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Porträt

Die Anwältin des Hirnstammes

Gabriela Ackermann (61) sang tage-, wochen- und jahrelang denselben Ton. «Dadurch entdeckte ich eine spannende Instinktsprache für Energie in Form von Schwingung, Frequenzen und Licht.»

FOTOS
Kostas Maros
21. Januar 2019

Gabriela Ackermann sieht und hört Dinge, deren Zugang anderen verschlossen sind. Licht und Frequenzen. Und: Sie spürt die Menschen. «Seit ich denken kann, nehme ich Energie auf diese Weise wahr bei Menschen», sagt sie. Als Kind sei das für sie völlig natürlich gewesen, bis sie eines Tages ihrer Mutter davon erzählte. «Diese war ob dieser Enthüllung so entsetzt, dass ich diesen ‹Kanal› sofort wieder schloss.» Sie habe befürchtet, abnormal zu sein.

Erst viele Jahre später, bei ihrem Studium für angewandte Stimmphysiologie am Lichtenberger Institut in Deutschland gelang es ihr, diese Empfindungen für sich einzuordnen. Die Arbeit mit einem einzigen Klang der Stimme («ich sang tage-, wochen- und jahrelang denselben Ton») habe ihr einen Weg gezeigt, wo wissenschaftliche Forschung und ihre ‹Gabe› sich kreuzten. «Ich entdeckte eine klare und spannende Instinktsprache für Energie in Form von Schwingung, Frequenzen und Licht.»

«Was empfinden Sie denn bei uns?», wollen wir wissen und sind auf alles gefasst. Gelten wir doch als eingespieltes Reporterteam für die – sagen wir mal – etwas anderen Geschichten. Nicht nur die Reinkarnation eines Amazonas-Indianers sprach zu uns, auch mit einem über 500 Jahre alten Geist, der seinen Kopf auf Händen trug, hatten wir einst einen regen Dialog. Und jetzt also Gabriela Ackermann: ausgebildete Opernsängerin, Therapeutin und Expertin für bio- psychologische Instinkt-Körpersprache, Körpertypologie und Stimme. «Es wäre verlockend darauf zu antworten, um Sie zu beeindrucken. Doch ich muss Sie enttäuschen. Es ist nicht die Art, wie ich arbeite», beantwortet sie unsere eingangs gestellte Frage.

Mit Stimmklang gegen Ängste

Sie sei keine zweite Uriella, kein selbst ernanntes Sprachrohr Jesu, keine Wunderheilerin und auch keine Esotante. «Ich bin kompromisslos und konsequent meiner inneren Stimme gefolgt, fand durch viele Zweifel und einen langen Weg meine Berufung.» Sie habe einen seriösen Hintergrund. «Ich zeige den Menschen die Sprache des autonomen Nervensystems und lasse sie ihr eigenes verborgenes Wissen in sich entdecken. Ich kenne den Weg, die Weisheit darin gehört aber ihnen.» In der Therapie gehe es immer darum, Krankheiten zu finden. Sie aber sei zuständig für Lebensenergie von soweit gesunden Menschen, die trotzdem in Krisen kommen können. Wenn immer möglich, arbeite sie mit Körper und Stimmklang. «Mit ‹The Human Key› entwickelte ich eine für jedermann anwendbare Methode zur Steigerung der Lebensenergie und zur Hilfe im Umgang mit Ängsten, Stress, Trauma, Burn-out und Panik.» Dabei öffne der Stimmklang mit gezielten Frequenzen den direkten Zugang zu einer spürbaren Lebenskraft. «Das passiert über die direkte Verbindung zum Hirnstamm und dem autonomen Nervensystem, das Herz, Lunge, Schweiss, Reflexe und innere Organe steuert.» Sie sei damit die Anwältin des Hirnstammes. Wörter wie Therapie und Coaching verwendet sie nicht gern. «Ich nenne es Unterstützung zu einem erfüllten Leben.»

Erst bellen, dann beschnuppern

Man versteht nicht alles auf Anhieb, was Gabriela Ackermann erzählt. Mit etwas geistiger Offenheit macht es aber Sinn. «In unserem Gehirn gibt es drei Bereiche», erklärt sie. «Das logische Denken, die Emotionen und den Instinkt.» Und dieser Instinkt, verbunden mit dem autonomen Nervensystem, entspringe dem Hirnstamm. «Es ist das, was ein Hund macht, wenn jemand Fremdes zur Tür reinkommt: zuerst einmal bellen, dann beschnuppern.» Doch sei diese lebenswichtige und natürliche Auffassungsgabe in unserer Gesellschaft verloren gegangen. «Das kommt durch eine Überkultiviertheit», sagt Ackermann, «dadurch haben wir diesen ältesten Hirnteil in uns verdrängt.»

Ihre zweite Heimat Bali habe ihr geholfen, diese Komplexität noch besser zu verstehen. «Die Balinesen sind Naturvolk geblieben». Die tiefe Verbundenheit zur indonesischen Insel ist nicht zu übersehen. «Bali-Haus» steht in grossen Lettern über dem Eingang ihrer eigenen vier Wände in Hochwald SO. Nach Eintritt verliert man sich in einer Welt mit etwas Kitsch und einem Touch asiatischem Traumhotel-Feeling.

Dass Ackermann am Schluss für das Foto in den Teich springt und danach klitschnass im Wohnzimmer eine Arie singt, erstaunt nicht mehr wirklich.