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Porträt

«Mein Platz ist hinter der Bühne»

Udo Jürgens, Pepe Lienhard, Toni Vescoli: Aus Geschäftspartnern wurden für Freddy Burger Freund fürs Leben. Der bedeutende Schweizer Veranstalter, der sein 50-Jahr-Firmenjubiläum feiert, hat dieses Jahr die Thunerseespiele übernommen.

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Peter Mosimann, zvg, Archive Düde Dürst
10. Juni 2019

Musical ahoi! Freddy Burger vor dem für «Ich war noch niemals in New York» gestalteten Kursschiff in Thun.

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«Wenn ich Talent zum Singen gehabt hätte, ich hätte es ganz genauso gemacht wie Udo», sagt Freddy Burger (73). «Er hat immer genau das besungen, das ich zur gleichen Zeit selber auch erlebt habe.» Deshalb rief ihn Udo Jürgens (1934–2014) nach dem Schreiben eines neuen Songs jeweils mit den Worten an: «Bitte nicht weinen, Freddy, wenn du das liest.» Aber eben, Burger hatte kein Talent zum Singen. Höchstens zum Pfeifen. Doch dazu später.

Burger hat eine andere herausragende Stärke: das untrügliche Gespür für den Geschmack des Publikums. Deshalb freuen sich die Thunerseespiele auch über sein neustes Baby: Das Musical «Ich war noch niemals in New York» mit Liedern von Udo Jürgens feiert am 10. Juli Premiere.

Der enttäuschte Vater

Begonnen hat die Karriere des Unternehmers allerdings mit einem grandiosen Misserfolg. Cliff Richards Konzert im Zürcher Hallenstadion im Jahr 1965 schlug mit einem Verlust von 20 000 Franken zu Buche. Und das, nachdem sich der junge Freddy nach Abschluss seiner Hochbauzeichner-Lehre mit seiner ungebührlichen Berufswahl den Unmut der ganzen Familie Burger und insbesondere seines Vaters zugezogen hatte: «Ich verkündete, dass ich den fürs Leben gelernten Beruf nicht ausüben, sondern Manager der ‹Les Sauterelles›, den ‹Swiss Beatles›, werde.» Die Antwort des Vaters in der Genossenschaftswohnung in Zürich Schwamendingen war deutlich: «Lieber Sohn, wir haben dich etwas Anständiges lernen lassen, und wenn du jetzt meinst, dass du mit diesen Langhaarigen etwas machen musst, dann hast du keine Unterstützung von mir.»

Burger junior schüchterte das nicht ein, und so startete er mit dem ein Jahr älteren «Les Sauterelles»-Frontmann Toni Vescoli, der, ebenfalls nach einer Hochbauzeichner-Lehre, zu Hause eine ähnliche Ansage zu hören bekommen hatte, in eine unsichere Zukunft: «Ich habe mit zwanzig Rappen im Sack angefangen.»

Langjährige Weggefährten: Freddy Burger mit Toni Vescoli 1966 …

Dabei hätte aus Burger auch gut und gern ein Eishockey-Profi werden können. Doch als 18-jähriger NLB-Spieler beim ZSC setzte Burger seiner Sportler-Karriere mit einem selbst verschuldeten Autounfall mit dem Lernfahrausweis selber ein Ende. Seinen Ehrgeiz leitete der Zürcher auf seine berufliche Laufbahn um. Heute blickt Burger nicht nur auf 50 Jahre Showbusiness zurück, sondern auch auf neun Jahre als Generalvertreter von Puma Schweiz, Hotelbesitzer und Besitzer von zeitweise acht Nachtclubs.

Die schicksalsträchtige Begegnung

Burgers Herz schlug jedoch immer für die grosse Bühne. Und dort hat er Freundschaften fürs Leben geknüpft. Nicht nur mit Toni Vescoli (76), sondern auch mit Pepe Lienhard (73) und vor allem mit Udo Jürgens. Mit ihm unterhielt er gar eine Beziehung, die er selbst als eine Art Ehe bezeichnet – mit traditioneller Rollenverteilung: «Er war für alles vor dem Vorhang verantwortlich, während ich ihm wie eine gute Ehefrau den Rücken frei hielt.»

Das Zustandekommen der Kooperation mit dem charismatischen Chansonnier ist charakteristisch für Burgers Leben. Er war mit Pepe Lienhard nach einem Auftritt im ZDF auf dem Rückweg aus Frankfurt. «Als ich im Flugzeug zu meinem Sitz in der Economy ging, zupfte mich in der ersten

Klasse jemand am Ärmel: Udo Jürgens», erzählt Burger. Die beiden kannten sich, weil Burger für Jürgens schon diverse Konzerte in der Schweiz organisiert hatte. Jürgens bat den verblüfften Burger, an seiner Seite zu sitzen.

Die erfolgreiche Partnerschaft

Der Star hielt ihm einen scharfen Brief an seinen Manager Hans R. Beierlein (90) unter die Nase: «Lies mal.» Burger war irritiert: «Ich sagte: ‹Was machst du, wenn er kündigt?› Er sagte: ‹Das ist der Grund, warum ich in diesem Flugzeug sitze – ich will zu dir.›» So geschah es. Jürgens eilte mit Burger an seiner Seite von Erfolg zu Erfolg. Bis zu seinem Tod vor rund fünf Jahren.

… und mit Udo Jürgens 1977.

Deshalb ist das Freilicht-Musical «Ich war noch niemals in New York» eine Herzensangelegenheit für Burger. Es passe in dieses Jahr der Jubiläen, sagt er: Im Juli feiert das Musical an den Thunerseespielen Premiere, am 1. August folgt das 50-Jahr-Jubiläum mit Pepe Lienhard, am 24. Oktober kommt die 15-Millionen-Euro-Produktion «Ich war noch niemals in New York» mit Heike Makatsch (47) und Moritz Bleibtreu (47) in die Kinos, am 5.Dezember steigt in Zürich die grosse Feier anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums von Burgers Firma «Rent-a-Show».

«Ich hielt Udo wie eine gute Ehefrau den Rücken frei.»

FREDDY BURGER

Die schweisstreibende Mutprobe

Vielleicht, ja nur vielleicht, lässt sich Freddy Burger an jenen Festivitäten doch noch einmal zu einem Pfeif-Auftritt hinreissen. So, wie er es auf dem Album «Gestern, Heute, Morgen» getan hat und im Jahr 2000 live vor 12 Millionen TV-Zuschauern. Die ganze Pfeiferei war Jürgens‘ Idee gewesen, der von Burgers Pfeifkünsten so sehr angetan war. Seine überraschende Pfeif-Einlage in der ZDF-Gala anlässlich von Udo Jürgens‘ 66. Geburtstag wurde dann aber zur Nervenschlacht. «Ich war schon vor dem Auftritt komplett durchgeschwitzt und hatte einen Blackout: Ich wusste die Melodie nicht mehr», erinnert sich Burger. Schliesslich fand er den Faden rechtzeitig wieder, und alles ging glatt. Doch da wusste Burger definitiv: «Mein Platz ist hinter der Bühne.» Da aber gibt es kaum einen Besseren.