Oggier den sozialen Wert des Musikerlebens bevor er wieder auf sein Smartphone schaut: Federer führt im zweiten Satz 3:1.

Zum Nachdenken anregen

In Melbourne ist alles unter Kontrolle und bei Lo&Leduc ebenfalls. Erstmals für nationale Schlagzeilen sorgten sie vor drei Jahren, als sie bei den Schweizer Music Awards drei Kategorien (Best Group, Best Live Act, Best Talent) gewannen. Auch wenn in diesem Jahr die Trophäen im Hallenstadion vergeben werden, gehören sie zu den Nominierten (Best Hit und Best Group): Der Award besitzt vor allem marketingstrategisch eine grosse Bedeutung man erhält eine mediale Plattform und kann eine grössere Gage fordern.

Geld allein ist aber nicht ihr Antrieb. Ihr neues Album: Update 4.0 kann seit dem 2.Februar gratis im Internet heruntergeladen werden. Für Freunde treten Lo&Leduc auch schon mal ohne Gage auf. Wir passen uns den Veranstaltern an, sagt Oggier. Die Melodien zu ihren neuen Stücken kommen vom Berner Produzenten Dr. Mo: Zum Glück singt er diese nicht selber, sonst hätten wir keine Chance, sagt Häberli lachend.

Es ist unschwer zu erahnen, dass auch das neue Album den Weg ins Schweizer Bewusstsein finden wird. Besonders das Lied Im erschte Tram hat Hitpotenzial textlich wie musikalisch. Im ersten Tram sitzen Nachtvögel und Frühaufsteher nebeneinander. Sie wollen in Kontakt treten, können aber die unsichtbare Barriere nicht überwinden: Wir wollen die Menschen zum Nachdenken bringen über sich selber und über die Gesellschaft, sagt Oggier. Und wann nehmen die beiden Musiker das erste Tram: Vor dem Schlafengehen oder nach dem Aufstehen? Oggier lacht und antwortet ausweichend: Polo Hofer fuhr mit dem letzten Tram nach Hause. Die heutigen Rocker müssen früh aufstehen.

Lo&Leduc sind im Fahrplan, auch weil sie von authentischen Erlebnissen erzählen. Oggier lebt in Bern, Häberli in Zürich: Aber eigentlich wohne ich im Zug und mein wichtigster sozialer Integrationspunkt ist der Speisewagen, sagt Häberli und legt zufrieden sein Handy auf den Tisch: Federer ist im Final. Und für Lo&Leduc könnte es an den Swiss Music Awards ebenfalls heissen: Game, Set und Match!

Die Show der Besten

Die seit 2008 stattfindenden Swiss Music Awards haben sich als wichtigste Musikpreis-verleihung etabliert.

In diesem Jahr findet sie am 9.Februar im Zürcher Hallenstadion statt. Insgesamt werden die Besten in zehn nationalen und vier internationalen Kategorien gekürt. Mit vier Nominationen steigt der Bieler Nemo als grösster Anwärter ins Rennen. Lo&Leduc sind zweimal nominiert.

Hauptsponsor der Swiss Music Awards ist Coop.

CH-Musik auf SRF

CH Musik Ein ganzer Tag heisst es am Freitag, 9. Februar 2018, bei Radio SRF 1, SRF 2 Kultur, SRF 3, Virus, Musikwelle sowie bei Swiss Pop, Swiss Classic und Swiss Jazz. Zur Einstimmung auf die Swiss Music Awards vom Abend spielen sie den ganzen Tag lang ausschliesslich Schweizer Musik. Neben Liveperformances von Künstlern wie Pegasus, James Gruntz und Veronica Fusaro sind Talks, Hintergrundbeiträge und Konzertübertragungen im Programm. Die Liveauftritte bei Radio SRF 3 werden auch im TV auf SRF zwei übertragen.

Radio SRF 1 und Radio SRF 3 haben im Tagesprogramm einen Schweizer Musikanteil von jeweils über 20 Prozent, Radio SRF Musikwelle spielt über 40 Prozent Schweizer Musik, und Radio SRF Virus über 50 Prozent. Am Freitag, 9. Februar 2018, wird der Anteil an Schweizer Musik bei allen Sendern von Radio SRF bei 100 Prozent sein. Radio SRF 1, Radio SRF 3, Radio SRF Musikwelle, Radio SRF Virus und Radio SRF 2 Kultur sowie Swiss Pop, Swiss Classic und Swiss Jazz widmen sich zur Einstimmung auf die Swiss Music Awards vom Abend einen ganzen Tag lang voll und ganz der Schweizer Musik. SRF zwei überträgt das Programm am TV. Und auch online unter srf.ch dreht sich alles um Schweizer Musik über 60 Musikerinnen und Musiker beantworten in einem Videostatement Fragen zu ihrem Werdegang.

