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Was macht eigentlich?

Was macht eigentlich Stefan Angehrn?

Der ehemalige Boxprofi aus der Ostschweiz tuckert gerade auf ruhiger See.

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Keystone, zvg
14. Januar 2019

 Früher begrüsste Stefan Angehrn seine Gegner mit Faustschlägen, heute grüsst er von der Schiffsreling: «Hallo Coopzeitung!»

Stefan Angehrn (54) wurde oft von stürmischen Wogen erfasst: Boxerkrise, Beziehungskrise, Schuldenkrise. Doch nun erreichen wir ihn auf ruhiger See. «Ich bin mit meiner Bettina auf einem Kreuzfahrtschiff … (Unterbruch) … im Oman … (Unterbruch) … Weltklasse hier …»

Weltklasse war kurzzeitig auch der Thurgauer, der heute in Oetwil an der Limmat ZH wohnt. Als Boxer besiegte er 1997 in Düsseldorf sensationell den deutschen Ex-Olympiasieger Torsten May (49). «Mein grösster Kampf … am 13. Dezember … nicht mal mein Trainer traute mir etwas zu …» Kein Wunder, die WM-Kämpfe gegen Ralf Rocchigiani (55) hatte er zuvor verloren. Doch Angehrn steht gegen May seinen Mann. Er bietet dem technisch überlegenen Gegner Paroli, bis dieser in der neunten Runde ihm ins Ohr flüstert: «Stef, ich hör auf!»

Plötzlich klopften Angehrn alle auf die Schulter, nur bezahlen wollte niemand. Sein nächster Kampf, den er organisierte, wurde zum Fiasko: nur 840 Zuschauer sahen in Kloten, wie er Dan Ward (55) besiegte. Mit Schulden von einer halben Million Franken stieg er 2000 in seinen letzten Kampf und gab mittendrin ebenfalls auf.

Heute vertreibt er Nahrungsergänzungsprodukte; Kritiker sagen, er tue dies per Schneeballsystem, er selber spricht von einer Networking-Organisation. Und der Schuldenberg? Es rauscht in der Leitung. «… alles auf gutem Wege … ich erhalte einen Leistungslohn … ich chrampfe viel.» Umso wichtiger sei es, dass man sich Auszeiten nimmt. So wie jetzt. Ganz abtauchen kann der Vater (vier erwachsene Kinder) und Grossvater (zwei Zwillinge, eine weitere Enkelin in spe) allerdings nicht. «… es hat viele Schweizer auf dem Schiff… die freuen sich über meine früheren Kämpfe … einfach alles super hier.»