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Porträt

Das Baby ist geboren

Sara Taubman-Hildebrand ging lange mit der Idee schwanger, eine Kinderbuch-App zu entwickeln. Nun ist es so weit – die Ex-«Glanz & Gloria»-Moderatorin und Mutter ist voller Tatendrang.

FOTOS
Christoph Kaminski, Getty Images
19. März 2019

Sara Taubman-Hildebrand hoch über Zürich: Die Ex-TV-Moderatorin erkundet gerne neue Gebiete.

Vor bald zehn Jahren entschied sich Sara Taubman-Hildebrand für Plan B. Sie hatte nach der Matur und einem Volontariat beim Radiosender FM1 an den Aufnahmeprüfungen für ein Medizinstudium teilgenommen. «Am Ende fehlten nur zwei Pünktchen», sagt die 31-Jährige beim Gespräch in einem Zürcher Café. Sie hätte die Prüfungen wiederholen oder es zuerst mit einem Zahnmedizin- oder Veterinärstudium versuchen können. Stattdessen schrieb sich Hildebrand an der Uni Zürich fürs Germanistikstudium ein – und beschritt einen Lebensweg, der sich als überaus spannend erweisen sollte. Und ohne den sie jetzt wohl kaum hier sitzen würde.

Mit Bösewicht verheiratet

Taubman wurde unter ihrem Mädchennamen Hildebrand als Moderatorin der Sendung «Glanz & Gloria» auf SRF bekannt; seit ihrer Heirat mit Schauspieler Anatole Taubman (48), dem Bösewicht im Bond-Film «Ein Quantum Trost», führt sie zuerst den Namen ihres Mannes an – was für alle, die sie vom Fernsehen her kennen, gewöhnungsbedürftig sein dürfte. Nun ist sie gekommen, um über ein brandneues Projekt zu reden, das sie seit mehr als einem Jahr intensiv beschäftigt: Sie hat mit ihrer guten Freundin Janine Wolf-Schindler (32) die erste Kinderbuch-App im deutschsprachigen Raum im Abomodell entwickelt. «Mit der App soll die Lesekompetenz der Kinder gefördert werden», erklärt Taubman, «das aber geht nur, wenn die Kinder Spass an den Erzählungen und den weiteren Angeboten wie Spielideen, Bastel­anleitungen oder Kochrezepten haben.»

«Die Lesekompetenz der Kinder soll gefördert werden.»

Sara Taubman (31)

Im Mittelpunkt der Geschichten steht das selbstbewusste Mädchen Tara, das dank eines Zauberspruchs der Grossmutter schrumpfen und zusammen mit Pips, dem Siebenschläfer, in eine Fantasiewelt eintauchen kann.

Sara Taubman ging schon lange mit der Idee eines virtuellen Kinderbuches schwanger – und trieb das Projekt parallel zu ihrer richtigen Schwangerschaft voran. Mittlerweile sind beide Kinder geboren; Söhnchen Henri kam Ende November zur Welt, ihm folgt nun die Heldin Tara auf der App. Sich gleichzeitig erfolgreich mehreren Dingen auf verschiedenen Gebieten zu widmen und immer wieder Neues anzupacken, das entspricht einem festen Muster in Taubmans Leben. Während ihres Germanistikstudiums bewarb sie sich für die ausgeschriebene Moderatorenstelle bei «Glanz & Gloria» und setzte sich gegen 200 Mitbewerberinnen und Mitbewerber durch.

Den Stars die Show gestohlen

Es folgten fünf spannende Jahre beim TV-Peoplemagazin. Die Rheintalerin wurde selber zur Prominenten. «And the Oscar goes to … Sara Hildebrand», schrieb der «Blick», als sie sich nach Hollywood aufmachte, um dort vom roten Teppich des bedeutendsten Film­events zu berichten. «In ihrer Robe wird sie den Hollywood-Schönheiten die Show stehlen und manch einem Schönling den Kopf verdrehen.» Das tat sie dann auch, allerdings an einer anderen Veranstaltung. Sie moderierte, Anatole Taubman trat dort als Markenbotschafter auf. «Es hat sofort Boom gemacht», erklärte er später in einem Interview. Er wird an der Präsentation der App in dieser Woche auch dabei sein und eine Geschichte vorlesen.

Früher leuchtete sie das Leben der Promis aus, selber legt sie jedoch Wert darauf, dass Privates privat bleibt. So ist von ihr nur zu erfahren, dass ihr Mann zwischen Zürich und Berlin pendelt und es deshalb zwischendurch Phasen einer Fernbeziehung gibt. «Diese sind für uns aber kein Problem», sagt sie.

