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Schimmelpilze: Gefährliche Mitbewohner

Wächst an den Wänden der Schimmelpilz, wird es ungemütlich und ungesund. Ein Problem, das in jeder vierten bis fünften Schweizer Wohnung auftaucht. Was man über Schimmel, dessen Entstehung und Beseitigung wissen sollte.

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Newsimage, Istockfoto, zVg
28. November 2011

In der Vergrösserung ganz hübsch: Mikroskopaufnahme eines Schimmelpilzes. Einen solchen eher kleinen Befall kann man auch ohne Fachmann mit geeigneten Mitteln beseitigen.

In der Vergrösserung ganz hübsch: Mikroskopaufnahme eines Schimmelpilzes.

Einen solchen eher kleinen Befall kann man auch ohne Fachmann mit geeigneten Mitteln beseitigen.

Reportage

Wenn draussen der Winter Einzug hält, taucht drinnen häufig ein unerwünschter Mitbewohner auf der Schimmelpilz. Er sitzt hinter dem Schrank oder wuchert im Badezimmer. Bemerken tut man ihn meist erst, wenn die Bescherung schon da ist: Ein grosser schwarzgrauer Fleck, der ebenso ungesund ist, wie er aussieht. Die Sporen des Schimmelpilzes können bei empfindlichen Menschen besonders aber bei Kindern allergischen Schnupfen und Bronchialasthma hervorrufen oder Atemwegs- erkrankungen begünstigen. Möglich sind auch allergische Hautreaktionen, Schnupfen, Husten, Kopfweh, Müdigkeit, Gelenkschmerzen, Schleimhautreizungen, Durchfall, Erbrechen sowie Schlafstörungen.

Leiden die Bewohner der verseuchten Räume an bestimmten Vorerkrankungen, leben sie richtig gefährlich: Wer schweres chronisches Asthma hat oder Cystische Fibrose, riskiert durch Schimmel die allergische Lungenerkrankung ABPA (Allergische Bronchopulmonale Aspergillose), und Menschen mit angeschlagenem Abwehrsystem (zum Beispiel durch Aids, Krebs oder Organtransplantation) können an lebensbedrohlichen Schimmelpilz- und bakteriellen Infektionen erkranken.

Eine Liste des Schreckens, die veranschaulicht, weshalb Schimmel beseitigt werden muss. Das Problem, so Kurt Hollenstein, Schimmelexperte der Firma Mellerud: Im Anfangsstadium ist der Befall für das menschliche Auge nicht unbedingt sichtbar. Entdeckt man schwarze oder farbige Flecken an Wänden, in Ecken, an Decken oder Möbelrückseiten, hat sich der Schimmel ausgebreitet. Typisches Anzeichen für einen Schimmelbefall in Innenräumen sei ein modriger, muffiger oder nach Erde riechender Geruch. Wie aber entsteht Schimmel überhaupt? Er benötigt ein feucht-warmes Klima sowie möglichst keine Zugluft. Feuchte Oberflächen werden durch undichte Bauteile verursacht, durch kaputte Wasser- leitungen, aufsteigende Feuchtigkeit in Keller- räumen sowie durch die Feuchtigkeit der Raumluft. In einem Fachartikel schreibt Thomas Ammann, Architekt FH und Mitarbeiter des Haus- eigentümerverbandes Schweiz (HEV): Das Zusammenspiel zwischen Raumluftfeuchtigkeit und der Temperatur auf der Oberfläche von Bauteilen ist von grosser Bedeutung. Kühlt die Raumluft an kalten Wandoberflächen ab, herrscht an der Oberfläche eine deutlich höhere relative Feuchtigkeit als im Raum selbst.