Schweiz spielt Schweiz: Liveauftritte von Seven und vielen mehr bei Radio SRF 3

Radio SRF 3 steht an diesem Spezialtag ganz unter dem Motto Schweiz spielt Schweiz. Von 07.00 Uhr morgens bis 18.00 Uhr abends stehen zehn Schweizer Musiker und Bands im Studio, welche ihren liebsten Schweizer Song performen und im Anschluss von Radio SRF 3-Moderatorin Judith Wernli interviewt werden.

ab 07.00 Uhr: Seven (performt 7:7 von Züri West)
ab 08.00 Uhr: Veronica Fusaro (performt Hemmige von Mani Matter)
ab 09.00 Uhr: James Gruntz (performt Schall und Rauch von Manillio)
ab 10.00 Uhr: Dabu Fantastic (performen Nacht von Breitbild)
ab 11.00 Uhr: Pegasus (performen Mondays Wedding von Stevans)
ab 12.00 Uhr: Hecht (performen You von James Gruntz, als Mundartversion)
ab 13.00 Uhr: Dodo (performt Eisbär von Grauzone)
ab 14.00 Uhr: Pedestrians (performen Always Never von James Gruntz)
ab 15.00 Uhr: Danitsa (performt Change von Lipka)
ab 17.00 Uhr: Lo & Leduc (performen Uf u dervo von Gölä)

Zwischen den Liveauftritten geben verschiedene Musikexperten und Branchenvertreter wie Universal-Chef Ivo Sacchi, Gurtenfestival-Leiter Carlo Bommes und Jean Zuber, Geschäftsführer von Swiss Music Export, Einblick in ihr Schaffen und sprechen über die Entwicklung der Schweizer Musikbranche, stellen Indie- und Major-Label gegenüber und schauen auf die Schweizer Musikszene aus Veranstaltersicht.

Auch in der Vorwoche von CH Musik Ein ganzer Tag dreht sich bei Radio SRF 3 alles um Schweizer Musik. Die Sendung Punkt CH lädt die drei SRF 3 Best Talent-Finalisten ein, Sounds! präsentiert jeden Abend ein erfolgreiches Schweizer Indie-Label, das Rock- Special kürt mittels Online-Voting den besten Schweizer Rocksong aller Zeiten und die Sendung Input widmet sich dem Thema Schweizer Musikerfolgsgeschichten.

Radio SRF 1 mit Marc Sway, Eliane Müller und Büne Huber

Auf Radio SRF 1 startet CH Musik Ein ganzer Tag mit Morgengast Chris von Rohr. In der Sendung Treffpunkt von 09.00 bis 11.00 Uhr treffen gestandene Künstler wie Peter Reber und Philipp Fankhauser auf junge Musiktalente wie Kunz und Eliane Müller. Zudem empfängt Radio SRF 1 um 13.30 Uhr Büne Huber und Sina zum Gespräch über Gemeinsamkeiten und Unterschiede ihrer musikalischen Werdegänge. Danach gilt auch auf Radio SRF 1 das Motto: Schweiz spielt Schweiz. Diverse Künstler performen am Nachmittag ihren liebsten Schweizer Song live im Studio.

ab 14.00 Uhr: Michael von der Heide (performt Le livre blanc von Paola)
ab 14.30 Uhr: Sandee (performt DRosmarie und i von Rumpelstilz)
ab 15.00 Uhr: Marc Sway (performt Rote Wy von Rumpelstilz)
ab 15.00 Uhr: Lisa Oribasi (performt Elle von Stress feat. Noah Veraguth)
ab 15.30 Uhr: Gustav (performt Dynamit von Mani Matter)

Auch im Volksmusik-, Jazz- und Klassikbereich dreht sich alles um Schweizer Musik: Radio SRF Musikwelle präsentiert vier Mal Livemusik unter anderem mit Nicolas Senn und der Kapelle Oberalp. Zudem werden in der Sendung Wünsch dir was (ab 14.00 Uhr) ausschliesslich Schweizer Titel und Interpreten gespielt. Radio SRF Virus befasst sich mit musikalischen Erfolgsgeschichten abseits des Mainstreams und porträtiert Schweizer Künstler und deren Werdegang, unter anderen Jessiquoi, Danitsa, Audio Dope und Monumental Men.

Auf Radio SRF 2 Kultur befasst sich die Sendung Kontext (09.00 Uhr) unter anderem mit dem Thema erfolgreiche Vermarktung und Umgang mit der internationalen Konkurrenz, und in Passage (19.00 Uhr) werden die wichtigsten Musikwettbewerbe im Bereich Klassik unter die Lupe genommen. Und Radio Swiss Pop, Swiss Classic und Swiss Jazz spielen den ganzen Tag ausschliesslich Schweizer Musik.

Swiss Music Awards auf SRF zwei und Radio SRF 3

Auch das Abendprogramm ist bei Schweizer Radio und Fernsehen am Freitag, 9. Februar 2018, fest in Schweizer (Musik-)Hand. Die wichtigste Musikpreisverleihung der Schweiz, die Swiss Music Awards, werden zum elften Mal verliehen. In diesem Rahmen wird auch das SRF 3 Best Talent des Jahres 2017 gekürt. Das Publikum entscheidet, welcher der drei nominierten Monatssieger den begehrten Förderpreis von Radio SRF 3 erhält. Die Swiss Music Awards, moderiert von Alexandra Maurer und Stefan Büsser, sind live bei SRF zwei und Radio SRF 3 im Programm.

Zur Webseite von Lo & Leduc