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Im Rampenlicht

Die Schauspielerin Caroline Rasser war schon immer mutig: Vor Jahren als Gift spritzende Männerhasserin in «Fertig lustig», heute als Direktorin des «Fauteuil»-Theaters. Denn dort lässt sie den HD Läppli, die Kultfigur mit dem grossen Schnauz, neu aufleben.

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Heiner H. Schmitt
07. Oktober 2019
Caroline Rasser  auf der «Fauteuil»-Bühne: «Läppli ist auch heute noch aktuell.»

Caroline Rasser auf der «Fauteuil»-Bühne: «Läppli ist auch heute noch aktuell.»

Wettbewerb

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Wir verlosen 3 × 2 Tickets für «HD Läppli» im Theater «Fauteuil» in Basel.

«Wollen wir uns lieber in den Zuschauerraum oder in die Garderobe setzen?», fragt Caroline Rasser (48), obwohl sie selbst weiss, dass es keine Rolle spielt, wo das Gespräch stattfindet. Denn eng ist es in ihrem Kleintheater in der Basler Altstadt überall, sehr eng sogar, was aber gerade seinen Charme ausmacht; die Nähe des Publikums zur Bühne und den Schauspielern verleiht dem «Fauteuil» einen besonderen Charakter. «Wer zu uns kommt», sagt die Baslerin, «weiss, dass es hier sehr intim ist.»

Das Theater am berühmten Spalebärg wird ab dem 8. November regelmässig bis auf den letzten Platz gefüllt sein. Dann kehrt der HD-Soldat Läppli auf die Bühne zurück, wie gewohnt trottelig, ein bisschen verschlagen manchmal, aber immer liebenswert. Rasser freut sich auf die Wiederaufnahme des Klassikers, der ein gewichtiges Stück Schweizer Kulturgeschichte darstellt: 1959 machte ihr Grossvater Alfred Rasser (1907–1977) die Figur im gleichnamigen Film unsterblich, vor 30 Jahren zog ihr Vater Roland (87) auf der Bühne nach. Und nun also das Comeback mit Gilles Tschudi (62) in der Hauptrolle. Die Neuinszenierung der Geschich- te ist ein Wagnis, das weiss Rasser, weil der moderne Läppli mit seinen Vorgängern verglichen wird. «Es ist ein Abenteuer», sagt sie. Nach fast 25 Jahren als Co-Direktorin der beliebten Basler Institution glaubt sie, dass die Zeit für dieses Grossprojekt reif ist.

Rasser selber fühlte sich im Fauteuil früh zu Hause; ihr Vater hatte die Spielstätte 1957 gegründet. Mit acht wagte sie sich erstmals auf die Bühne. «Ich spielte ‹Im tapferen Schneiderlein› das Hinterteil eines Einhorns, also eine sprichwörtlich tragende Rolle», erinnert sie sich. Dafür gab es fünf Franken pro Vorstellung. «Das war sehr gutes Sackgeld.»

Es schien vorbestimmt, dass sie in die Fussstapfen ihres Grossvaters und Vaters treten würde. Als es sie tatsächlich zur Schauspielerei zog, wollte sie ihre Erfahrungen jedoch weit weg von der Schweiz sammeln. Drei Jahre lang, zuerst in Paris und später in New York, lernte sie die Geheimnisse der Schauspielkunst kennen. «Fernab von jeglicher Beobachtung – das war genau das Richtige.»

Mit Timothy Dalton im selben Film

Sie spielte in den USA in ein paar «Filmli» mit, wie sie es nennt. Für die Rolle der Scarlett im geplanten Remake des Klassikers «Vom Winde verweht» schaffte sie es unter 20 000 Bewerberinnen in die Endausscheidung des Castings. Den Zuschlag erhielt sie nicht, dafür als Trostpreis eine kleine Rolle im TV-Vierteiler «Scarlett», in dem Bond-Darsteller Timothy Dalton (73) die Hauptrolle spielte. «Das war eine grosse Kiste», sagt sie, «und ein einmaliges Erlebnis.»

Illusionen machte sie sich keine. Sie wusste, dass ihr Platz in der Schweiz ist. Hier wirkte sie in Fernsehprojekten mit, die sie schweizweit bekannt machten – so in der TV-Sitcom «Fertig lustig», in der sie die Männerhasserin Eliane Bissiger spielte. Der Boulevard nannte sie spasseshalber «Hexe der Nation». Als sich ihr Vater aus dem Berufsleben zurückzog, übernahm sie 1996 zusammen mit ihrem drei Jahre jüngeren Bruder Claude die Leitung des «Fauteuil» und des «Tabourettli» im selben Haus. Seitdem kümmert sie sich vor allem um das Künstlerische, und er, der studierte Betriebswirtschafter, nimmt sich der Finanzen an. Die Rechnung ging bis jetzt auf. Caroline Rasser bewies bei der Auswahl von Künstlern ein glückliches Händchen – von wenigen Ausnahmen abgesehen. Beni Thurnheer lockte auf seiner Lesetour in der Provinz bis zu 400 Personen an, in Basel hingegen kamen nur vier (!) Zuschauer. «Wir verlegten die Vorstellung spontan in eine Beiz», erzählt die Theaterdirektorin, «und hatten dort einen lustigen Abend.»

Der «HD-Soldat Läppli» hingegen wird definitiv im «Fauteuil» über die Bühne gehen. Rasser ist ebenfalls mit von der Partie. Spielte sie beim letzten «Läppli» vor drei Jahrzehnten noch das junge Fräulein Brodbeck, ist sie nun seine Vermieterin Frau Müller, die dem Hilfssoldaten freundlich zugetan ist. «Da wird einem bewusst, wie die Zeit vergeht», sagt die Mutter einer erwachsenen Tochter. Nicht gross geändert hat sich die Beliebtheit des Läppli, wie Caroline Rasser unlängst am Open-Air-Kino in Basel feststellen durfte: Am Ende des «Läppli»-Films hätten die Zuschauer lange applaudiert. «Da war ich nahe am Wasser gebaut.»