Liegt die relative Feuchtigkeit an der Wandoberfläche während einiger Tage bei 80 Prozent oder höher, ist mit Schimmelbildung zu rechnen. Nährstoffe der gefürchteten Schimmelpilzsporen sind Hausstaub, Papier, Karton, Tapeten sowie Holzwerkstoffe vor allem, wenn die Materialien verschmutzt sind. Es gilt also, ein wachsames Auge auf die Luftfeuchtigkeit zu halten. In Wohnräumen gibt es mehr als genug Feuchtigkeit. In einem Drei-Personen-Haushalt etwa verdunsten beim Duschen, Waschen, Kochen, durch Pflanzen und Haustiere ungefähr sechs bis zwölf Liter Wasser pro Tag, erklärt Kurt Hollenstein. Besonders betroffen ist das Schlafzimmer, weil jeder Mensch pro Nacht rund zweieinhalb Deziliter Wasser verliert. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) empfiehlt, als Faustregel, während der Heizperiode neben einer Raumtemperatur von 20 Grad Celsius eine relative Raumfeuchtigkeit von 30 bis 50 Prozent. Ermitteln lässt sich diese mit einem einfachen Hygrometer. Daneben gibt es natürlich noch eine Reihe von weiteren Massnahmen, um dem Schimmelpilz das Leben schwerzumachen.

Haben sich Schimmelpilze ausgebreitet, muss man schnell handeln. Selbst bei geringem Schimmelbefall. Wichtig ist die Suche und nachhaltige Beseitigung der Ursachen. Liegt es an baulichen Mängeln, am falschen Lüften, oder stehen die Möbel ungünstig? Schimmel muss immer vollständig entfernt werden, denn abgetötete Schimmelpilze und besonders deren Sporen sind ebenso gesundheitsgefährdend wie noch lebende, erklärt Hollenstein. Experten unterscheiden zwei Klassen von Schimmelbefall: Bei weniger als einem halben Quadratmeter Schimmelbefall spricht man von einer niedrigen Schadstoff-Exposition, bei mehr als einem halben Quadratmeter von einer hohen Exposition. Bei einem kleinflächigen Befall können die Mieter oder Eigentümer den Schimmel mit geeigneten Produkten schnell und wirksam selbst entfernen, ohne dabei ein gesundheitliches Risiko einzugehen, so Kurt Hollenstein.

Um eine Ausbreitung der Pilzsporen möglichst zu vermeiden, empfiehlt es sich, betroffene Stellen mit glatter Oberfläche mit Anti-Schimmel-Produkten wie Schimmel-Entferner oder Schimmel-Vernichter zu behandeln sowie den Schimmel gemäss den Anweisungen auf den Spezialprodukten zu entfernen. Bei rauen Oberflächen die Einsatzgebiete nach der Anti-Schimmel-Behandlung mit einer Bürste porentief reinigen und dann ein Schimmelschutzprodukt verwenden. Muss die Tapete oder der Putz runter, die Fläche ebenfalls mit Anti-Schimmel-Mittel über die Befallsränder hinaus behandeln. Danach die Wand raschmöglichst trocknen lassen.

Achtung: Der Sanierer sollte sich bei dieser Arbeit mit Handschuhen, Mund- und Atemschutz schützen. Bei einem massiven Befall braucht es jedoch unbedingt den Rat eines Fachmanns. Entsprechende Fachstellen helfen hier weiter (siehe www.coop zeitung.ch/schimmel). Aus rechtlicher Sicht ist Schimmel ein Mangel am Mietobjekt. Der Hausbesitzer muss diesen entfernen lassen und die Kosten übernehmen. Das gilt jedoch nicht, wenn die Bewohner selbst am Schimmelbefall schuld sind. Neben dem gesundheitlichen Aspekt gibt es noch ein zweites Motiv, dem fiesen Pilz schnellstmöglich den Garaus zu machen: Wer seinen Vermieter nicht über den Schimmelbefall in Kenntnis setzt, wird unter Umständen für die in der Folge entstehenden Schäden verantwortlich gemacht. Und das kann ganz schön teuer werden!

