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Was macht eigentlich?

Was macht eigentlich Micheline Calmy-Rey?

Micheline Calmy-Rey Die alt Bundesrätin hat keine Zeit für Kochkurse oder Krimis auf dem Sofa.

FOTOS
Oke/Oliver Hochstrasser, Keystone
27. Mai 2019

Im. April 2019 bei einem Festakt in der Offenen Kirche Elisabethen in Basel.

Voll engagiert 

Micheline Calmy-Rey (73) ist ganz schön auf Zack. Und bestens aufgelegt. Vor acht Jahren trat die Walliserin, die in Genf wohnt, als Bundesrätin zurück, aber nicht kürzer. «Frau Calmy-Rey, dann haben Sie also keine Zeit, um endlich das zu tun, was während Ihrer Tätigkeit im Bundesrat nicht möglich war?» Sie winkt ab: «Hören Sie, ich bin jetzt an der Universität Genf voll engagiert, da bleibt wenig Zeit für anderes. Ich bin keine, die auf dem Sofa sitzt und den ganzen Tag Krimis liest.»

Sie ist Gastprofessorin und lehrt – als ehemalige Aussenministerin naheliegend – internationale Beziehungen und Schweizer Aussenpolitik. Kleine Nachfrage: «Also kein Kochkurs oder irgendwas in dieser Richtung?» Wieder winkt sie ab, aber dieses Mal begleitet von einem herzhaften Lachen: «Nein, ein Kochkurs interessiert mich nicht.» Sie überlegt einen kurzen Moment. Es muss sich doch etwas finden lassen, das sie sich jetzt gönnt – trotz ihres grossen Pensums («Es sind immer noch lange Arbeitstage.»). Und tatsächlich: «Ich singe in einem Chor.»

Nach diesem klaren Bekenntnis gibt sich die zweifache Mutter und dreifache Grossmutter unverbindlich diplomatisch. «Ein Projekt, das Sie verwirklichen wollen?» «Oh, ich habe noch viele Projekte.» «Ihre schönste Begegnung als Bundesrätin?» «Wir sassen nicht zum Vergnügen am Verhandlungstisch, nein, es ging darum, unsere Inte- ressen einzubringen. Da haben Sie keine Zeit, um sich Gedanken da- rüber zu machen, wie schön ein Politiker vielleicht ist.» Sind aber im Bundesrat Freundschaften entstanden? Auch diese Antwort kommt zackig, begleitet von einem Lachen: «Man ist nicht der Liebe wegen im Bundesrat. Und Zeit hat man auch keine dafür.»