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Was macht eigentlich?

Was macht eigentlich Theo Nadig?

Die Skitrainer-Legende ist am Flumserberg immer noch auf der Piste anzutreffen.

FOTOS
Rainer Eder, Keystone
28. Januar 2019

Theo Nadig mit Gattin Jolanda.

Chef am Berg 

Wie klein die Welt doch ist, zeigt sich am Flumserberg. Für die Reportage über die Bedeutung des Skisports befrage ich oben auf dem Maschgenkamm auf gut Glück eine Gruppe Skifahrer. Irgendwann zieht einer der Männer Helm und Brille ab – nun ist das Gesicht erkennbar: Es handelt sich um Theo Nadig. Der 71-jährige Flumser ist eine Trainerlegende, der bei Swiss-Ski, in den USA («meine schönste Zeit»), Italien und Frankreich wunderbare Erfolge feierte, aber trotzdem nicht nur die Sonnenseiten des Skisports kennenlernte. «Es gab auch Misstöne», sagt er ganz offen.

Mit Swiss-Ski verkrachte sich der Bruder von Olympiasiegerin Marie- Theres Nadig gleich zweimal. In den Siebzigerjahren wurde er als junger Draufgänger Opfer eines Generationenkonflikts im Trainerstab. Nach seiner Rückkehr in den Neunzigerjahren eckte er als Chef Alpin mit seiner Eigenwilligkeit an. So setzte er durch, dass Sonja Nef wegen ihrer Knieprobleme ein eigenes Betreuerteam erhielt – die hohen Kosten gefielen den Verbandsfunktionären gar nicht. 1999 an der WM in Vail (USA), wo die Stimmung im Team am Boden war, forderte Paul Accola den Rücktritt des Chefs: «Ich glaube, das ist im Sinn der ganzen Skination Schweiz.» Nadig wurde zum Nachwuchschef degradiert, ein Jahr später stieg er bei Swiss-Ski ganz aus.

Heute geniesst der zweifache Vater die Skitage mit seiner Frau Jolanda (68); früher wollte sie vom Skifahren nichts wissen, doch nun, wo genug Zeit da ist für Ausflüge, steht sie mit ihm gerne auf die Ski, die ihm die Welt bedeuten. Ein paar Nachwuchsfahrer trainiert er immer noch, «doch sonst lasse ich es ruhig angehen».

Zwei Tage später erzähle ich Sonja Nef an einem ganz anderen Hang von der zufälligen Begegnung. «Ja, ja, der Theo», sagt sie und zeigt auf einen Mann, der auf der Piste gerade ein paar Slalomtore aussteckt: «Dort steht er übrigens.»

1994 mit Schwester Marie-Theres