Vorbeugen

Nie mehr Schimmel

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG), der Hauseigentümerverband Schweiz (HEV), der Schweizerische Mieterinnen- und Mieterverband (MV) sowie der Schweizerische Verband der Immobi- lienwirtschaft (SVIT) haben die Broschüren Schimmel in Wohnräumen Informationen für Bewohner, Mieter und Vermieter sowie Vorsicht Schimmel eine Wegleitung zu Feuchtigkeitsproblemen und Schimmel in Wohnräumen herausgegeben. Einige Tipps daraus:

Richtig lüften

Mindestens dreimal täglich durch Öffnen aller Fenster und Türen während fünf bis zehn Minuten mit Durchzug lüften.
In älteren Gebäuden mit neuen Fenstern und schlechter Wärmedämmung häufiger lüften. Dasselbe gilt für Wohnungen, in denen viele Menschen leben, sowie für Neubauten oder Gebäude nach grös- seren Umbauten.
Beim Kochen, Duschen, Baden und Bügeln entsteht Dampf. Diese Feuchtigkeit durch Abluftventilatoren oder Lüften entweichen lassen. Achtung: Beschla- gene Fenster signalisieren eine zu hohe Luftfeuchtigkeit.
In Räumen mit Feuchtigkeitsproblemen keine Wäsche trocknen und keine Luftbefeuchter verwenden.

Richtig heizen

In schlecht gedämmten Häusern den Heizbeginn nicht hinauszögern und die Raumtemperatur bei zirka 20 Grad halten.
In gut isolierten und belüfteten Gebäuden kann man die Raumtemperatur problemlos auf 18 Grad sinken lassen.

Richtig möblieren

Vorhänge und Möbel können die Luftzirkulation behindern und so Schimmel begünstigen. Darum zwischen Möbeln und Aussenwänden einen Abstand von zehn Zentimetern einhalten.
Grosse Möbel an Innenwände statt an kühle Aussenwände stellen.
Bei kühlen sogenannten Fensterlaibungen (die Schnittfläche, die an Fenster- und Türöffnungen die innere, der Öffnung zugewandte Mauerfläche bildet) auf Vorhänge verzichten.

Richtig und rechtzeitig sanieren

Stehen der Einbau neuer Fenster und/oder eine Fassadendämmung an, lohnt sich der Zuzug eines Bauphysikers oder Lüftungsplaners, damit dieser das Schadensrisiko an Bauteilen abschätzt und die Lüftungseinrichtungen überprüft.
Sanitärfugendichtungen regelmässig erneuern. Nach ein paar Jahren wird das Dichtungsmaterial undicht, sodass Wasser in tiefere Schichten eindringen und in der Folge Schimmel entstehen kann. Für den Sanitärbereich gibt es Fugensilikon mit Anti-Schimmel-Schutzwirkung.

Diese Broschüren gibt es als Gratis-Download unter: www.hev-schweiz.ch/schimmel

Die gedruckte Version bekommt man gratis unter: www.bundes publikationen.admin.ch

Schutz ist wichtig

Sanieren, aber richtig

In der Broschüre Schimmel in Wohnräumen ist zum Thema Schimmelsanierung Folgendes nachzulesen: Wird nicht frühzeitig saniert, können die Sanierungskosten erheblich steigen. Schimmelpilzsanierungen sind aber nicht nur notwendig, sie sind auch Extremsituationen. Denn die Belastung mit Pilzbestandteilen kann während einer Sanierung um das 1000- bis 10000-Fache ansteigen. Auch können Staub und chemische Substanzen die Gesundheit belasten. Damit weder die Sanierer noch die Bewohner gefährdet sind, sollen Schimmelsanierungen gemäss den Merkblättern der Suva und des Schweizerischen Maler- und Gipserunternehmerverbandes (SMGV) durchgeführt werden. Abhängig von der zu erwartenden Be- lastung werden Sanierende sich mit Arbeitskleidung, Schutzhandschuhen, Atemschutzmasken und Schutzbrillen begnügen. In anderen Fällen wird es nötig sein, den Sanierungsort gegenüber anderen Räumen abzuschotten oder gar für Frischluftzufuhr und Unterdruck im Sanierungsbereich zu sorgen. Stets sollten die Pilzbestandteile vollständig entfernt, feuchte Stellen gut ausgetrocknet und die Ursachen für die übermässige Feuchtigkeit behoben und entschärft werden.