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Porträt

Draussen in der Wildnis

In der Jubiläumssendung von «Auf und davon» am 16. Februar auf SRF dürfen auch die Schönbächlers nicht fehlen. Vater Hermann vermisst die Schweiz kein bisschen.

11. Februar 2019

«Auf und davon»-Moderatorin Mona Vetsch lässt sich vom Mann mit dem langen Bart übers Wasser kutschieren.

«Auf und Davon»

Gölä als Überraschungsgast

«Uf u dervo»: Hermann Schönbächler bekommt Besuch von Gölä.

Seit 2009 begleitet SRF mit der Doku-Serie «Auf und davon» Schweizer Auswanderer bei ihrem Abenteuer. Am 16. Februar (20 Uhr, SRF 1) gibts zum Jubiläum eine Extraausgabe, in der auch Musiker Gölä einen Auftritt hat: Der Sänger von «Uf u dervo», dem Titelsong der Sendung, besucht die Schönbächlers in Kanada.

Es ist in Kanada 6.30 Uhr in der Früh, als Hermann Schönbächler den Hörer abnimmt: «Grüessech!» Jetzt gehe es noch mit den Temperaturen, sagt er, aber schon bald sei eine Kaltfront angesagt. 25 Grad unter null. Klingt unmenschlich kalt, doch Schönbächler hat gelernt, damit umzugehen. Dazu gehört, zweimal in der Nacht aufzustehen. «Dann schiebe ich neues Holz in den Ofen, damit die Wasserleitungen nicht zufrieren.»

Das Leben des 52-jährigen Bielers in der Fremde ist eine Erfolgsgeschichte. 2010 wanderte er mit seiner Familie nach Rosswood in der westkanadischen Provinz British Columbia aus; das Schweizer Fernsehen berichtete in der Auswanderer-Doku «Auf und davon» von den Erlebnissen der Schönbächlers – und zeigte damit, wie so ein Vorhaben klappen kann. Hermann Schönbächler hatte sich auf das, was auf ihn zukommen sollte, aber auch gut vorbereitet – sicher besser als viele andere Auswanderer. Zwei Jahrzehnte lang war der Mann mit dem langen Bart zuvor in den Ferien durch Nordamerikas Westen gereist: «Meine Kenntnisse sind während 20 Jahren nach und nach gewachsen. Das ist entscheidend, denn Auswandern ist keine Hauruck-Lösung.»

Ein Buben- und Mädchentraum

Er wundert sich immer wieder, wenn er die Geschichten von Auswanderern sieht, «die einmal auf eine Bananeninsel reisten und sofort das Gefühl hatten: Da gehöre ich hin». Obwohl sie weder das Land kennen noch die Sprache beherrschen und vor allem kein Geschäftsmodell haben, mit dem sie auf Dauer ihren Lebensunterhalt verdienen können.

Hermann Schönbächler gehört definitiv nach Kanada. Es ist ein Bubentraum, den er sich erfüllt hat – zusammen mit seiner Frau Christine (45), die in ihren Jugendjahren ebenfalls von einem Leben in der Natur träumte. Die drei Kinder im Alter von 8, 11 und 13 verstehen zwar Schweizerdeutsch, antworten aber mittlerweile auf Englisch. «Wenn sie es mal auf Deutsch versuchen, dann klingt das bei ihnen so wie bei einem amerikanischen Eishockey-Coach, der seit fünf Jahren in der Schweiz lebt.»

Die Familie verkauft Brenn- und Bauholz, sammelt Pilze, fischt und jagt. «Wir bestreiten unser Leben mit dem, was um uns herum ist», sagt Schönbächler. 20 Hektaren umfasst das Waldstück, das ihm gehört. Wie viel er dafür bezahlt hat, überhaupt, mit wie viel Startkapital man sich in so ein Abenteuer wagen darf, darauf will er nicht antworten: «Da bin ich nach wie vor Schweizer. Mein Bankkonto geht niemanden etwas an.»

Die Schönbächlers zählen zweifellos zu den bekanntesten Auswanderern der beliebten «Auf und davon»-Serie im Schweizer Fernsehen. Eine kurze Alltagsszene wurde gar Kult: Nachdem der Vater seinen kleinen Sohn Richi auf den Bagger mitgenommen hatte, fiel dieser beim Ausstieg herunter und humpelte weinend davon. Worauf ihm der Vater hinterher rief: «Richiiii! Ich ha gseit, du söusch di guet häbe!» Der Filmausschnitt wurde auf Youtube ein Hit. Heute kann Hermann Schönbächler über die Szene lachen: «Eine Zeit lang sollen die Rekruten bei allem, das sie tragen mussten, ausgerufen haben: Richi, häb di!» Sicherheitshalber schiebt Schönbächler trotzdem noch nach, dass er mitnichten der böse Vater sei, als den ihn ein paar Zuschauer wegen des Zwischenfalls auf dem Bagger beschimpften.

Unangekündigter Besuch

Andere wiederum waren so sehr von der Familie und ihrem Leben in der Wildnis fasziniert, dass sie ihr spontan einen Besuch abstatteten. «Wir hatten gerade zu Beginn viele Gäste, die meist unangekündigt bei uns vorbeischauen wollten.» Manchmal campierten zeitgleich bis zu drei Parteien auf dem Anwesen. «Das waren immer spannende Begegnungen.» Mit einigen von ihnen hat Schönbächler heute noch Kontakt.

Letztmals in der Schweiz war der ausgebildete Förster vor sechs Jahren, als er an der Holzfäller-Schweizer-Meisterschaft teilnahm; jahrelang hatte er überall auf der Welt an Wettkämpfen teilgenommen und unter anderem mit dem Schweizer Team EM-Gold geholt. Heute hat er keine Lust mehr auf Fernreisen, weil man sich auf den Flughäfen ausziehen müsse und wie ein Krimineller behandelt werde. «Nein, mir ist wohl hier in meinem Zuhause in Kanada.»