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Was macht eigentlich?

Was macht eigentlich Jörg Schild?

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Keystone
24. Juni 2019

Jörg Schild in den 60er-Jahren als Handballer mit markanter Brille und heute: «Oje ? Tempi passati!»

Im Alter lerne man, Nein zu sagen, sagt Jörg Schild. Ein Glück, dass der 73-jährige Basler bei unserer Anfrage Ja sagt und gerne darüber redet, was er heute als Pensionär noch unternimmt. Er spielt bei einer Fasnachtsclique Piccolo, geht ab und zu golfen, zudem ist er Stiftungsrat in karitativen Organisationen wie der Blindenhundeschule in Allschwil BL. Ansonsten sind seine Aktivitäten überschaubar geworden: «Ich geniesse es, ruhiger zu leben.»

Schild war jahrzehntelang auf Trab, ist von der einen in die andere Tätigkeit «einfach reingerutscht». Etwa, als drei Personen Anfang der Neunziger unabhängig voneinander an seine Partei, die FDP, einen Brief schrieben, ob sie denn nicht merke, dass sich der Schild bei der Bundesanwaltschaft in Bern langweile. Umgehend wurde der Jurist für die Wahl des Basler Regierungsrates aufgestellt – und gewann. Seine erfolgreiche Drogenpolitik sorgte für Furore und fand schweizweit Beachtung.

Von der Politik gings in den Sport: 2006 wurde er Präsident von Swiss Olympic – die Rückkehr zu den Wurzeln. In jungen Jahren war er beim RTV Basel Handballer. Seine Premiere mit dem Nationalteam feierte er 1967 gegen Deutschland. «Die Deutschen zählten nachher beim gemeinsamen Essen die Dolendeckel», hatte das Spiel doch auf dem knallharten Betonboden der Basler Kongresshalle stattgefunden. Gesund war das nicht, die Folgeschäden aus jenen Zeiten will er aber nicht aufzählen: «Nein. Das wäre keine gute Reklame für den Sport. Denn der ist schön.»

Nach elf Jahren hörte er bei Swiss Olympic auf. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm die Olympia-Goldmedaille von Triathletin Nicola Spirig in London, als sie mit einem Wimpernschlag Vorsprung Gold gewann: «Da stand ich genau auf Zielhöhe.» Und dann war da das 2:2 der Eishockeyaner gegen Kanada an Olympia 2010 in Vancouver. Jörg Schild erinnert sich an Zuschauer, die kistenweise Bier anschleppten – «und trotzdem blieb alles friedlich. Grossartig war das.»