X

Beliebte Themen

Hohes Können auf der Highline

Der Zürcher Samuel Volery ist einer der weltbesten Slackliner. In schwindelerregender Höhe macht er auf Highlines die reinsten Verrücktheiten. Nächstes Wochenende als eines der Highlights am «Züri Fäscht».

FOTOS
Dukas
01. Juli 2019

Heiss: Sam Volery auf einer Highline, die zwischen zwei stillstehenden Gondeln am Moléson FR befestigt ist.

Man dürfe alles über ihn schreiben, sagt Samuel Volery, nur nicht, dass er Seiltänzer sei. Der 34-Jährige ist Slackliner. Kunststücke, Sprünge, Weltrekorde (1900 Meter weit!) macht er nicht auf straff gespannten Seilen, sondern auf dehnbaren Bändern (slack ist das englische Wort für lose, schlaff). Zum Trend wurde die Sportart um 1980 von Kalifornien (USA) aus, wo Kletterer auf immer höheren Bändern (lines) balancierten.

Sam, wie er sich nennt, fand nach einem Kreuzbandriss, den er sich mit 20 beim Springen auf Skiern zugezogen hatte, zur Slackline. Neun Monate Sportpause hatten ihm die Ärzte vorausgesagt – nicht ideal mitten im ETH-Studium zum Bewegungswissenschaftler. Als ihm das Wackelbrett als Therapiegerät verleidete, hinkte er an Krücken zu seinen ersten Slacklines und merkte bald, wie sehr ihm das lag. Nach vier Monaten war das Knie wieder belastbar!

 Die 200 Meter hohe Hängebrücke von Niouc im Kanton Wallis.

 Kunststücke und Sprünge gehören zum Spektakel.

 Ein Handstand ist auf einer so langen Highline unmöglich, doch eine Liegestütze liegt drin.

«Slacklining ist ein extrem sicherer Sport», erklärt Volery. Und zeigt dabei auf die 166 Meter lange Highline, die er mit Kollegen zum Trainieren neben der 200 Meter hohen, auch ziemlich schwankenden Hängebrücke über der Schlucht von Niouc VS aufgebaut hat. Am gefährlichsten ist für Slackliner das Befestigen der Bänder. «Deshalb trainiere ich auch klettern», erklärt der Profi, der heute von seiner Passion lebt. Durch seine Firma «Slacktivity» gibt er Kurse, verkauft Bänder und wird für Shows gebucht: von Baufirmen, die ein Hochhaus einweihen, oder von Bergbahnen, die eine Gondel in Betrieb nehmen. Oder eben vom «Züri Fäscht», wo Sam und andere Spitzen-Highliner vom 5. bis 7. Juli über die Limmat balancieren werden.

Jeder hat seine Spezialitäten

Sam Volery ist weltweit der Einzige, der es schafft, auf dem Band einen Handstand zu machen, was unglaublich viel Kraft kostet. Ein holländischer Kollege jongliert auf der Highline. «Mit ihm plane ich in Zürich einen Weltrekord im Tandem», sagt Sam und erklärt das Ziel: «Hände haltend 90 Meter weit, ohne zu stürzen und ohne Pause.» Stürze gehören nämlich dazu. «Wir trainieren immer am Limit des Machbaren», erklärt Sam, «deshalb sind wir immer, ausnahmslos immer, angeseilt». Und deshalb können sie auch immer verrücktere Kapriolen ausprobieren.

Überhaupt hat sich die Sportart in den letzten Jahren rasant entwickelt. Auch daran ist Sam Volery beteiligt, er hat nicht nur die Materialien der Bänder mitverbessert, sondern das ganze Spann- und Sicherungssystem. «Früher hätten wir mehr als einen Tag gebraucht, um eine Highline wie diese in Niouc aufzubauen», sagt Sam und berichtet, dass das jetzt in bloss zwei Stunden möglich war. Und dann balanciert er los, weit, weit oben über der Schlucht.