Sara Taubman: «Das Leseverständnis zählt zu den wichtigsten Kompetenzen für den erfolgreichen Werdegang eines Menschen.»

Einmal geriet sie in die Schlagzeilen, weil sie an den Swiss Sport Awards Stan Wawrinka auf Englisch interviewte statt in einer Landessprache; ein Fauxpas, fanden die Kritiker. Einige Medien bausch­ten die Geschichte auf. Dabei hatte sie sich mit Wawrinka vor dem Gespräch auf dessen Wunsch auf Englisch geeinigt. «Erlebnisse wie dieses können schon schlaflose Nächte bereiten», sagt sie, «zugleich sind es wichtige Erfahrungen, die einen für die nächsten brenzligen Momente stärken.»

Krisenmanagerin bei Knie

Solche erlebte sie als Medienchefin beim Circus Knie. Im Jahre 2016, als sie sich vom Fernsehen verabschiedet hatte, ging sie mit dem Nationalzirkus, der dieses Jahr sein stolzes 100-Jahr-Jubiläum feiert, auf Tournee. Und wurde zur Krisenmanagerin. Etwa, als eine Artistin in Luzern bei einer Lufttrapeznummer aus einer Höhe von fünf Metern abstürzte und sich dabei an den Händen und am Ellbogen verletzte. Oder als im Tessin das Zirkuszelt von einem Sturm umgerissen wurde. Taubman gab in einer emotionalen Situation sachlich Auskunft. Sie erinnert sich an eine «ebenso schöne wie erlebnisreiche Zirkus-Zeit», in der sie auch verrückte Ideen umsetzen konnte – zum Beispiel, indem sie in Zürich einen Engel durch die Halle des Hauptbahnhofs fliegen liess. In Basel sorgte sie dafür, dass Luftakrobat Jason Brügger in luftiger Höhe an einem Heissluftballon seine Kunststücke vollführte. Gleichzeitig fühlte sie sich auch etwas eingeengt, «man wohnt dicht beieinander, Wohnwagen an Wohnwagen».

Sara und Anatole Taubman: Es hat sofort Boom gemacht.

Das Baby musste sich gedulden

Nach einer Saison war die Zeit reif für neue Herausforderungen. Die Kinderbuch-App ist eine besonders grosse. «Es gab Geburtsbeschwerden», sagt sie und lacht, «das Baby musste sich in Geduld üben.» Doch schliesslich klappte es. Der Senat Berlin fördert das Start-up finanziell, Applikationsspezialisten feilen am Technischen. Die Ex-Moderatorin und Germanistin entwickelt zusammen mit ihrer Geschäftspartnerin Taras Geschichten. Keine Frage, Sara Taubman-Hildebrand wird weiterhin nicht langweilig werden. 

Kinderbuch-App Taras Geschichten

Reich illustriert

Es sind spannende Geschichten, die Tara, die Heldin der Kinderbuch-App, erlebt – besonders, wenn sie dank eines Zauberspruchs schrumpft und in ihre Fantasiewelt eintaucht. Erzählt werden ihre reich illustrierten Erlebnisse auf Schweizerdeutsch, Deutsch oder Englisch. An jede Geschichte reihen sich Bastelanleitungen, Rezepte oder Spielideen. «Wir möchten die Kinder mit dieser App nicht nur zum Lesen bringen», sagt Sara Taubman-Hildebrand, «sondern sie auch zum Kindsein animieren.» Die App ist gratis, die ersten vier Geschichten ebenfalls. Danach kostet eine Geschichte Fr. 2.–. Im Abo kosten drei Geschichten Fr. 4.50 pro Monat.

 

Kein störendes «Bling Bling»

Taras Geschichten können passend zu den Jahreszeiten, verschiedenen Ereignissen, aber auch zu den aktuellen Bedürfnissen, Fragen und Sorgen der Kinder ausgewählt werden. Inklusion, Diversität und Gleichberechtigung gehören zur Philosophie der App-Macher. Und sie verzichten bewusst auf ein «Bling Bling», das von den Geschichten ablenken könnte.

Zu jeder Erzählung​ gibt es eine Spiel- und Bastelanleitung, einen Denkanstoss oder ein Rezept. Damit sollen die Lesekompetenz und der natürliche Entwicklungsdrang der Kinder gefördert werden.

Alle Infos unter: www.app-tara.com