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Was macht eigentlich?

Was macht eigentlich Lars Lunde?

Früher wirbelte der Däne für YB, heute assistiert er im Operationssaal.

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Keystone, zvg
18. März 2019

Heute im Dress der YB Old Stars.

Früher war der Ball Lars Lundes Freund. Heute ist das Gegenteil der Fall, wenn der 54-Jährige mit den YB-Old-Stars, der Mannschaft der Ehemaligen, aufläuft. Das findet er deprimierend, oder salopper «en Schissdräck», wie er erklärt. Nach ein paar Stunden besinnt er sich jedoch wieder darauf, dass er sich glücklich schätzen darf, überhaupt Fussball spielen zu können.

Es ist der 12. April 1988, als der Däne nach einer Partie in seinem Auto losfährt. Er spielt für den FC Aarau – der Versuch, die Karriere neu zu lancieren. Zwei Jahre zuvor war er mit YB Meister und Torschützenkönig geworden. Halb Europa jagte den Stürmer, schliesslich entschied er sich für Bayern München. Dort musste er hartes Brot essen. Trainer Udo Lattek nannte ihn an einem Tag «Weltklasse», dann wieder verbannte er ihn kommentarlos auf die Ersatzbank. Lunde verlor seine Unbekümmertheit, die ihn so stark gemacht hatte. Schliesslich kehrte er leihweise in die Schweiz zurück, zum FC Aarau mit Ottmar Hitzfeld als Übungsleiter. An besagtem Abend fährt er gedankenversunken über einen Bahnübergang und wird mit aller Wucht von einem Zug gerammt. Schädel-Hirn-Trauma. Zwölf Tage Koma. Nichts ist mehr wie vorher, vor allem mit der Koordination bekundet er Probleme. Zwar gibt er noch sein Comeback – «ein emotional unvergessliches Erlebnis». Doch schon bald muss er einsehen, dass es besser ist, den Rücktritt zu geben. Mit bloss 27 Jahren.

Heute arbeitet er als Operationsassistent in Bern. Oft wird er während der letzten Vorbereitungen für die anstehende OP von den Patienten erkannt: «Sind Sie nicht der Lunde?» Das freut ihn, in Bern fühlt er sich wohl. Hier will der Vater eines erwachsenen Sohnes alt werden. «Es war Liebe auf den ersten Blick, als ich als 20-Jähriger nach Bern kam.» Eine Liebe, die bis heute anhält.  

Lars Lunde über …

… das EM-Qualifikationsspiel Schweiz–Dänemark und wem er die Daumen drückt: «Die Schweizer haben ein gutes Team, klar, aber trotzdem sehe ich die Vorteile bei den Dänen. Sie haben grossartige Spieler in der Mannschaft wie Christian Eriksen von Tottenham Hotspurs oder Goalie Kasper Schmeichel, der seinem berühmten Vater in nichts nachsteht. Obwohl es mir in der Schweiz so gut gefällt und ich auf Deutsch denke, bin ich immer Däne geblieben. Und deshalb drücke ich auch Dänemark die Daumen.»

… Ottmar Hitzfeld: «Er war der beste Trainer, den ich je hatte. Er hatte alles, war taktisch gut, das Training stimmte, vor allem aber zeichnete ihn seine Menschenkenntnis aus. Er konnte auf jeden eingehen und das kam ihm später bei den grossen Mannschaften zugute. Und wenn er im Training mitkickte, zeigte er, wie gut er als Fussballer war. Das macht einen Trainer natürlich noch glaubwürdiger.»

… Uli Hoeness: «Ich habe ihm unendlich viel zu verdanken. Als es mir nach dem Unfall auch psychisch schlecht ging, sagte er, dass ich bei seiner Familie wohnen könne. Ich nahm die Einladung an und das tat mir sehr gut. Er ist ein sehr grosszügiger Mensch. Schade, dass er immer wieder in die Kritik gerät und so angegriffen wird.»